Ex-Seleção-Kapitän Sócrates tot

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Der deutsche Stürmer Karl-Heinz Rummenigge (r) und der brasilianische Mittelfeldspieler und Kapitän Socrates (M) bei einem Länderspiel im Jahr 1981. Socrates ist am Sonntag gestorben.

São Paulo - Die brasilianische Fußball-Legende Socrates ist tot. Der WM-Teilnehmer von 1982 und 1986 starb am frühen Sonntagmorgen im Alter von 57 Jahren im Albert-Einstein-Krankenhaus in Sao Paulo, wie die Klinik bestätigte.

Der brasilianische Fußball trauert um eines seiner größten Idole. Im Alter von 57 Jahren verstarb der frühere Nationalspieler Socrates an multiples Organversagen. Der exzessive Alkoholkonsum hatte seinen Körper geschwächt. Am Donnerstagabend war er zum dritten und letzten Mal in diesem Jahr in ein Krankenhaus eingeliefert worden.

Arzt, politischer Querdenker und vor allem genialer Fußball: Obwohl Socrates Brasileiro Sampaio de Souza Vieira de Oliveira den Brasilianern keinen Weltmeistertitel bescherte, spielte er sich mit dem WM-Team von 1982 für immer in die Herzen der Fans. Am Sonntagmorgen um 4.30 Uhr Ortszeit verlor der „Doktor“ seinen letzten Kampf.

Der 57-Jährige war am Donnerstag in das Albert-Einstein-Hospital von Sao Paulo eingeliefert worden. Vermutlich ein bakteriell verseuchtes Mittagessen hatte einen septischen Schock ausgelöst. Am Ende versagten die von jahrelangem exzessiven Alkoholkonsum angegriffenen Organe.

„Ich war Alkoholiker, wenn ich wollte. Wer täglich Alkohol trinkt, ist Alkoholiker. Ich war abhängig vom Alkohol, habe aber nicht jeden Tag getrunken“, gestand jüngst der studierte Mediziner, der schon als Spieler seine Bierchen genoss. Nach zwei Krankenhausaufenthalten in diesem Jahr wegen Magen- und Darmblutungen war eine Lebertransplantation angedacht.

Socrates begann noch zu seiner Studentenzeit seine Profikarriere beim kleinen Botafogo FC aus Ribeirao Preto, wurde dann Anfang der 80er-Jahre beim beliebten SC Corinthians aus Sao Paulo zur Kultfigur. Mit hagerer Gestalt und Che-Guevara-Bart zelebrierte er einen eleganten Fußballstil, der Hackentrick war sein Markenzeichen.

Doch nicht nur auf dem Platz war der im verarmten Norden Brasiliens (Belem) geborene Komplettfußballer der Kopf des Teams. Er setzte sich am Ende der Militärdiktatur öffentlich in der Kampagne „Diretas Ja“ für die direkte Wahl des Staatspräsidenten durch das Volk ein und gehörte zu den treibenden Kräften der „Democracia Corintiana“.

Die weltweit wohl einmalige Demokratiebewegung erlaubte es den Corinthians-Spielern, per Abstimmung in Klubentscheidungen bei Spielerwechseln oder Regeln in Trainingslagern einzugreifen. Politisch links stehend gab er einst zu: „Ich wäre gern Kubaner.“

Die Brasilianer liebten aber vor allem seinen Fußballstil und Tore wie bei der WM 1982 gegen die damalige Sowjetunion (2:1) und Italien (2:3). Der „Magere“, dessen jüngerer Bruder Rai 1994 Weltmeister wurde, bestritt 63 Länderspiele (25 Tore), viele davon an der Seite von Idolen wie Zico, Falcao und Junior. Mit einem verschossenen Elfmeter im verlorenen Viertelfinale der WM 1986 gegen Frankreich verabschiedete er sich aus der Selecao.

Drei Jahre später war dann endgültig mit dem Fußball Schluss. Socrates versuchte sich anschließend als Arzt, Trainer, Sänger, Maler und blieb stets ein Quergeist. „Kein Spieler gibt seine Fußballkarriere auf. Der Fußball ist es, der sich von den Spielern abwendet“, sagte er einmal.

Am Sonntag verlor Socrates seinen letzten Kampf.

sid

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