Politik warnt vor Geisterspielen

Fans protestieren gegen DFL-Konzept

Frankfurt/Main - Die Sicherheitsdiskussion im deutschen Profi-Fußball erhitzt weiter die Gemüter. Die Fanvertreter lehnen in weiten Teilen die Initiative der DFL ab. Die Politik warnt vor Geisterspielen.

Das Sicherheitskonzept der Deutschen Fußball Liga hat unter den Fan-Gruppen der Bundesliga heftige Empörung ausgelöst, den Verantwortlichen läuft durch den Druck der Politik die Zeit davon: Nachdem in den vergangenen Tagen bereits zahlreiche Klubs öffentlich erklärt hatten, mit diversen Punkten des Maßnahmenkatalogs nicht einverstanden zu sein, machen nun auch die Fanvertreter gegen das „Sichere Stadionerlebnis“ der DFL mobil.

Die Anhänger von Zweitligist Union Berlin luden die Fanprojekte aller Vereine der drei Profiligen zu einem Treffen am kommenden Donnerstag nach Berlin ein, „um die weitere Vorgehensweise“ zu beraten. Durch das Erscheinen des Konzeptionspapiers seien die grundlegenden Dinge „unseres“ Fußballs „in ernsthafter Gefahr“, erklärten die Union-Fans. Auf SID-Anfrage äußerte ein Fanvertreter, dass bis zu 400 Teilnehmer zu dem Gipfel erwartet werden.

Die DFL muss sich in den kommenden Wochen wohl auf weitere, hitzige Diskussionen einstellen. Bei der Liga-Vollversammlung am 12. Dezember soll das dann mit Vereinen und Fans überarbeitete Konzeptpapier verabschiedet werden - sonst könnte das Heft des Handelns bei der Gewalt-Problematik von der Politik übernommen werden.

Sollten sich die Klubs nicht auf ein Sicherheitskonzept einigen, könnte das „möglicherweise zur Folge haben, dass die Anzahl der Geisterspiele in Deutschland zunimmt“, warnte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz (IMK), Lorenz Caffier, im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) und übte Druck aus: „Es ist genügend geredet worden, wir müssen jetzt Entscheidungen erzielen.“

Für den renommierten Sportsoziologen und Fanforscher Gunter A. Pilz wäre die Verärgerung der Fans vermeidbar gewesen. „Es war ein taktischer Fehler, die Fanvertreter nicht von Beginn an mit in die Entwicklung einzubinden“, sagte Pilz dem SID. Natürlich würden sich so viele Fangruppierungen übergangen fühlen. „90 Prozent der Punkte sind ja bei den Fans absolut unstrittig“, sagte der Honorarprofessor der Universität Hannover: „Man hat den Fans aber das Gefühl gegeben, dass über deren Köpfe entschieden wurde.“

Das müsse man verstehen, sagte Pilz: „Auf der anderen Seite ist in dem Konzept gar nicht so viel Zündstoff drin.“ Trotzdem sieht Pilz in der Diskussion eine äußerst positive Entwicklung: „Was jetzt passiert ist doch, dass die Vereine dieses Papier zum Anlass nehmen, um mit den Fans zu kommunizieren und gemeinsam eine Gegenposition zu formulieren.“ Das, was die Fans immer gewollt haben, sei jetzt eingetreten - „das darf jetzt nur keine Eintagsfliege bleiben“, sagte Pilz.

Die DFL war bereits am Dienstag bemüht, die Wogen wieder zu glätten und erklärte, dass sich die DFL-Sicherheitskommission mit den Fan- und Sicherheitsberatern der Klubs sowie Fanvertretern treffen wird. Zudem wird es vor der Vollversammlung eine Informationsveranstaltung für die 36 Profi-Vereine geben. Dort soll ein Zwischenbericht zu möglichen Überarbeitungen des Konzepts vorgelegt werden.

Das bei einem geringen Anteil der Fußball-Fans vorherrschende „Feindbild“ der Verbände werde schnell von der Bildfläche verschwinden, „wenn diese Gruppen merken, dass die Verbände wirklich mit ihnen sprechen wollen“, sagte Pilz: „Man hätte viel von dieser Aufgeregtheit verhindern können.“ Ein Störfaktor sei allerdings die Politik.

„Die Muskelspiele der Innenministerkonferenz sind nicht gerade zielführend“, sagte Pilz. „Es ist die Aufgabe des staatlichen Gewaltmonopols für die Sicherheit zu sorgen. Die Vereine sind für ihre Stadien verantwortlich und machen dafür auch sehr viel“, sagte er.

In dem Konzept der DFL geht es unter anderem um die Ausweitung von Stadionverboten, die mögliche Einbehaltung von TV-Geldern als Strafe für die Klubs sowie sogenannte „Vollkontrollen“ bei den Zuschauern. Unter anderem der VfL Wolfsburg, der FSV Mainz 05, der FC Augsburg und Fortuna Düsseldorf hatten erklärt, die jetzige Form des Papiers abzulehnen.

sid

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