Favre: Remis ist kein Rückschlag

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Lucien Favre nahm das Unentschieden seiner Mannschaft gegen die Wölfe mit Gelassenheit

Wolfsburg - Borussia Mönchengladbach hat beim VfL Wolfsburg einen kleinen Dämpfer erlitten. Das sah Lucien Favre allerdings völlig anders.

Lucien Favre rang nach Luft. Dem Trainer von Borussia Mönchengladbach hatte es kurz und plötzlich die Sprache verschlagen. Grund war aber nicht die enttäuschende Leistung seiner Mannschaft beim „Angstgegner“ VfL Wolfsburg, sondern ein Hustenanfall. Umso klarer waren dann die Aussagen des Schweizers, als er wieder Worte fand.

„Sind sie verrückt?“, fragte der 54-Jährige einen Journalisten. Und auf Nachfrage noch einmal: „Sind sie verrückt?“ Der Reporter hatte gewagt, das 0:0 bei den Wölfen als Rückschlag zu bezeichnen. Favre sah das völlig anders: „Wir haben sieben Punkte aus drei Spielen geholt. Das ist nicht schlecht, oder?“

Tatsächlich mischen die Gladbacher trotz des Punktverlusts auch nach dem 20. Spieltag im Titel-Vierkampf der Fußball-Bundesliga mit. Allein den hohen Erwartungen, die mit den Gala-Auftritten gegen die Bayern und in Stuttgart einhergingen, wurden die Fohlen in Wolfsburg nicht gerecht. Gegen defensiv sehr gut und kompakt stehende Gastgeber tat sich die Borussia schwer. Wenig war zu sehen vom Offensivfeuerwerk, das Reus, Hanke, Herrmann und Co. in den vergangenen Wochen abgebrannt hatten.

„Es war ein schweres Spiel. Beide Mannschaften waren sehr engagiert. Wir haben nicht viele Lücken gefunden und haben manchmal zu kompliziert gespielt“, sagte Favre. Der Trainer hatte sich zuletzt immer wieder als Tiefstapler betätigt - am Samstag schien ihn seine Mannschaft zu bestärken. Weitgehend ideenlos wirkte seine Elf, die zuvor in beeindruckender Manier vier Pflichtspielsiege in Folge geholt hatte. Zu viel ging durch die Mitte, zu selten spielten die Gladbacher schnell und direkt. „Teilweise hat das Tempo gefehlt, und wir hätten mehr am Boden statt in der Luft spielen müssen“, sagte Favre.

Trotz 70 Prozent Ballbesitz in der ersten Halbzeit für sein Team sprang nicht mehr heraus als ein Treffer von Mike Hanke, der wohl zu Unrecht wegen einer vermeintlichen Abseitsposition nicht anerkannt wurde (36.).

In den zweiten 45 Minuten taten sich die Gladbacher vor 30.000 Zuschauern und bei Minusgraden im zweistelligen Bereich in der ausverkauften Arena noch schwerer. Gegen mutig anrennende Gastgeber wurden viele Bälle leichtfertig hergeschenkt. „Wir haben teilweise zu hastig gespielt“, sagte Kapitän Filip Daems. Immerhin: die mit zwölf Gegentoren beste Defensive der Liga stand mal wieder sicher.

Und wie hätten die Gladbacher erst da gestanden, wenn Jungstar Marco Reus in der 69. Minute das Auge für seinen Sturmkollegen Mike Hanke gehabt hätte. „Ich wollte ihn direkt nehmen und habe gedacht, ich mach ihn rein“, sagte der Nationalspieler, der unbedrängt aus kurzer Distanz weit am Wolfsburger Tor vorbeigeschossen hatte. „Ich habe erst später gesehen, dass Mike völlig frei stand. Es tut mir leid.“

So müssen die Fohlen, die am Mittwoch im DFB-Pokal-Viertelfinale bei Hertha BSC antreten (19.00 Uhr/Sky), weiter auf den ersten Sieg bei den Niedersachsen seit mehr als acht Jahren warten. Immerhin gab es nach sechs Auswärtsniederlagen in Folge gegen Wolfsburg wieder einen Zähler, mit dem die Borussia oben dran bleibt. „Ich kann mit dem Punkt leben“, sagte Favre.

Sein Wolfsburger Kollege Felix Magath pflichtete ihm bei. Einen weiteren Fortschritt habe er bei seiner Mannschaft gesehen. „In der ersten Halbzeit waren wir nicht aggressiv genug und hatten zu viel Respekt vor dem Gegner. In der zweiten Halbzeit war es wesentlich besser. Da wäre sogar der Sieg verdient gewesen“, sagte Magath. Dank des guten Auftritts blieb seine Elf mit der ersten torlosen Partie der beiden Teams im 25. Aufeinandertreffen auch im fünften Heimspiel in Folge ungeschlagen.

SID

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