Ferdinand beruhigt England: "Liebe die Jungs"

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Wurde nicht nominiert: Rio Ferdinand.

London - Rio Ferdinand ist gleich zweimal nicht für England nominiert worden. Der Grund sollen rassistische Angriffe von John Terry gegen Ferdinands Bruder sein. Dabei könnte Coach Roy Hodgson den Abwehrspieler gut brauchen.

Rio Ferdinand war sauer, stinksauer. Gleich zweimal innerhalb nur weniger Tage nicht für die englische Fußball-Nationalmannschaft nominiert zu werden, das war einfach zuviel des Schlechten. „Aus welchem Grund ?????!!!“, schrieb der enttäuschte Abwehrspieler von Manchester United fragend bei Twitter - doch die vermeintlich richtige Antwort wagt bislang niemand offen auszusprechen, Teammanager Roy Hodgson schon gar nicht. Das Kuriose: Hodgson könnte Ferdinand bei der EM in Polen und der Ukraine gut gebrauchen.

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Immerhin, nach all der Aufregung bemühen sich Hodgson und Ferdinand, der ganzen unangenehmen Angelegenheit ein wenig die Schärfe zu nehmen. Hodgson, so ist zu hören, schrieb Ferdinand vor der Abreise der Engländer am Mittwoch nach Krakau eine SMS, Inhalt: Du bist nicht abgeschrieben bei mir, Du hast noch eine Zukunft. Und Ferdinand teilte brav mit: „Nur damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Ich werde in diesem Sommer irgendwo in einem Pub stehen und England unterstützen. Ich liebe die Jungs!“

Es ist wohl auch so, dass die Jungs Ferdinand lieben. Der 33 Jahre alte Routinier gilt als einer, den die Kollegen schätzen. Auch Hodgson (64) kommt bei der Mannschaft dem Vernehmen nach gut an. Doch die zweimalige Entscheidung gegen Ferdinand dürfte nun für Irritationen im Binnenverhältnis sorgen. Bei der ersten Absage im Zuge der EM-Kader-Nominierung gab Hodgson „sportliche Gründe“ an, als am Wochenende Abwehrspieler Gary Cahill für die EM ausfiel, berief der Coach aber überraschend den unerfahrenen Martin Kelly vom FC Liverpool.

Und so halten sich hartnäckig die Vermutungen, der wahre Grund für die zweimalige Nichtberücksichtigung von Rio Ferdinand sei in Wahrheit John Terry. Terry (31) muss sich ab 9. Juli vor Gericht verantworten - Vorwurf: Er soll Anton Ferdinand, den Bruder von Rio, in einem Spiel des FC Chelsea gegen die Queens Park Rangers rassistisch beleidigt haben. Terry bestreitet dies, doch Rio Ferdinand sieht keinen Grund, seinem Bruder nicht zu glauben. Terry und Ferdinand in einer Umkleidekabine - wohl ein Albtraum für Hodgson.

Robbie Fowler, ehemaliger englischer Nationalspieler und Mitspieler von Ferdinand bei Leeds United, sprach unterdessen aus, was viele denken. Jeder wisse doch, sagte er dem Daily Telegraph, dass Ferdinand nicht aus sportlichen Gründen ignoriert worden sei, „der Grund ist Rios Bruder.“ Auch Rafael van der Vaart, niederländischer Nationalspieler von Tottenham Hotspur, zeigte sein Unverständnis: „Das hat mich schon überrascht. Er ist immer noch einer der besten Verteidiger Englands, wenn nicht der Welt.“

Es sei nicht einzusehen, warum ausgerechnet Ferdinand unter der ganzen Angelegenheit leiden solle, kritisierte die Tageszeitung Daily Mail und hielt Hodgson sowie dem englischen Fußball-Verband FA vor, sie sollten endlich reinen Tisch machen. Und außerdem: „Einen der angesehensten Abwehrspieler des Landes zurückzulassen, ist ein enormer Fehler von Hodgson und der FA. Man kann sich gut vorstellen, dass das bald offensichtlich wird.“ Ferdinand gilt als einer, zu dem junge Spieler aufschauen - und davon haben die Engländer nun einige.

Wohl auch deshalb hat Hodgson dem Ausgebooteten nun signalisiert, dass er gerne weiter auf ihn zählen würde. Kann ja sein, dass sich auch John Terry in den nächsten Tagen noch verletzt. Oder im Juli verurteilt wird. Im September beginnt schließlich die WM-Qualifikation.

SID

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