Ex-Fußballer, Ex-Trainer, Ex-Schiris: Ex-perten

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Sky-Experte Franz Beckenbauer mit Jürgen Klopp

Köln - Nie zuvor haben sich im deutschen Fernsehen so viele Fußball-Experten getummelt wie zur neuen Bundesliga-Saison. Allein zwölf gehören fest zu den Teams von Sky und Liga total! Aber was hat der Zuschauer davon?

Fußball ist eine Soap Opera. Wie Dallas. Nur geht es nicht um Öl, sondern eben um Fußball. Zu einer guten Seifenoper gehören Klatsch und Tratsch natürlich dazu. Und dafür sind sie da: Ex-Fußballer, Ex-Trainer, Ex-Schiedsrichter - Ex-perten. Ein Dutzend davon haben allein die Pay-TV-Kanäle Sky und LIGA Total! verpflichtet, die die Bundesliga auch in der neuen Saison parallel übertragen.

„Jeder Sender zeigt mehr oder minder die gleichen Spiele, also muss er versuchen, dem Ganzen irgendwie seinen Stempel aufdrücken“, erklärt Sportwissenschaftler Christoph Bertling von der Sporthochschule Köln: „Fernsehen definiert sich stark über Gesichter. Mit den Experten versuchen die Sender, die Einzigartigkeit ihres Produkts in den Vordergrund zu stellen. Außerdem wollen sie möglichst lang vom Premium-Produkt Bundesliga profitieren.“

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Bei Sky feiert am Samstagabend in Berlin ein Experten-Tisch nach englischem und amerikanischem Vorbild Premiere. Neben Moderator Sebastian Hellmann werden dort Markus Merk (Ex-Schiedsrichter, war schon in der Türkei als TV-Experte im Einsatz), Steffen Freund (Ex-Profi, jetzt DFB-Trainer) und Jan-Aage Fjörtoft (Ex-Stürmer, jetzt Moderator beim norwegischen TV-Sender Viasat Norway) am Tisch sitzen. Und weil Sky Bundesliga-Partner ist, darf der Tisch bei seiner Premiere sogar auf dem Rasen stehen.

Eine Stunde lang wird das Quartett die Zuschauer künftig im sogenannten Vorlauf auf das „Topspiel der Woche“ am Samstagabend einstimmen und an diesem Samstag über Hertha und Nürnberg reden. „Unter allen unwichtigen Dingen ist Fußball bei weitem das wichtigste. Das hat schon Papst Johannes Paul II. gesagt, und das ist auch mein Motto“, sagte der Norweger Fjörtoft, der erst am zweiten Spieltag zum Team stoßen wird.

„Der inhaltliche Mehrwert ist nicht besonders groß bei diesen Experten-Runden. Aber der Zuschauer kann so die Spannung besser aufbauen, sich mehr aufs Spiel freuen. Da sind die Informationen im Zweifel nicht so wichtig“, sagt Bertling vom Institut für Kommunikations- und Medienforschung. „Fernsehen ist eben kein Inhaltsmedium.“ Früher war Bertling selbst zehn Jahre lang als Journalist tätig.

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Neben dem festen Team für das Topspiel hat Sky nur A-Klasse-Experten verpflichtet: Franz Beckenbauer, Stefan Effenberg, Ottmar Hitzfeld, Jens Lehmann und Matthias Sammer. Bei Liga total! gehören Thomas Strunz, Thomas Berthold, Valerien Isma‰l und Bernd Schuster zum festen Experten-Team. Im Sport1-Doppelpass wechseln sich ab sofort Strunz, Mario Basler und Thomas Helmer auf dem Platz ab, auf dem jahrelang Udo Lattek lästerte.

„Der Experte muss zum Sender passen und ein Profil entwickeln“, sagt Christoph Bertling. Beckenbauer steht für Fachwissen und Glamour, Jürgen Klopp, für viele immer noch der beste Experte im TV, für Lässigkeit und Erfolg. Bertling: „Die Sender dürfen nicht beim Experten sparen, sonst bringt das nichts.“

sid

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