FIFA: Hoeneß und Rauball schießen gegen Zwanziger

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Uli Hoeneß (li.) und Reinhard Rauball sind mit den Bemühungen der FIFA um Aufklärung unzufrieden.

Frankfurt - Im Kampf gegen die Korruption beim Fußball-Weltverband FIFA gerät Theo Zwanziger zwischen die Stühle. Neben Uli Hoeneß reiht sich jetzt auch Liga-Präsident Reinhard Rauball in die Kritiker ein.

Während auch Liga-Boss Reinhard Rauball am Wochenende vom DFB-Präsidenten „substanzielle“ Beweise für die Vorwürfe gegen die Vergabe der WM 2022 an den Wüstenstaat Katar forderte, attackierte Uli Hoeneß aktuelle sowie ehemalige FIFA-Führungskräfte und geißelte dabei die Rolle von Zwanziger.

„Bin Hammam, Chuck Blazer, Jack Warner, Grondona, Leoz - ich kann ihnen noch 50 Namen sagen, die Dreck am Stecken haben“, sagte der Präsident von Bayern München dem TV-Sender Sky und nahm sich zudem erneut Zwanziger, der bei der FIFA-Präsidentenwahl den umstrittenen Amtsinhaber Joseph S. Blatter gewählt hatte, zur Brust: „Es ist so viel Schlimmes bei der FIFA in den letzten Monaten passiert. Da hätte ich es prima gefunden, wenn Theo Zwanziger, den ich persönlich sehr schätze, gesagt hätte, ich bin hier ein neuer Mann, muss erst mal alles kennenlernen - und der DFB hätte sich bei der Wahl enthalten.“

Hoeneß forderte, dass sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit dem Blatter-kritischen englischen Verband FA zusammensetzt und dann sagen soll, „wir arbeiten das alles mal auf“. Rauball formulierte nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung (Samstag-Ausgabe) harte Forderungen, die weit über den Fünf-Punkte-Plan von Zwanziger hinausgehen. So fordert Rauball unter anderem, dass die in England erhobenen Vorwürfe gegen vier FIFA-Funktionäre, die insgesamt 20 Millionen Dollar kassiert haben sollen, aufgeklärt werden. „Das wurde nie behandelt“, sagte Rauball.

Der Liga-Präsident will zudem zu klären, „inwieweit die Vorwürfe zur WM-Vergabe an Katar, die Zwanziger auf die Tagesordnung setzen will, substanziell unterlegt sind“. Auch Rauball ist gegen eine WM in Katar. Der Präsident von Borussia Dortmund fürchtet aber, dass Zwanzigers Ansatz wirkungslos verpufft. Deshalb wünscht er sich vom DFB konkretere Fragen in Richtung FIFA.

In die gleiche Kerbe schlug am Sonntag auch DFL-Chef Christian Seifert, der zudem die Alleingänge von Zwanziger bemängelte. „Ich glaube nicht an eine große Reform. Es ist generell viel besser, wenn wir erst einmal eine einheitliche deutsche Position finden und nicht gleich einen Fünf-Punkte-Plan öffentlich diskutieren“, sagte Seifert im Sport1-Doppelpass.

Franz Beckenbauer, der vor der FIFA-Präsidentenwahl seinen Platz in der Exekutive des Weltverbandes für Zwanziger freigemacht hatte, bremste derweil Hoeneß in der Diskussion ein: In den meisten Fällen seien „nur Vorwürfe da, keine Beweise“. Als „größten Fehler“ bezeichnete es der „Kaiser“, dass die WM-Turniere 2018 (Russland) und 2022 (Katar) zusammen vergeben wurden.

Rudi Völler, Sportchef bei Bayer Leverkusen und ehemaliger DFB-Teamchef, ist vor allem die WM 2022 im Emirat Katar ein Dorn im Auge: „Du kannst nicht mit normalen Menschenverstand eine WM nach Katar vergeben. Das ist doch unfassbar.“

Die von Hoeneß genannten Funktionäre sind Schlüsselfiguren im jüngsten FIFA-Skandal. Der Katarer Mohamed Bin Hammam ist im Juli vom Ethik-Komitee des Weltverbandes wegen angeblicher Bestechungsversuche lebenslang gesperrt worden. Jack Warner (Trinidad und Tobago), der wie Bin Hammam zur FIFA-Exekutive gehörte, kam einer Sperre durch den Rücktritt von allen Ämtern zuvor.

Chuck Blazer, schon unter Warner Generalsekretär im Kontinentalverband von Nord-und Mittelamerika sowie der Karibik, CONCACAF, hatte den aktuellen Skandal durch Anschuldigungen gegen Bin Hammam und Warner ins Rollen gebracht. FIFA-Vize-Präsident Julio Grondona (Argentinien) und Nicolas Leoz (Paraguay), ebenfalls Mitglieder der FIFA-Exekutive, stehen seit Jahren unter Manipulationsverdacht, gingen aber bislang straffrei aus.

SID ms rd

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