Bayern zittert sich ins Viertelfinale

"Schöner Dreck" in der "Eitel-Sonnenschein-Welt"

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Tumulte nach dem Tor zum 0:2 - es fiel kein drittes mehr

München - Uli Hoeneß war aufgebracht. Beim Präsidenten des FC Bayern war nach der 0:2-Heimniederlage gegen Arsenal jegliche Vorfreude auf die Auslosung der Viertelfinalspiele in der Champions League verflogen.

Als Uli Hoeneß nach dem Wunschgegner für die Auslosung gefragt wurde, platzte ihm endgültig der Kragen. „Mir ist das völlig wurscht. Wenn wir gut spielen, können wir jeden schlagen. Wenn wir so spielen, gewinnen wir gegen keinen“, polterte der Präsident von Bayern München mit Zornesfalten auf der Stirn und legte - schon einmal in Fahrt - gleich noch nach: „Der Trend ist your friend. Und wir spielen seit drei Wochen einen schönen Dreck. Das reicht nicht.“

Das 0:2 (0:1) gegen den FC Arsenal hat der bis dato heilen Bayern-Welt einen gehörigen Schlag versetzt, auch wenn der deutsche Fußball-Rekordmeister trotz der Pleite nach dem 3:1 im Hinspiel das Viertelfinale der Champions League erreicht hat. Die jüngste Euphorie um die Rekord-Bayern schlug nach dem Zitterspiel am Mittwochabend plötzlich in heftige Kritik um.

Anstatt die möglichen Hammer-Gegner in der Runde der letzten Acht wie Real Madrid, den FC Barcelona oder auch Borussia Dortmund schon einmal ins Visier zu nehmen, versetzte die dritte Saison-Niederlage die Bayern in Alarmstimmung. „Es ist unmöglich. Wenn du so weiterspielst, bist du in der nächsten Runde draußen“, schimpfte „Kaiser“ Franz Beckenbauer vor der Zeremonie am Freitag (12.00 Uhr) im schweizerischen Nyon.

Immerhin zeigten sich die Stars einsichtig und gewannen dem unerwarteten Rückschlag sogar positive Seiten ab. „Das wirft einige Fragen auf. Vielleicht ist so ein Dämpfer in unserer Eitel-Sonnenschein-Welt ganz gut. Jetzt sprechen wir wieder kritischer über uns, extern und intern. Das hilft, uns wieder zu Höchstleistungen zu treiben“, sagte Thomas Müller. Auch Arjen Robben sprach von „einem Warnschuss“ zur rechten Zeit, „wenn du immer nur hörst, dass wir die Besten sind. Wir müssen daraus lernen. `

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge forderte die Mannschaft, die in der Liga von Rekord zu Rekord eilt und die 23. Meisterschaft dicht vor Augen hat, schon einmal auf, `wieder mit mehr Demut an die Aufgaben heranzugehen. Wir dürfen nicht glauben, dass alles von selbst läuft. Die Trauben hängen hoch.“

Erstmals in dieser Saison wurde vor allem deutlich, dass selbst der hoch gelobte Millionen-Kader der Münchner nicht jeden Spieler gleichwertig ersetzen kann. So machte sich gegen die biederen Engländer deutlich bemerkbar, dass der verletzte Superstar Franck Ribery und der gesperrte Bastian Schweinsteiger nicht dabei waren. Es habe deshalb „die Struktur gefehlt“, meinte Rummenigge. Man habe „nie die Kontrolle über das Spiel bekommen“, ergänzte Trainer Jupp Heynckes.

Schon beim frühen 0:1 durch Olivier Giroud in der 3. Minute habe „einfach alles zusammengepasst“, analysierte Beckenbauer und monierte, dass man „ohne Einsatz und Konzentration nicht gewinnen kann“. Zwar hatten die Münchner durchaus einige gute Chancen, am Ende jedoch sogar noch Glück, dass es beim 0:2 durch Laurent Koscielny (85.) blieb. „Es ist irgendwas falsch gelaufen, wenn du dann noch zittern musst“, meinte Müller, der schon in den vergangenen zwei Bundesligaspielen gegen Hoffenheimn (1:0) und Düsseldorf (3:2) „unsere Souveränität“ vermisst hatte.

Vor allem die Tatsache, „dass wir jetzt in zwei Spielen vier Gegentore bekommen haben, soviel wie in den sechs Wochen zuvor nicht“, wurmte nicht nur den Nationalspieler. „Das ist schon nervig“, räumte auch Torwart Manuel Neuer ein.

Die Gründe für den Dämpfer waren schnell gefunden. „Wir haben die zweiten Bälle nicht bekommen. Die Lebendigkeit und das Reaktionsvermögen fehlte“, meinte Heynckes und sprach von einem „Lehrbeispiel“ - wie es nicht geht. „Wir waren nicht kompakt und hatten nach vorne zu wenig Bewegung“, fügte Dante an. Der FC Bayern müsse vor dem anstehenden Bundesligaspiel am Samstag in Leverkusen „im Kopf schnell wieder umschalten“.

Nach diesem „letzten Warnschuss“ müsse die Mannschaft, so Hoeneß, „spielen wie vor drei, vier Wochen. Sie muss wieder mit Spannung an die Sachen herangehen. Dann werden wir den Erfolg haben, den wir uns alle wünschen.“

Heynckes ging die kollektive Kritik der Bosse wieder einmal zu weit, nachdem sein Team über Wochen dominiert und durchaus beeindruckt hatte. „Man setzt immer voraus, dass wir glanzvoll und mit zwei, drei Toren Abstand gewinnen. Aber das geht nicht. Man muss auch draußen merken, dass ein FC Bayern auch verlieren kann.“

Doch dem 67-Jährigen wird bewusst sein, dass sich die Münchner im Viertelfinale der Königsklasse deratige Aussetzer nicht erlauben dürfen - sonst ist der Traum vom Triple ganz schnell beendet. Großartige Wünsche hatten die Bayern vor der Auslosung nicht. Doch dass sie nicht auf den großen Favoriten Barcelona oder auf Madrid treffen wollen, musste keiner extra betonen. Auch ein deutsch-deutsches Duell gegen Dortmund wäre laut Rummenigge „nicht so schön“ - auch wenn Hoeneß das wurscht ist.

sid

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