Wird Fußball im Pay-TV jetzt ein Schnäppchen?

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Mit der Gerichtsentscheidung ist es in Zukunft auch möglich, dass Champions-League-Spiele mit ausländischen Decoderkarten empfangen werden können.

Luxemburg - Das ist ein Schlag für die Exklusiv-Vermarkter von TV-Fußballrechten: Der Europäische Gerichtshof hat mit seiner Entscheidung die bisherige Lage gekippt. Was das genau bedeutet:

Die Exklusiv-Vermarktung von Fernsehrechten im Profifußball muss geändert werden. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschied am Dienstag in Luxemburg, dass zum Empfang von Übertragungen im Bezahlfernsehen ausländische Decoderkarten nicht verboten werden dürfen. (Rechtssachen C-403/08 und C-429/08).

Der EuGH entschied, dass ein Lizenzsystem, “das Rundfunkanstalten eine gebietsabhängige Exklusivität für einzelne Mitgliedstaaten einräumt und den Fernsehzuschauern untersagt, diese Sendungen in den anderen Mitgliedstaaten mittels einer Decoderkarte anzusehen“, gegen EU-Recht verstoße.

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Weiter heißt es in dem Urteil: “Aus analogen Gründen verstößt ein System exklusiver Lizenzen auch gegen das Wettbewerbsrecht der Union, wenn die Lizenzverträge es untersagen, ausländische Decoderkarten Fernsehzuschauern zur Verfügung zu stellen (...).“ Gegen das verkündete Urteil aus Luxemburg ist keine Berufung möglich.

Der TV-Sender Sky erklärte auf dapd-Anfrage, man wolle am Dienstag keine Erklärung zu der Entscheidung abgeben und verwies auf die Zuständigkeit der Deutschen Fußball Liga (DFL). Bei der DFL hieß es, man prüfe derzeit das Urteil.

Auslöser des Rechtsstreits war der Fall Karen Murphy, die in ihrem Pub im südenglischen Southsea im Jahr 2007 Live-Übertragungen von Spielen der Premier League gezeigt hatte. Dazu nutzte die Wirtin jedoch keine Gaststättenlizenz des britischen Pay-TV-Senders BSkyB, sondern importierte einen Satelliten-Decoder des Anbieters Nova, der seinerzeit die Übertragungsrechte für Premier-League-Spiele in Griechenland besaß. Dadurch sparte Murphy rund 6000 Euro (5200 britische Pfund) pro Jahr. Deshalb kam es zur Klage durch den Pay-TV-Sender Sky.

Murphy: “Dagegen kämpfe ich“

Das wollte die Wirtin wollte aber nicht hinnehmen: “Wenn ich ein Auto kaufen möchte, darf ich das Modell wählen, das mir gefällt“, sagte sie in einem BBC-Interview. Bei Fußballübertragungen dürfe man das anscheinend nicht. “Das ist falsch, das macht mich wütend, und dagegen kämpfe ich.“

Nun reagierte sie mit großer Erleichterung: “Sie ist überwältigt vor Erleichterung“, sagte ihr Anwalt Paul Dixon der BBC. “Es war ein langer Weg für sie, aber sie ist hocherfreut, dass der Fall nun wieder nach London vor den High Court zurückkommt, wo er bald abgeschlossen wird, wie wir hoffen“, sagte Anwalt Dixon. Das Urteil auf europäischer Ebene muss noch von einem britischen Gericht bestätigt werden. Dies gilt als höchstwahrscheinlich. Der Spruch bedeute einen größeren Wettbewerb im Fernsehmarkt. “Soviel ist sicher“, sagte Dixon.

Das Urteil könnte die TV-Vermarktung des Fußballs in Europa in seinen Grundfesten erschüttern. Aktuell erlöst die Bundesliga pro Saison rund 412 Millionen Euro durch TV-Einnahmen.

In dem Grundsatzurteil geht es auch um Fragen des Urheberrechts. Das höchste EU-Gericht entschied, dass einzelne Teile einer Übertragung wie beispielsweise die Hymne der Premier League geschützte Werke seien. Fußballspiele selbst seien hingegen keine geschützten Werke. In einem Lokal gezeigte Übertragungen, die die Auftaktvideo-Sequenz oder die League-Hymne enthielten, seien eine “öffentliche Wiedergabe“, die vom Urheber gebilligt werden müsste.

dpa/sid/dapd

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