Bayern: Fehleranalyse muss warten

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Jupp Heynckes dürfte vieles nicht gefallen haben.

München - Nach der Auftaktschlappe des FC Bayern gegen Borussia Mönchengladbach gibt es eine Menge zu analysieren. Doch Jupp Heynckes steht erst einmal alleine da.

Als Manuel Neuer am späten Sonntagabend in Stuttgart zur Nationalmannschaft stieß, war ihm der Ärger über seinen folgenschweren Patzer noch anzusehen. Nur mit Mühe rang er sich so was wie ein Lächeln ab, als ihn ein Fan um ein Foto bat. Die spielentscheidende Szene beim 0:1 (0:0) von Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach geisterte wohl noch immer durch seinen Kopf. „Blöd“ habe er beim Gegentor ausgesehen, gab er zu. Doch Neuer war nicht alleinverantwortlich dafür, dass die Bayern „jetzt schon wieder hinterherlaufen“, wie Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sagte.

Fehleranalyse erst am Freitag

Jupp Heynckes war nicht unbedingt entsetzt, aber doch sehr erschrocken über die Vorstellung seiner Elf. Und am liebsten hätte der Bayern-Trainer wohl noch am Sonntag damit begonnen, die Mängelliste abzuarbeiten. Doch Heynckes, der mit einer erstaunlich großen Gelassenheit und Zuversicht in die neue Saison gegangen war, sind erst mal die Hände gebunden. Bis Donnerstag ist er nahezu alleine an der Säbener Straße, die Nationalspieler um Neuer sind weg, und erst am Freitag wird er „kurz ansprechen können“, was alles schiefgelaufen ist.

„Alle guten Vorsätze sind gleich beim Teufel“, schimpfte Thomas Müller. Und nicht nur das: Nur 1986 ist der FC Bayern noch Meister geworden, wenn er das erste Saisonspiel verlor, was nun zum neunten Mal passierte. „Wer weiß, wofür die Niederlage gut war“, rätselte Franz Beckenbauer bei Sky, bekannte aber gleich: „Ich sehe derzeit das Gute noch nicht.“ Das Schlechte war auffälliger: Gegen einen wie erwartet defensiv eingestellten Gegner brachten die Münchner ein paar gute Chancen zustande, meisterlich aber war das alles nicht.

Zu allem Überfluss war der Gegentreffer durch Igor de Camargo (62.) selbst verschuldet. Heynckes sprach von einem „Missverständnis“ der Neuzugänge Neuer und Jerome Boateng, doch Beckenbauer tadelte: „Er muss im Tor bleiben, es ist ganz klar sein Fehler.“ Neuer selbst suchte nicht nach Ausreden. „Ich habe mich verschätzt. Ich nehme das Tor auf meine Kappe“, sagte der sündhaft teure Einkauf, der dem FC Bayern eigentlich die wichtigen Punkte retten soll. Wie das geht, zeigte auf der Gegenseite der ausgezeichnete Marc-Andre ter Stegen.

Ein wenig versuchte Heynckes die Niederlage noch zu entschuldigen, indem er die gesundheitlichen Probleme von Neuer, Franck Ribery und Arjen Robben vor dem Auftakt als „Handicap“ klassifizierte. Doch im Verlauf seiner Analyse kam er wiederholt auf die recht auffälligen Unzulänglichkeiten der Bayern im Spiel nach vorne zu sprechen. „Wir müssen einfach mehr Druck aufbauen und den Gegner zu Fehlern zwingen“, sagte er. Und: Diese Fehler müssten gedanklich schneller erfasst und genutzt werden. Beckenbauer sprach von „Hilflosigkeit“.

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Immer wieder wurde Mario Gomez gesucht und ab und an auch gefunden - mehr als ein Pfostentreffer (54.) gelang dem Torjäger aber nicht. „Wir haben schon in der Pause gemerkt, dass wir variabler spielen müssen“, sagte Gomez. Es blieb beim gut gemeinten Vorsatz. Auch der Brechstangen-Fußball, mit dem die Münchner es am Ende probierten, blieb ohne Wirkung. Mannschaftskapitän Philipp Lahm kritisierte entsprechend: „Wir müssen kreativer werden.“

Ob die Er-neuer-ung des FC Bayern bis zum Spiel am Samstag beim VfL Wolfsburg abgeschlossen ist, darf bezweifelt werden.

sid

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