Deutsche Teilnehmer bangen

Europa League: Angst vor Vierfach-Aus

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Hannover 96 erlebte beim 1:3 (1:1) gegen Anschi Machatschkala ein böses Erwachen.

Frankfurt am Main - Zwei Niederlagen, zwei Unentschieden: Das deutsche Quartett hat in der Europa League auf der ganzen Linie enttäuscht. Den Bundesligisten droht das Vierfach-Aus.

Ärger, Frust und das Prinzip Hoffnung: Nach dem schwarzen Donnerstag auf der europäischen Fußball-Bühne will das deutsche Quartett in den anstehenden Bundesliga-Partien Wiedergutmachung betreiben. Der Stachel der Enttäuschung saß nach den zwei Niederlagen und zwei Unentschieden in den Zwischenrunden-Hinspielen aber trotzdem tief. Statt Europa zu erobern, droht das Vierfach-Aus.

Dabei hat die Ergebniskrise Bayer Leverkusen weiter fest im Griff. „Der letzte Tick Konsequenz fehlt, die Galligkeit“, analysierte Trainer Sascha Lewandowski nach dem 0:1 (0:0) gegen Benfica Lissabon. Es war das vierte Pflichtspiel des Tabellendritten ohne Sieg. Auch Hannover 96 erlebte beim 1:3 (1:1) im Auswärtsspiel in Moskau gegen die Millionen-Truppe von Anschi Machatschkala ein böses Erwachen. Doch 96-Coach Mirko Sloma klammerte sich an die Hoffnung. „Wir haben uns noch nicht aufgegeben. Wir werden alles versuchen, noch etwas zu bewegen“, sagte der 45-Jährige.

Schwer getroffen zeigte sich Gladbachs Trainer Lucien Favre ob des Ausgleichs von Lazio Rom 30 Sekunden vor dem Ende eines denkwürdigen Europacup-Abends. „Das war total unnötig. Jetzt müssen wir 1:0 oder 2:1 gewinnen. Ein höheres Ergebnis wird nicht möglich sein“, sagte der Schweizer nach dem 3:3 (1:0).

An alle Fußballer: Diese Jubel müsst Ihr beherrschen!

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Auch sein Stuttgarter Kollege Bruno Labbadia war nach dem 1:1 (1: 0) gegen KRC Genk fassungslos - und krank. Labbadia ließ sich auf der Pressekonferenz am Freitag von Eddy Sözer vertreten. Nach zuletzt fünf Bundesliga-Niederlagen würde eine weitere Pleite gegen die abstiegsbedrohten Hoffenheimer am Sonntag (17.30 Uhr/Sky und Liga total!) die prekäre Lage bei den Schwaben verschärfen. „Das ist bitter. Wir hätten in unserer Situation so ein dreckiges 1:0 gut gebrauchen können. Jetzt müssen wir eben am Sonntag gewinnen“, sagte VfB-Sportdirektor Fredi Bobic.

Leverkusen indes muss sich wohl von seinen hochtrabenden Europa-League-Träumen verabschieden. Nur knapp 43 Stunden nach seiner Pleite trifft Bayer am Samstag (15.30 Uhr/Sky und Liga total! ) auf den Tabellenvorletzten FC Augsburg, der immerhin im neuen Jahr in der Liga noch ungeschlagen ist. „Die sind unangenehm zu spielen und haben zu Recht noch kein Spiel verloren. Sie waren auch in den Begegnungen, die unentschieden endeten, die bessere Mannschaft“, sagte Lewandowski.

Ein Sieg gegen die Schwaben wird in Bayers derzeitiger Verfassung kein Selbstläufer. Wie zuletzt in der Bundesliga offenbarten die Rheinländer auch gegen Lissabon die größte Schwachstelle: Bis zum Strafraum wird teilweise schön kombiniert, doch Entschlossenheit im Torabschluss sieht anders aus. Mehr als brotlose Kunst springt nicht heraus.

Bei Hannover 96 hapert es in der Abwehr. Am Ende waren die Niedersachsen mit drei Gegentoren noch gut bedient. „Anschi ist im Konterspiel unheimlich stark“, sagte Slomka, 96 war mit den eigenen Waffen geschlagen worden. Gegen den Retortenklub aus der Unruheprovinz Dagestan im Nordkaukasus kassierten die Niedersachsen im 35. Pflichtspiel der Saison bereits die Gegentore 59 bis 61 (1, 74 im Schnitt).

Die eklatante Abwehrschwäche ist auch der Grund, weshalb Hannover nach zwei berauschenden Spielzeiten wieder im grauen Mittelmaß der Liga zu verschwinden drohen. Mit Rang neun hinkt der Klub den Erwartungen hinterher. Am Sonntag steht 96 beim 1. FC Nürnberg (15.30 Uhr/Sky und Liga total!) gehörig unter Druck, wenn der Anschluss an die Europapokal-Plätze nicht verloren gehen soll.

Gladbach hatte 90 Minuten „gegen eine italienische Spitzenmannschaft mitgehalten“, stellte Sportdirektor Max Eberl fest. Doch grobe Stellungsfehler in der Abwehr bei den Gegentoren brachten den fünfmaligen deutschen Meister um den Lohn seiner Arbeit. Die „Konzentrationsfehler“ waren aber nicht das einzige Ärgernis für Favre. Kurz vor Mitternacht blickte der Coach auf die Uhr und stellte ironisch fest: „In 18 Minuten können wir sagen, dass wir schon morgen (Anm. d. Red.: Samstag) in Hamburg spielen.“ Viel mehr Worte wollte Favre über die unglückliche Spielansetzung am Samstag nicht verlieren.

sid

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