"Equipe Tricolore" reloaded: Wo ist Platz für Ribéry?

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Franck Ribéry schied bei der WM 2010in Südafrika mit frankreich bereits in der Vorrunde aus.

Paris - Trainer Laurent Blanc hat es geschafft, aus Frankreichs Nationalteam wieder eine schlagkräftige Truppe zu formen. Für das Spiel gegen Albanien soll nun auch Rebell Franck Ribéry zurückkehren.

Ein Jahr nach dem Desaster bei der Weltmeisterschaft in Südafrika macht die “Grande Nation“ diesem Beinamen im Fußball wieder Ehre. Frankreich führt vor dem Qualifikationsspiel zur EM 2012 am Freitag in Albanien die Gruppe D an. Von einem zerstrittenen und demoralisierten Haufen zurück zu altem Glanz - dahinter muss ein Meisterstück der Sanierungskunst stecken.

Kult-Trainer! Echte Typen am Spielfeldrand

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Es ist vor allem das Verdienst von Trainer Laurent Blanc. Der Mann, der sich den Fans während der WM 1998 ins Gedächtnis brannte, weil er vor jedem Spiel Torhüter Fabien Barthez rituell auf die Glatze küsste, wurde schon als Spieler respektvoll “der Präsident“ genannt. Präsident des französischen Fußballverbandes ist er zwar nicht, aber seit dem 2. Juli 2010 Nationaltrainer mit großer Autorität und erstaunlichem Erfolg.

Den 45-Jährigen aus Bordeaux loszueisen, wo er seit 2007 als Trainer fungierte und die Girondins 2009 zur Meisterschaft führte, war nicht billig für den Verband, aber offensichtlich jede Mühe wert. Gut eine Million Euro musste der Verband an Bordeaux zahlen. Rechnet man die knappe Million dazu, die dem unsäglichen Ex-Trainer Raymond Domenech noch als Entschädigung gezahlt wurden, hat das Desaster von Südafrika - kein Sieg in drei Gruppenspielen; Trainingsboykott - den Verband Millionen gekostet. Obendrein wurden auch noch erhebliche Zahlungen an Sponsoren nötig, weil die Equipe Tricolore wirklich ein Bild der traurigen Gestalt abgegeben hatte.

Ein lautloser Drahtseilakt

Laurent Blanc startete danach mit zwei Niederlagen, darunter einem 0:1 in der EM-Qualifikation zu Hause gegen Weißrussland. Seitdem gab es acht Siege und drei Unentschieden - darunter ein 2:1 in England und ein 1:0 gegen Brasilien. Eine Bilanz in Löw'schen Dimensionen, sozusagen. Blanc sortierte etliche der WM-Versager zumindest vorübergehend aus und setzte auf Spieler, die bei Domenech keine Chance hatten - ein taktischer und psychologischer Drahtseilakt, den er fast lautlos hinbekam.

Aber der Vorsprung in der Gruppe D ist knapp: Ein Punkt vor Weißrussland nur, das aber ein Spiel mehr hat. Dennoch sind die größten Sorgen vorbei, und Laurent Blanc hat wieder Luxus-Probleme: Kann er mit Yoann Gourcuff (Olympique Lyon), Samir Nasri (Manchester City) und Marvin Martin (FC Sochaux) ein harmonisches Mittelfeld konstruieren, wie es bei der WM 1982 (Platini, Giresse und Genghini) brillierte? Oder muss er die Rolle eines Führungsspielers forcieren?

Wo ist Platz für Ribery?

Bleibt die Frage, wo der Platz von Franck Ribéry sein wird. Der Bayern-Spieler war als vermeintlicher Rädelsführer der Revolte 2010 für drei Spiele verbannt, litt dann unter Verletzungen und will jetzt wieder “angreifen“. Vermutlich von links.

Nur eines sollte Blanc nicht tun: Ribéry ans Steuer lassen. Das Sheraton in Albaniens Hauptstadt Tirana ist nur einen Steinwurf vom Stadion Quema Stefa entfernt. Dennoch werden die Franzosen nicht zu Fuß gehen, sondern einen Bus nehmen. Da ist es sicherer, die Karre nicht - wie einst im Trainingslager der Bayern in Dubai - von Ribéry an die Wand fahren zu lassen.

dapd

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