UEFA manipulierte erneut

Fan-Tränen im TV waren nicht echt

Warschau/Kiew - Die Inszenierung des vermeintlichen TV-Livebildes durch die UEFA sorgt erneut für Aufregung. Diesmal geht es um einen weinenden Deutschland-Fan im Halbfinale gegen Italien.

Eine dicke Träne kullert über die Wange einer Frau (hier sehen Sie die Szene im Video). Dieser Fan der deutschen Fußball-Nationalmannschaft trauert über den 0:2-Rückstand im EM-Halbfinale gegen Italien - soll der Zuschauer glauben. Genau diese Bilder sorgen nun für Ärger - und die UEFA sieht sich zum wiederholten Male mit Vorwürfen der Manipulation von TV-Aufnahmen konfrontiert.

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Wie die „Süddeutsche Zeitung“ am Samstag unter Berufung auf die Frau berichtete, war die Szene bereits vor dem Spiel am Donnerstag gefilmt worden. Gezeigt wurden die Bilder allerdings unmittelbar nach dem 0:2 durch Mario Balotelli in der 36. Minute.

Die übertragende ARD bestätigte der Zeitung, dass die Aufnahmen aus dem deutschen Fanblock schon zuvor aufgezeichnet worden waren. „Wir sind erstaunt und irritiert. Diese Bilder sind für uns so nicht akzeptabel“, sagte ARD-Teamchef Jörg Schönenborn der „SZ“.

Die UEFA räumte eine erneute Panne bei der Übertragung von TV-Bildern ein - wies den Vorwurf der Manipulation aber energisch zurück. „Die UEFA hat keinerlei Absicht, eine wie auch immer geartete Kontrolle über die den Sendeanstalten zur Verfügung gestellten Bilder auszuüben“, teilte der Dachverband am Samstag mit.

Die UEFA bestätigte, dass die Bilder während der Hymne aufgenommen und verwendet worden seien, „um die Emotionen und die Anspannung der deutschen Fans bei diesem Spiel zu zeigen“.

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Die UEFA-Produktionsleitung sei mit der Entscheidung des TV-Produktionsteams im Stadion, „diese Bilder gleich im Anschluss an das Tor zu zeigen, nicht einverstanden“.

Weiter hieß es von der UEFA: „Im Rahmen unserer Qualitätskontrolle wurde das Produktionsteam vor Ort angewiesen, solche Reaktionen nicht mehr als Wiederholungen direkt im Anschluss an eine Live-Aktion einzublenden, um falschen Eindrücken vorzubeugen.“ Man habe „keinerlei Absicht, Bilder zu 'manipulieren'“, schrieb die UEFA.

Schon beim zweiten Gruppenspiel des DFB-Teams am 13. Juni gegen die Niederlande hatte die UEFA eine Manipulation der TV-Bilder einräumen müssen. Während der ersten Halbzeit der Übertragung aus Kiew war Bundestrainer Joachim Löw zu sehen gewesen, wie er einem ukrainischen Balljungen den Ball unter dem Arm wegstupst. Diese Szene hatte sich in Wirklichkeit während des Warmmachens der beiden Mannschaften vor dem Spiel ereignet.

ARD und ZDF hatten sich daraufhin beim europäischen Dachverband beschwert und gefordert, dass nicht live gesendete Bilder kenntlich gemacht werden müssten. Die UEFA, die für alle Sender das sogenannte Weltbild produziert, hatte sich dazu bereiterklärt.

dpa

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