"Haben uns absolut nichts vorzuwerfen"

FIFA-Skandal: WM 2006 und Beckenbauer nicht im Visier

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Der damalige WM-OK-Chef Franz Beckenbauer (l.) und FIFA-Präsident Joseph Blatter beim Auftakt der Endrundenauslosung für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Leipzig (Archivbild vom 09.12.2005).

Berlin - Der deutsche Fußball kommt im FIFA-Skandal bislang gut weg. Weder die WM 2006 noch Franz Beckenbauer sind Bestandteil der Ermittlungen.

Der Korruptionssumpf im Fußball-Weltverband FIFA wird immer tiefer - und der deutsche Fußball will auf keinen Fall hineingezogen werden. Offiziell sind weder das „Sommermärchen“ 2006 noch „Kaiser“ Franz Beckenbauer als früherer Entscheider in den höchsten FIFA-Kreisen Bestandteil der Ermittlungen der US- und Schweizer Behörden.

„Wir haben uns absolut nichts vorzuwerfen“, sagte Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), im ZDF zu den Gerüchten um die Endrunde im eigenen Land: „Ich darf daran erinnern, dass wir die absolut beste Bewerbung hatten. Wir haben die Abstimmung mit 12:11 gewonnen. Wir wissen, dass die acht Europäer für uns gestimmt haben. Woher die anderen vier Stimmen kamen, können wir nur vermuten. Die haben wir mit unserer Bewerbung überzeugt.“ Auch Bundesinnenminister Thomas de Maiziere kennt nach Gesprächen mit den US-Behörden „keine Deutschland-Bezüge“.

Im Zuge des Skandals, der die FIFA in die tiefste Krise ihrer Geschichte stürzte, sind die Weltmeisterschaften 1998, 2010, 2018 und 2022 ins Fadenkreuz der Ermittler aus den USA und der Schweiz geraten. Zumindest vor den Vergaben für 1998 und 2010 wurde sehr offensichtlich bestochen und betrogen. Das geht aus den Protokollen der US-Vernehmung des früheren FIFA-Funktionärs und „Whistleblowers“ Chuck Blazer hervor.

Die Schlüsselfigur ist der in den USA angeklagte ehemalige FIFA-Vize Jack Warner, der am Samstag auch von Ägypten schwer belastet wurde. Vor der Vergabe für 2010 soll er seine Stimme gegen die Zahlung von sieben Millionen US-Dollar feilgeboten haben. Das nordafrikanische Land lehnte ab. Von den Endrunden 2002 und 2006 ist bislang keine Rede.

„Ich halte es für ausgeschlossen, dass von den für die Bewerbung verantwortlichen Vertretern des Deutschen Fußball-Bundes versucht worden sein sollte, die Mitglieder des Exekutivkomitees durch unlautere Mittel zu beeinflussen“, sagte der damalige Innenminister Otto Schily der Bild. Genährt werden die Gerüchte unter anderem durch einen Waffendeal der Bundesregierung mit Saudi-Arabien eine Woche vor der Vergabe im Juli 2000, den Ankauf fraglicher TV-Rechte und die Entscheidung des Neuseeländers Charles Dempsey, der vor der Wahl im FIFA-Exko den Raum verließ und damit zum „Zünglein an der Waage“ wurde.

Wie Beckenbauer zehn Jahre später bei der Wahl der dann scharf kritisierten Ausrichter Russland (2018) und Katar (2022) abstimmte, hat der Kaiser bislang nicht verraten. Offenbar finden die Behörden aber auch nichts Anrüchiges an der Entscheidung des inzwischen 69-Jährigen, der von 2007 bis 2011 in der „Regierung des Weltfußballs“ saß.

„Nein, natürlich nicht“, antwortete Beckenbauer auf die Frage, ob er von der Schweizer Bundesanwaltschaft kontaktiert worden sei. Sieben andere Entscheider des damaligen Exko sind bereits befragt worden. Die Schweizer Behörde ermittelt wegen einer von der FIFA selbst gestellten Strafanzeige gegen Unbekannt wegen „Unregelmäßigkeiten“ bei der doppelten Vergabe. Seit Jahren wird die Vorbereitung auf die Endrunden durch schwere Korruptionsvorwürfe belastet.

„Was in der FIFA passiert, betrifft uns alle. Wir sind alle Fußballer“, sagte der Kaiser: „Es ist furchtbar für den Fußball, dass es solche Entwicklungen gegeben hat.“

In der vergangenen Woche, im Zuge des „FIFA-Bebens“, waren die Ermittler in der Züricher FIFA-Zentrale und sammelten dort Daten und Dokumente ein. Fast zeitgleich wurden davon unabhängig sieben hochrangige FIFA-Funktionäre aufgrund von Ermittlungen des FBI und der US-Staatsanwaltschaft verhaftet. In der Folge trat der eigentlich wiedergewählte FIFA-Präsident Joseph S. Blatter am vergangenen Dienstag zurück.

„Die FIFA hat 209 Mitgliedsverbände, das sind bestimmt 1000 Funktionäre“, sagte Beckenbauer: „Die alle zu kontrollieren, kann nicht funktionieren. Es muss ein Schlüssel gefunden werden, um so etwas in Zukunft zu verhindern.“ Mehr könne er nicht sagen. „Ich weiß nur, was in den Medien steht. An Spekulationen möchte ich mich nicht beteiligen“, sagte Beckenbauer.

SID

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