"Schmierenkampagne" im englischen Lager

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Englands Nationaltrainer Roy Hodgson.

London - Die Nichtnominierung von Rio Ferdinand für die englische Nationalmannschaft lässt das Mutterland des Fußballs nicht zur Ruhe kommen.

Nachdem Teammanager Roy Hodgson in den vergangenen Tagen heftige Kritik hatte einstecken müssen, weil er den Abwehrspieler von Manchester United gleich zweimal übergangen hatte, ergriffen nun seine Vorgänger Partei für ihn. Hodgson sei Opfer einer „Schmierenkampagne“, ereiferte sich etwa Sven-Göran Eriksson, Coach der Three Lions bei der WM 2006 in Deutschland.

Hodgson hatte Ferdinand nicht in seinen ursprünglichen Kader berufen, als sich am vergangenen Wochenende Gary Cahill verletzte, blieb der Routinier auch bei der Nachnominierung außen vor, berufen wurde der unerfahrene Martin Kelly. Hodgson wird vorgeworfen, Ferdinand nicht berufen zu wollen, weil dessen Bruder Anton von John Terry vom FC Chelsea rassistisch beleidigt worden sein soll. „An diesen Vorwürfen ist nichts dran“, behauptete Eriksson, der Hodgson als „guten Freund“ bezeichnet. „Ich persönlich finde die ganze Diskussion Eriksson ziemlich dumm“, sagte Eriksson.

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Er könne Ferdinand, der für ihn bei drei Turnieren „ein unglaublich wichtiger Spieler“ gewesen sei, gut verstehen. Aber man dürfe nicht vergessen, dass er in der abgelaufenen Saison mehrfach verletzt gewesen sei. Das sei eine rein sportliche Entscheidung von Hodgson gewesen, behauptete Eriksson, „mehr ist da nicht.“

Mit sportlichen Gründen hatte auch Hodgson seine ursprüngliche Ablehnung von Ferdinand begründet. Auch Steve McLaren, einst Assistent von Eriksson, danach für 16 Monate dessen Nachfolger und unter anderem Trainer beim VfL Wolfsburg, zeigte für die Entscheidung von Hodgson Verständnis. Das Zerwürfnis zwischen beiden Spielern wollte er dabei nicht in Abrede stellen. „Roy hat sich für Terry entschieden. Er hat versucht, einen Medienzirkus zu vermeiden. Man muss sich das nur mal vorstellen: Terry und Ferdinand in einem Hotel.“

Außerdem: Ferdinand sei zwar ein „fantastischer“ Spieler, Terry aber ein Fixstern für die Mannschaft. Harry Redknapp, Teammanager von Tottenham Hotspur und lange Zeit scheinbar erster Anwärter auf den Posten bei den Three Lions, kann die Entscheidung gegen Ferdinand dagegen nicht verstehen. „Da steckt offenbar mehr dahinter, als wir alle wissen“, sagte Redknapp in der Boulevardzeitung The Sun, sollten allein rein sportliche Gründe den Ausschlag gegeben haben, sei es eher schwierig, auf Ferdinand zu verzichten, „ich hätte ihn für jede Mannschaft genommen“.

Redknapp betonte aber auch: „Roy hat ihn nicht genommen. Er ist der Boss.“ Die Engländer wurden am Mittwoch in ihrem EM-Quartier in Krakau erwartet. Am Donnerstag will Hodgson sich öffentlich äußern - um das Thema ferdinand wird er dabei kaum herumkommen.

sid

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