Fenerbahce: Skandal weitet sich aus

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Die Fans von Fenerbahce müssen eventuell künftig in der zweiten türkischen Liga ihr Team unterstützen.

Istanbul - Der Manipulationsskandal in der Türkei zieht immer größere Kreise: Führende Manager von Meister Fenerbahce sitzen in U-Haft, dem Klub drohen der Zwangsabstieg und weitere Konsequenzen.

Wegen des Verdachts auf Spielbetrug hat ein türkisches Gericht am Donnerstag führende Manager des türkischen Meisters Fenerbahce Istanbul in Untersuchungshaft genommen. Darunter sei auch der Vizepräsident des Vereins, Sekip Mosturoglu, berichteten türkische Fernsehsender weiter.

Insgesamt stellte ein Istanbuler Gericht Haftbefehle für 15 Personen aus, darunter Spieler, Trainer und Manager mehrerer Vereine. Die Justiz hat die Details der Vorwürfe bisher nicht öffentlich gemacht. Medienberichten zufolge wird den Verdächtigen vorgeworfen, eine kriminelle Vereinigung gebildet zu haben, um Fußballspiele zu manipulieren.

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Die türkische Zeitung “Habertürk“ will erfahren haben, dass Polizei und Staatsanwaltschaft nach Überwachung der Verdächtigen die Ergebnisse der vergangenen fünf Spiele von Fenerbahce in der abgelaufenen Saison vorher kannte. Insgesamt sollen demnach in der Saison 19 Partien manipuliert worden sein.

Die Polizei hat bisher etwa 60 Verdächtige festgenommen, darunter auch den Präsidenten von Fenerbahce, Aziz Yildirim. Er wird medizinisch behandelt, nachdem er über starkes Unwohlsein geklagt hatte. Die Polizei überprüfte wichtige Spiele von Fenerbahce gegen Eskisehirspor und gegen Sivasspor, gegen die Fenerbahce in der letzten Woche der Saison den Titel holte. Im Mai hatte sich der Club am letzten Spieltag seine 18. Meisterschaft in der Türkei gesichert. Der Verein verteidigte dank des 4:3 bei Sivasspor Rang eins vor dem punktgleichen Verfolger Trabzonspor. Fenerbahce hat die Beschuldigungen der Ermittler zurückgewiesen.

Der türkische Fußballverband TFF hat erklärt, er werde in dem Fall auf Basis der vorgelegten Beweise schnell eine eigene Entscheidung treffen, da die Gerichtsverfahren lange dauern könnten. Türkische Kommentatoren halten eine Aberkennung des Meistertitels oder sogar einen Zwangsabstieg für möglich. So erging es vor einigen Jahren bereits dem italienischen Rekordmeister Juventus Turin, dem die Meisterschaften 2005 und 2006 nachträglich aberkannt wurden; zudem musste der Klub 2006/07 in der zweiten Liga antreten.

Nicht nur der Ruf Fenerbahces ist inzwischen stark angeschlagen, es gibt auch bereits einen finanziellen Schaden: Die Aktie des Traditionsvereins stürzte in den vergangenen Tagen an der Istanbuler Börse ins Bodenlose ab.

dpa/dapd

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