Europa League

Katerstimmung statt Titel-Träumen

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Stefan Kießling (l.) nach der Schlappe gegen Benfica

Hannover - Nur der VfB Stuttgart überstand die Zwischenrunde der Europa League. Hannover, Leverkusen und Mönchengladbach haben nun die erneute Qualifikation für den internationalen Wettbewerb im Blick.

Katerstimmung statt Titel-Träumen: Die Bundesliga hat auf Europas kleiner Fußball-Bühne nur noch ein Ass im Ärmel. Durch den Erfolg des VfB Stuttgart beim KRC Genk (2:0) vermied das deutsche Europa-League-Quartett zwar den kollektiven Knockout - die Zwischenbilanz ist nach dem Ausscheiden von Hannover 96, Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach aber ziemlich ernüchternd und verpasst dem Image des deutschen Vereinsfußballs einen kräftigen Kratzer.

Auch in der Fünfjahreswertung der Europäischen Fußball-Union (UEFA) ließ die Bundesliga die Chance aus, den Druck auf die führenden Nationen erheblich zu erhöhen. Nach den Achtelfinal-Hinspielen der Champions League und der Zwischenrunde der Europa League bleibt Deutschland auf Rang drei hinter den führenden Spaniern (85,168) und England (79,392), das weiter 3,064 Punkte vor Deutschland liegt.

Doch dies interessierte nach dem Ende der Europacup-Woche zunächst kaum jemanden, die sportlichen Wunden rückten in den Hintergrund. Drei Anhänger der Gladbacher waren bei der weitgehend friedlichen „Invasion“ Roms mit Messern attackiert worden. Die tollen Bilder von Tausenden deutschen Anhängern auf der Spanischen Treppe waren plötzlich weggewischt. Am Tag danach verkündete Gladbachs Pressesprecher Markus Aretz aber die erlösende Nachricht: „Niemand ist in Lebensgefahr. Es ist zum Glück nichts Dramatisches“, sagte er dem SID.

Auch das 0:2 gegen Lazio schätzten die Gladbacher wenig dramatisch ein. „Wir haben uns gut präsentiert in Europa, vor allem auch die Fans. Wenn du das wieder haben willst, musst du Gas geben in der Liga“, bilanzierte Martin Stranzl und blickte schon auf das Gastspiel von Meister Borussia Dortmund mit dem verlorenen Sohn Marco Reus am Sonntag (15.30 Uhr/Sky und Liga total!) im Borussia-Park. Stürmer Mike Hanke freut sich bereits: „Wir werden ein volles Haus haben. Wer da nicht geil ist auf das Spiel, dann weiß ich auch nicht.“

Die gleichen Töne sprachen Mirko Slomka und seine Profis von Hannover 96 mit zerknirschten Mienen in die Mikrofone. Die Niedersachsen mussten nach einer überzeugenden Leistung und einem 1: 1 gegen die reichen Russen von Anschi Machatschkala die Segel streichen. Doch der Frust war schnell vergessen, am Samstag (15.30 Uhr/Sky und Liga total!) kommt der HSV zu einem richtungsweisenden Nord-Duell. „Das wird eine richtig harte Nuss, die wir da zu knacken haben“, sagte Kapitän Christian Schulz, „wir müssen noch mal alles aus uns rausholen, um wieder die Möglichkeit zu haben, Europa aufzumischen.“ Nach zwei Jahren mit spektakulären Europapokal-Abenden wird es für die 96er in dieser Saison aber schwierig, wieder mindestens Platz sechs zu ergattern.

Besser ist da die Ausgangsposition von Bayer Leverkusen, das gegen Benfica Lissabon insgesamt enttäuschte. Nach der erneuten Pleite (1:2) gegen den portugiesischen Rekordmeister kann sich die Werkself nun ganz auf den Kampf um die Champions-League-Plätze konzentrieren, am Sonntag muss Leverkusen nach Fürth (17.30 Uhr/Sky und Liga total!). „Wir sind alle enttäuscht. Jeder muss das jetzt aus dem Kopf kriegen“, sagte Stürmer Stefan Kießling. Gonzalo Castro forderte von sich und seinen Mannschaftskollegen einen Reifeprozess ein: „Wir müssen aus dem Ausscheiden in der Europa League und im DFB-Pokal unsere Lehren ziehen, um in den nächsten Jahren länger auf allen drei Hochzeiten dabei zu sein.“

Vorbild könnte der VfB Stuttgart sein, der im Pokal noch vertreten ist und plötzlich als einziger Klub das deutsche Fähnchen in der Europa League hoch hält. Im Achtelfinale trifft die Elf von Bruno Labbadia auf den Gladbach-Bezwinger. „Wir sind verdient eine Runde weiter und freuen uns nun auf Rom“, sagte Kapitän Serdar Tasci: „Dort wollen wir nicht nur die Stadt sehen, sondern Lazio auch auf Augenhöhe entgegentreten.“ Doch erst einmal zählt nur das Duell mit dem 1. FC Nürnberg am Samstag (15.30 Uhr/ Sky und Liga total!).

sid

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