Lustlos-Auftritt gegen Schweden

Ribéry sauer auf seine Mitspieler

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Franck Ribéry hatte gegen Schweden wenig Spaß

Kiew - Frankreichs Nationaltrainer Laurent Blanc hält seinen Versagern in der Kabine eine Standpauke. Franck Ribéry vergeht der Spaß. Er lässt kein gutes Haar an seinen Mitspielern.

Als Laurent Blanc seinen Versagern in der Kabine eine Standpauke hielt und dabei nach eigener Aussage „richtig heißlief“, verging Franck Ribery endgültig der Spaß. „Keine Lust. Keine Lust“, brummelte der Dribbelkünstler von Bayern München in den Katakomben des Olympiastadions von Kiew, nachdem er auf dem Feld noch als einziger Franzose so etwas wie Spielfreude gezeigt hatte. Nach mehrmaligem Bitten blieb der 29-Jährige dann doch stehen, und auch er ließ nach dem peinlichen 0:2 (0:0) gegen Schweden kein gutes Haar an seinen überheblichen Kollegen.

Ribéry unter Volldampf: Schräge Fotos

Ribéry unter Volldampf: Schräge Fotos

„Vielleicht haben einige gedacht, sie müssten sich nicht mehr motivieren“, zischte Ribéry. Dann bremste er sich um des inneren Friedens willen selbst ein und ließ Phrasen folgen. „Wir sind traurig, aber nicht geschockt. Wir waren schlecht, aber man sollte es nicht dramatisieren“, sagte er nach dem sportlichen Rückfall in schlimmste Südafrika-Zeiten. Das Viertelfinale verspielte der peinlichste WM-Teilnehmer 2010 nicht mehr, dafür aber zahlreiche Sympathien in der Heimat.

Als gerechte Strafe für die „Nicht-Leistung“ (Stürmer Karim Benzema) bekommt die Equipe Tricolore es nun mit Welt- und Europameister Spanien zu tun. Doch diese vermeintliche Schreckensnachricht kommentierten „Les Bleus“ genauso gleichgültig und leidenschaftslos wie sie zuvor gespielt hatten. „Ob Spanien oder Italien ist doch egal“, sagte Außenverteidiger Gaël Clichy und hatte irgendwie sogar recht. Eine Chance haben die zuvor 23 Mal in Folge ungeschlagenen Franzosen mit Leistungen wie am Dienstag ohnehin gegen keinen Gegner. „Wenn man sieht, wie wir gespielt haben, ist es schwer vorstellbar, dass wir das Halbfinale erreichen“, sagte Nationaltrainer Blanc.

„Le President“ hatte auf ähnlich gleichgültiges Gewäsch wie sein „Fuß-Volk“ keine Lust. Er redete Klartext. Zunächst in der Kabine, wo nach Angaben von Stürmer Olivier Giroud die Wände gewackelt haben sollen. „Wenn man verliert, ist man eben heißblütig. Ich bin richtig heißgelaufen. Und dann habe ich mich mit einer guten Dusche wieder abgekühlt“, sagte der 46-Jährige: „Es ist ein bisschen mit mir durchgegangen, weil jeder gespürt hat, dass alle nicht alles gegeben haben.“ Es war auch der Ärger darüber, dass die Spieler ihr Versagen nicht so deutlich eingestanden: „Wenn etwas nicht stimmt, muss man das sagen, und das ist nicht nur die Aufgabe der Trainer.“

Die Gescholtenen schienen die ganze Aufregung aber gar nicht zu verstehen. „Wir stehen im Viertelfinale. So gut waren wir seit sechs Jahren nicht“, betonte sogar Ribéry. Und auch Benzema redete, als müsse sein Team einfach nur den Schalter umlegen, um wieder alles in Grund und Boden zu spielen. „Gegen Spanien können wir für eine Überraschung sorgen“, behauptete der Stürmerstar von Real Madrid: „Sie sind nicht unschlagbar. Das wird ein Krieg, und wir wollen ihn gewinnen.“ Auch die Medien haben ihre Euphorie nicht vollends verloren. „Merkt euch den 23. Juni vor“, schrieb Le Parisien, als hätten die Franzosen gerade die Schweden blamiert - und nicht umgekehrt: „Am Geburtstag von Zinedine Zidane treffen die Blauen auf den Welt- und Europameister. Das ist ein Traum-Viertelfinale!“

Das hatten die Schweden zwar nicht erreicht, aber sie verabschiedeten sich erhobenen Hauptes. Ja, mehr noch. „Ibrakadabra“ sorgte zum Abschluss für großen zauber:. Das Scherenschlag-Tor von Zlatan Ibrahimovic (54.) war eines der schönsten des Turniers, Sebastian Larsson (90.+1) bestrafte Frankreich mit einem weiteren Treffer. In Erinnerung blieb aber vor allem Ibrahimovics „Kunstwerk“ (Expressen), mit dem er sich in die Geschichtsbücher eintrug als erster Spieler mit mindestens zwei Toren bei drei Europameisterschaften. Der erste Sieg gegen Frankreich seit 43 Jahren gab Schweden die Hoffnung auf bessere Zeiten. „Das war ein Start in eine neue Zukunft. Wenn wir so spielen, können wir jeden Gegner schlagen“, sagte Ibrahimovic mit Blick auf die Quali für die WM 2014 in Brasilien mit Gruppengegner Deutschland.

sid

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