Rekorde als Spieler und Trainer

Heynckes: Nach Bayern geht's zu Cando

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Zusammen mit Xherdan Shaqiri und dem Rest der Mannschaft feiert Jupp Heynckes die deutsche Meisterschaft.

Frankfurt - Jupp Heynckes sammelt mit den Bayern Rekorde und hat großen Anteil am 23. Meistertitel der Roten. Doch Heynckes kann auch auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken.

Jupp Heynckes hüpfte vor Freude durch die Frankfurter WM-Arena, danach ließen ihn seine Spieler hochleben und wollten gar nicht mehr aufhören. Bayern München ist deutscher Fußball-Meister 2013, so früh wie noch kein Team in 50 Jahren Bundesliga - und niemand hat daran größeren Anteil als Jupp Heynckes.

„Die erste Meistschaft als Spieler war das Emotionalste, was ich jemals erlebt habe. Aber auch das ist ein fantastischer Moment. Die Spieler haben das erreicht, was sie sich über das Jahr hart erarbeitet haben“, sagte Heynckes nach dem 1:0-Sieg bei Eintracht Frankfurt: „Dass die Meisterschaft nach 28 Spieltagen perfekt ist, ist außergewöhnlich, superklasse.“

In der Tat haftet dieser Meisterschaft etwas Besonderes an, nicht nur wegen des atemberaubenden Tempos, in dem sie perfekt gemacht wurde: Für Heynckes ist es aller Voraussicht nach die letzte. Noch hat er sich nicht abschließend zu seiner Zukunft erklärt. Doch wenn am 1. Juli Pep Guardiola in München sein Erbe antritt, wird Heynckes wohl in Schwalmtal am Niederrhein mit Schäferhund Cando spazieren gehen. Schon in der Winterpause habe er es so gehalten, sagte Heynckes vor einigen Wochen, und viel mit Cando gesprochen: „Das war witzig.“

Bevor er sich den tiefsinnigen Gesprächen mit Cando hingibt, will Heynckes aber auch mit den Bayern noch Spaß haben. Die Schale hat er zurückgeholt - der DFB-Pokal und vor allem die Champions League, die er 1998 mit Real Madrid gewann, sollen es noch sein. Heynckes wirkte in den vergangenen Wochen nicht so, als ob er seine große Karriere locker ausklingen lassen wollte. Der Job koste viel Kraft, „macht aber nach wie vor sehr viel Spaß“, sagte er.

Da ist beispielsweise die Champions League, die den Bayern das feucht-fröhliche Feiern des Meistertitels am Samstag unmöglich machte, in der Heynckes' Spaß und Hingabe, aber vor allem sein Können offensichtlich wurden. Beim 2:0 im Viertelfinal-Hinspiel gegen Juventus Turin war es seiner Taktik zu verdanken, dass die „alte Dame“ keine Luft zum Atmen hatte.

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Vier Tage später nun die Meisterschaft. Auch sie geht zu einem Großteil auf Heynckes' Kappe, der Coach hat sein Team perfekt austariert, so dass es auf dem Platz unglaublich stark und abseits davon ruhig, ausgeglichen und harmonisch ist. Darauf ist Heynckes zu Recht stolz. „Eins hat der FC Bayern in dieser Saison demonstriert: Dass wir eine Top-Mannschaft sind, aber dass wir uns auch harmonisch präsentiert haben“, sagte Henckes: „Wir können zuversichtlich sein, dass wir auch in der Champions League etwas erreichen.“

Die Spieler schwärmen von seiner respektvollen, ruhigen Art, die Heynckes sich über die Jahre zu eigen gemacht hat. Die Erfahrungen in Spanien haben da geholfen, sie haben aus dem einst mitunter etwas verdruckst und angespannt wirkenden Josef den weltmännischen „Don Jupp“ gemacht. „Osram“, wie er wegen seiner gesunden Gesichtsfarbe früher spöttisch genannt wurde, nennt ihn heute niemand mehr.

„Er ist ein Vollprofi“, sagt Torwart Manuel Neuer, Stürmer Thomas Müller lobt die „überragende Arbeit“ des Vorgesetzten, den er „total fokussiert“ erlebt. Lame Duck? Von wegen! „Wenn er irgendwelche Schwingungen sieht, steuert er dagegen. Dann gibt es auch mal einen Anpfiff“, sagt Müller. Die Mannschaft würde Heynckes gerne mit drei Titeln in Rente schicken - und damit eleganter verabschieden, als es dessen Freund Uli Hoeneß tat. Der Präsident schickte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor, um Heynckes von Guardiolas Verpflichtung zu informieren.

Was kommt danach? Nur Spazierengehen? Einen Posten im Beirat der Bayern lehnte Heynckes kürzlich brüsk ab. Er sei kein Funktionär, „das ist nicht meine Welt“. Doch noch einmal Fußballlehrer? „Wenn ich sehe, dass Adenauer mit 71 Bundeskanzler geworden und jetzt unser Papst mit 76 ins Amt eingeführt worden ist - dann habe ich auch das Recht, mit 68 darüber nachzudenken, ob ich noch irgendwas mache“, sagte er kürzlich. Aber das war wohl Koketterie.

So oder so: Heynckes wird die Zukunft des FC Bayern verfolgen. Seinem Nachfolger übergebe er „eine Mannschaft, die super und erfolgreichen Fußball spielt“, sagte er. Es ist sein Verdienst.

Stationen und Titel in der Karriere von Jupp Heynckes

Wichtige Titel:

Als Spieler: Weltmeister 1974, Europameister 1972, UEFA-Cup-Sieger 1975 mit Borussia Mönchengladbach, DFB-Pokalsieger 1973 mit Borussia Mönchengladbach, viermal deutscher Meister 1971, 1975, 1976 und 1977 mit Borussia Mönchengladbach, Bundesliga-Torschützenkönig 1974 und 1975

Als Trainer: Champions-League-Sieger 1998 mit Real Madrid, dreimal deutscher Meister 1989, 1990 und 2013 mit Bayern München

Stationen

Spieler (369 Spiele/220 Tore/39 Länderspiele):

1965-67 und 1970-78 Borussia Mönchengladbach

1967-70 Hannover 96

Trainer:

Borussia Mönchengladbach 01.07.1979 bis 30.06.1987

FC Bayern München 01.07.1987 bis 09.10.1991

Athletic Bilbao 01.07.1992 bis 30.06.1994

Eintracht Frankfurt 01.07.1994 bis 02.04.1995

CD Teneriffa 01.07.1995 bis 30.06.1997

Real Madrid 01.07.1997 bis 30.06.1998

Benfica Lissabon 01.07.1999 bis 20.09.2000

Athletic Bilbao 01.07.2001 bis 30.06.2003

FC Schalke 04 01.07.2003 bis 15.09.2004

Borussia Mönchengladbach 01.07.2006 bis 02.02.2007

FC Bayern München 28.04.2009 bis 30.06.2009

Bayer Leverkusen 01.07.2009 bis 30.06.2011

FC Bayern München seit 01.07.2011

dpa

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