Fortuna bremst die Euphorie

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Thomas Bröker schließt seinen Sololauf zum 1:1 ab

Berlin - Bloß nicht durchdrehen! Nach dem 2:1 bei Hertha BSC übt sich Fortuna Düsseldorf in Zurückhaltung. Doch dank einer starken Aufholjagd hat das Team von Trainer Norbert Meier beste Chancen auf die Rückkehr in die Bundesliga.

Sie fielen sich erleichtert in die Arme, reckten die Fäuste triumphierend in den Berliner Nachthimmel und ließen sich ausgelassen von ihren Fans vor der Kurve feiern - dann besannen sich die Spieler und Verantwortlichen von Fortuna Düsseldorf. „Es war für uns ein gutes Ergebnis, das lässt sich nicht leugnen, aber deswegen haben wir noch nichts gewonnen“, mahnte Trainer Norbert Meier, der seinem Lehrmeister Otto Rehhagel soeben eine schmerzhafte Lehrstunde erteilt hatte.

Mit einem 2:1 (0:1)-Auswärtscoup nach starker Aufholjagd hatte Zweitligist Fortuna Düsseldorf im Hinspiel der Relegation um den letzten Platz in der Fußball-Bundesliga Hertha BSC geschockt und die Mannschaft von „König Otto“ noch dichter an den Abgrund zur 2. Liga gedrückt. Während den Berlinern nach dem Rückspiel am Dienstag (20.30 Uhr/ARD und Sky) der sechste Abstieg droht, steht die Fortuna nach 15 Jahren vor der Rückkehr ins Oberhaus.

„Ich glaube, wir sind für viele schon aufgestiegen. Aber wir werden nicht den Fehler machen, das selbst zu glauben“, sagte Düsseldorfs Innenverteidiger Jens Langeneke: „Der halbe Weg ist gegangen, wir wollen ihn jetzt zu Ende gehen.“

Es waren immer die gleichen Aussagen, die den Fortuna-Profis nach dem Spiel in den Katakomben des Olympiastadions über die Lippen kamen. Es sei zu früh zum Feiern, zu früh für ein Gefühl der Erleichterung und zu früh, um für die Bundesliga zu planen. Noch stehen 90 Minuten an. Mindestens.

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Doch die Fans waren völlig euphorisiert, auch in Düsseldorf wurde nach dem Abpfiff die Nacht zum Tag gemacht - eine ganze Stadt fiebert nach langer Leidenszeit der Rückkehr in die Bundesliga entgegen, nachdem die Fortuna bis 2004 sogar in den Niederungen der 4. Liga verschwunden war. „Wir haben jetzt ein Endspiel, und das hat die Mannschaft sich erarbeitet. Das kann man gar nicht hoch genug einschätzen“, sagte Meier: „Für die Fans ist es phantastisch, dass das zweite Relegationsspiel das entscheidende wird.“

Und das liegt daran, dass sich sein Team im ersten nicht aufgegeben hat. Nach der frühen Führung durch Herthas Abwehrchef Roman Hubnik (19.) kämpfte sich der Zweitliga-Herbstmeister zurück. Erst traf Thomas Bröker (64.), dann fälschte Berlins Adrian Ramos einen Freistoß von Ken Ilsö zum 2:1 (71.) ab. „Tot sind wir erst, wenn der Gegner am Ende ein Tor mehr hat. Bis dahin kämpfen wir“, sagte Langeneke.

Auch Fortuna-Coach Meier, der viele Jahre als Spieler unter Rehhagel in Bremen aktiv war, verlor beim Ausgleich seine Zurückhaltung, startete einen Jubellauf in Brökers Richtung und fiel dem Torschützen glücklich um den Hals. „Die Freude musste einfach raus“, sagte der 53-Jährige. Und Bröker meinte: „Es ist schön, dass sich der Trainer so mit uns freuen kann.“

Abheben oder durchdrehen will und soll in den nächsten Tagen in Düsseldorf niemand. Auch, wenn es am Dienstag zur großen Aufstiegs-Sause kommen könnte. „Wir bleiben völlig cool“, sagte Ilsö, der aber zugeben musste: „Ich bekomme jetzt schon Gänsehaut, wenn ich an die Stimmung in unserem Stadion und die Gesänge der Fans denke.“

Gerade mal eine mickrige Chance aus dem Spiel heraus hat der Zweitligist gegen Hertha BSC zugelassen. Trotzdem haben die Berliner die Hoffnung auf den Klassenerhalt noch nicht aufgegeben. „Heute ist erst Halbzeit. Wir wissen, dass wir in der Vergangenheit auswärts oft stärker waren als zu Hause“, sagte Manager Michael Preetz.

Auch Otto Rehhagel glaubt vor seinem womöglich letzten Spiel als Trainer an sein Team. „Es ist noch nichts gelaufen“, sagte der 73-Jährige: „Die Jungs sind am Boden zerstört. Wir werden in den nächsten Tagen viele Gespräche führen und dann mit neuem Mut nach Düsseldorf fliegen.“

sid

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