EM: Zwanziger nimmt Funktionäre in die Pflicht

+
Theo Zwanziger fordert die DFB-Spieler zu kritischen Äußerungen bei der EM auf.

Frankfurt/Main - FIFA- und UEFA-Exekutivmitglied Theo Zwanziger sieht in einem Boykott der Spiele der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine keine Lösung.

„Eine Absage ist keine Alternative, damit haben wir in der Vergangenheit bei anderen Ereignissen überhaupt nichts erreicht“, sagte der ehemalige Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Interview mit hr-info.

Der Jurist forderte allerdings die Spieler der deutschen Nationalmannschaft zu kritischen Meinungsäußerungen auf: „Das erwarten wir von einem mündigen Staatsbürger, der Fußball spielt.“ Der Sport habe die Möglichkeiten, die Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine zu beanstanden. Zwanziger weiter: „Wir treten ein für Rechtstaatlichkeit und Demokratie, und dann müssen wir das überall tun, wo wir hingehen.“

"Schwer wie Blei": Internationale Pressestimmen zur EM-Auslosung

"Schwer wie Blei": Internationale Pressestimmen zur EM-Auslosung

Aber nicht nur die deutschen Nationalspieler nahm Zwanziger in die Pflicht: „Was ich mir wünschen würde, wäre ein klareres Bekenntnis der führenden Sportfunktionäre.“ Konkret meine er damit die Europäische Fußball-Union (UEFA), aber auch die Nationalverbände. „Wir müssen klar und deutlich sagen, dass Politik und Sport nicht zwei verschiedene Dinge sind“, betonte Zwanziger. Sport sei nur dann wertvoll, „wenn er sich da, wo er ist - wir sind ja in der Ukraine - auch klar und deutlich bekennt, um dazu beizutragen, dass die, die dort Unrecht tun, sich nicht anschließend noch feiern lassen“.

Auslöser der seit Monaten schwelenden Diskussion ist der Umgang mit der Ukraine inhaftierten und schwer erkrankten Ex-Premierministerin Julija Timoschenko. Timoschenko, die an Bandscheibenproblemen leidet, verbüßt eine siebenjährige Haftstrafe wegen Amtsmissbrauchs. Die Europäische Union kritisiert ihre Haft als politisch motiviert. Aus Protest gegen ihre Haftbedingungen trat Timoschenko vor mehr als einer Woche in einen Hungerstreik.

SID

Kommentare