Darmstadt lässt sich Zeit

Bislang erst ein Neuzugang: Darum brauchen Lilien-Fans viel Geduld

Darmstadt-Neuzugang Sebastian Hertner (links).

Beim Trainingsauftakt des SV Darmstadt 98 präsentiert der Zweitligist nur einen Neuzugang. Wie in den Jahren zuvor haben die Lilien offenbar keine Eile, ihren neuen Kader zusammenzustellen, trotz TV-Millionen. 

Darmstadt – Ein Titel der neuen Zweitliga-Saison ist dem SV Darmstadt 98 schon sicher: Die Lilien sind die Frühstarter des Bundesliga-Unterhauses, nahmen am Dienstag vor 250 Zuschauern als Erste das Training wieder auf. Mit Sebastian Hertner (zuletzt FC Erzgebirge Aue, Linksverteidiger) war allerdings nur ein neues Gesicht dabei. Einmal mehr brauchen die Fans in diesem Sommer viel Geduld, ehe die erhoffte Verstärkung eintreffen. 

Was diesmal allerdings schwerer nachzuvollziehen ist als in den Vorjahren. Galt es damals, bis zum Ende der Transferperiode, Mitte oder Ende August, als die Runde schon lief, zu warten, um im überhitzten Markt nicht zu großes Geld entrichten zu müssen, zählen die Darmstädter in Liga zwei mittlerweile zu den größeren Fischen. Beim TV-Geld kassieren die Südhessen in dieser Runde etwa 16 Millionen Euro. Das ist ligaweit Platz vier hinter dem 1. FC Köln, dem HSV und Ingolstadt. Trotzdem haben Trainer Dirk Schuster und Co. personell noch keine Nägel mit Köpfen gemacht, während etwa Sandhausen (elf Zugänge) und die Aufsteiger Magdeburg und Paderborn (neun beziehungsweise acht) schon ordentlich zugelegt und dabei auch Topspieler aus den Ligen drei und vier abgegrast haben.

Darmstadt 98: Mehrere Verträge werden aufgelöst

Laut Schuster sucht man in Darmstadt vor allem in den drei höchsten deutschen Spielklassen. Spieler aus ausländischen Ligen dürften eine untergeordnete Rolle spielen. Platz für neue Akteure schaffen die Verantwortlichen am Böllenfalltor dafür umso mehr: Die Verträge mit Jan Rosenthal (Karriereende) und Markus Steinhöfer (keine Perspektive) wurden aufgelöst, bei Romuald Lacazette und Renato da Cunha ist das nur eine Frage der Zeit. Auch Artur Sobiech und Julian von Haacke sehen sich nach einem anderen Verein um.

Die wieder nach Darmstadt zurückkehrenden Patrick Banggaard und Jamie Maclaren (derzeit mit Australien bei der WM) wollen nicht mehr beim SV 98 bleiben und dürften transferiert werden. Peter Niemeyer wird seine Karriere wohl beenden, sein Vertrag lief ebenso aus wie der von Terrence Boyd. Silas Zehnder und Manasse Eshele, für die Liga zwei noch zu hoch ist, dürften verliehen werden. Kevin Großkreutz war am Dienstag beim Trainingsauftakt mit von der Partie, dürfte aber wie Wilson Kamavuaka, Orrin McKinze Gaines und Torwart Joel Mall kaum Steine in den Weg gelegt bekommen, wenn andere Vereine Interesse an ihnen zeigen würden.

Darmstadt 98: Testspiel am Sonntag

Freie Kaderplätze wären also vorhanden, auch wenn Schuster die zuletzt zu große Ansammlung an Profis verkleinern möchte. Vor allem ein Innenverteidiger, ein bissiger Rechtsverteidiger, ein Sechser, ein Spielmacher und zwei Stürmer täten den Darmstädtern noch gut. Der Innenverteidiger könnte der zuletzt ausgeliehene Romain Brégerie werden, wenn sich der SV 98 mit dem FC Ingolstadt finanziell einig würde. Gepokert wird auch um einen Verbleib von Dong-Won Ji (ausgeliehen vom FC Augsburg), der aber nur bedingt überzeugte. Einen ersten Eindruck vom SV Darmstadt 98 kann man sich am Sonntag (11 Uhr) machen, beim Testspiel in Altheim gegen den dortigen Turn- und Sportverein, der in der Kreisliga A spielt.

Jens Dörr

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