BVB auf Fehlersuche: "Nur zwei Wahrheiten"

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Mats Hummels patzte gegen Olympique Marseille

Dortmund - Beim BVB-Orchester sind Misstöne zu hören, der Wohlklang ist verloren. Selbst der FC Augsburg spricht schon ganz offensiv vom „Unmöglichen, das möglich gemacht werden“ soll. Warum?

Vor einem Jahr hätten technisch unterlegene Teams auch im Smoking anreisen können, um das perfekt abgestimmte BVB-Ensemble beim Spielen zu bestaunen. Schön war's, mit einer Niederlage nach Hause fahren war ja nicht schlimm: Man hatte nur bei Borussia Dortmund verloren - wie (fast) alle anderen auch. Nun allerdings herrscht recht missliche Stimmung beim BVB-Orchester, der Wohlklang ist verloren. Selbst der FC Augsburg spricht schon ganz offensiv vom „Unmöglichen, das möglich gemacht werden“ soll. Warum?

Der „Scheißabend“ in der Champions League bei Olympique Marseille (0:3) brachte laut Sportdirektor Michael Zorc „nur zwei Wahrheiten“ ans Licht, und zwar zwei Binsen der Branche: „Wenn du aus deinen hundertprozentigen Chancen keine Tore machst, dann kannst du nicht gewinnen“, und: „Wenn du so viel Böcke schießt wie wir und dem Gegner die Bälle regelrecht vorlegst, dann verlierst du am Ende auch deutlich.“

Tatsächlich scheint mehr dahinter zu stecken, das Erfolgssystem der Meistermannschaft wackelt. Die Innenverteidiger waren einst die Bank von England, neuerdings wird ihre Kreditwürdigkeit bezweifelt. „Schon wieder habe ich gepatzt“, sagte Neven Subotic betroffen, sein Gehirn und seine Füße seien „leider an unterschiedlichen Orten“ gewesen.

Mats Hummels, deutscher Nationalspieler, hatte nach dem Ausrutscher des serbischen Nationalspielers vor dem 0:1 mit einem nicht minder folgenschweren Patzer das 0:2 verschuldet - und nahm die Niederlage auf seine Kappe. Es fanden sich Chronisten, die sofort vorrechneten, die letzten vier Gegentreffer vor dem Marseille-Spiel seien ebenfalls Resultate schwerer Fehler gewesen.

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Das Problem zieht sich durchs Mittelfeld, wo der an Real Madrid verkaufte Nuri Sahin trotz aller Transfer-Umsicht einen Krater hinterlässt, den auch ein Ilkay Gündogan (noch) nicht zuschütten kann. Der Zugang vom 1. FC Nürnberg, der dort die Positionen 6, 8 und 10 wechselweise beackerte, ist beim BVB noch nicht richtig angekommen. Marcel Schmelzer und Sven Bender fehlten zuletzt, ein Kevin Großkreutz, der zuvor in Sphären gespielt hatte, die ihm nicht zugetraut worden waren, fällt nur noch mit seiner extravaganten Frisur auf.

Zudem steckt der BVB wohl in einer Systemfalle. Die drei Offensivleute hinter einer Spitze können nur effektiv sein, wenn diese Spitze als Verteiler, Aufbrecher, Torschütze glänzt. Die Süddeutsche Zeitung brachte dies am Freitag in einem Kommentar auf den Punkt: „Funktioniert die Spitze nicht, funktioniert ganz Dortmund nicht.“ Die Schlussfolgerung: Mangels Alternativ-System habe sich der BVB in eine Lage gebracht, in der er stark „von der Muskulatur eines in Argentinien geborenen Paraguayers“ abhänge.

Gemeint ist Lucas Barrios, der aber nach wochenlanger Verletzungspause wohl noch Zeit braucht, um zurück auf das alte Niveau zu kommen. Robert Lewandowski, immerhin polnischer Nationalspieler, erwies sich als ein guter, nicht aber als gleichwertiger Vertreter; eine Schwächung angesichts der Fokussierung auf die einzige Sturmspitze. Ballverluste sind ebenfalls ein großes Thema, vor allem im Mittelfeld, in dem sich viele Gegner vor Monaten wie in einem Flipper-Automaten fühlten. Marseille habe am Mittwoch „nicht mal Gegenpressing“ spielen müssen, meinte Trainer Jürgen Klopp nun: „Wir haben denen den Ball einfach geschenkt.“

Spätestens jetzt gibt es nichts mehr zu verschenken. Fehlstart im Europapokal, Fehlstart in der Liga, der alte Zauber wird vermisst und mit Hochdruck auch gesucht. Am Samstag (15.30 Uhr/Sky und Liga total!) soll gegen den FC Augsburg ein Sieg gelingen - zu gewinnen gibt es aber außer drei Punkten nichts. Ein Sieg ist eine Selbstverständlichkeit. Oder wäre es zumindest in der Vorsaison gewesen.

sid

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