Farfan: Großes Geschäft mit dem kleinen Bruder

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Raffzahn, falsch beraten oder beides: Jefferson Farfan.

Gelsenkirchen - Jefferson Farfan hat bei Schalke 04 eine utopische Forderung gestellt. Gesteuert wird der Peruaner von seinem Berater Raul Gonzalez Jordan. Der ist ein früherer Finanzmanager und nennt Farfan "meinen kleinen Bruder".

Raul Gonzalez Jordan ist ein Mann, der sein Geschäft versteht. Und deshalb ließ er seinen „kleinen Bruder“ kurz nach Weihnachten noch einmal mächtig auf die Tränendrüse drücken. „Es ist doch klar, dass ich für Schalke 04 auf dem Feld töten würde“, teilte Jefferson Farfan in einem Exklusiv-Interview auf der Homepage seines Beraters mit. „Und so war ich angesichts meiner Liebe zu Schalke und meinem Wunsch zu verlängern sehr erstaunt, dass sie das Angebot zurückgezogen haben.“

Jener Farfan, peruanischer Außenstürmer des Bundesligisten, gilt neuerdings als Inbegriff des sportlichen Raffzahns. Es sind horrende Zahlen, die da im Raum stehen: 14 Millionen Euro Handgeld sollen Gonzalez und Farfan für die Verlängerung von dessen Vertrag bei Schalke gefordert haben, bis 2015 würden die Dienste des Peruaners die Königsblauen 27 Millionen Euro kosten.

Und allem Anschein nach steckt hinter jenen utopischen Forderungen vor allem Gonzalez Jordan mit seiner Agentur Future Football of South America (FFOSA) als treibende Kraft. Der aparte Enddreißiger mit Wohnsitz Lima, gepflegtem Dreitagebart und notorischem Dauerlächeln lenkt die Karriere Farfans seit dessen 15. Lebensjahr. Trotz fehlender Blutsverwandtschaft spricht Gonzalez liebevoll vom „hermano menor“, dem kleinen Bruder. Bei Farfan geht sozusagen letztlich alles über den Jordan.

Der Deal mit Schalke soll die Krönung der jungen Vermittler-Laufbahn von Gonzalez werden. Dieser rühmt sich, mit seinem besten Pferd im Stall bereits zwei Transferrekorde gebrochen zu haben: 2004, als Farfan bei seinem Wechsel von Allianza Lima zur PSV Eindhoven mit 3,5 Millionen Euro zum wertvollsten Peru-Export wurde. Und 2008, als er beim Weiterverkauf zu Schalke 10 Millionen einbrachte und seitdem teuerster Kicker in der Geschichte seine Landes ist. Und jeweils verdiente der „große Bruder“ ordentlich mit.

Gonzalez' Geschichte ist die eines Emporkömmlings, wie sie in der modernen Finanzwelt auch jenseits des Fußball exemplarisch scheint. Mitte der 70er in San Francisco geboren, siedelte Gonzalez mit sieben Jahren in die Heimat seiner peruanischen Eltern über. Zum Studium kehrte er in die USA zurück, schloss als Master der Wirtschaftswissenschaften an der University of California ab.

In Peru tauchte Gonzalez in die Finanzwelt ein, arbeitete zwischen 1995 und 2000 bei fünf peruanischen Banken als Berater und Analyst. Erst die Freundschaft zum jungen Farfan brachte Gonzalez mit der Fußballszene in Berührung. In Madrid absolvierte der angehende Berater ein Sportmanagement-Studium an der renommierten IE Business School. Erklärter Lieblingskurs: Die Markenstrategie des Tennisstars Maria Scharapowa. „I am loving it!!!“, teilt Gonzalez auf der Webseite der Uni mit.

Die Weiterbildung in Madrid war kein billiges Vergnügen: Derzeit kostet das 13-monatige Online-Programm 28.100 Euro Studiengebühren. Geld, das Gonzalez mittlerweile mehrfach hereingeholt haben dürfte. Und das fast ausschließlich durch Farfan, denn abseits des „kleinen Bruders“ gehört er als Berater zu den bestenfalls mittelgroßen Fischen. Zwar stehen bei seiner FFOSA gut 20 Spieler unter Vertrag, bis auf Farfan und dessen Nationalmannschaftskollegen Josepmir Ballon sind dies aber zumeist unbedeutende peruanische Nachwuchskicker.

Umso wichtiger ist der Schalker Flügelflitzer für Gonzalez, der sich auf der FFOSA-Homepage der Zusammenarbeit mit knapp 70 ausländischen Klubs rühmt, aus Deutschland neben Schalke noch Leverkusen, der HSV und Hertha BSC. Erfüllen könnten seine und Farfans Forderungen allerdings nur die wenigsten: Chelsea, Malaga, Juventus, Tottenham, Inter und Paris St. Germain. Die Gefahr, dass Gonzalez sich und damit Farfans Karriere verzockt, ist nicht unerheblich. Und übermäßig viel hat Perus Star bislang nicht vorzuweisen.

Gonzalez Jordan versichert, „Professionalität, Ehrlichkeit und harte Arbeit“ seien die Säulen seines Schaffens. Bayern-Manager Christian Nerlinger hat derweil eine klare Meinung, wie mit hanebüchenen Forderungen umzugehen ist: „Es liegt an den Vereinen, auch einmal nein zu sagen.“ Farfan würde sich dann wohl in einen anderen Verein verlieben. Falls diesem käufliche Liebe mehr wert ist als Schalke 04.

sid

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