Mourinho hat keine Angst vor der „schwarzen Bestie“

München - Der FC Bayern ein Angstgegner von Real Madrid? Jose Mourinho betont, die Vergangenheit könne nicht Fußball spielen. Gerede über Komplexe der Madrider hält der Trainer für Blödsinn.

Den deutschen Rekordmeister lobt er dennoch ein bisschen - und stichelt ein bisschen gegen die Münchner.

Es dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass Jose Mourinho ein eigenwilliger Mensch ist. Gespräche mit den Medien verweigerte er zuletzt und schickte seinen Assistenten Aitor Karanka vor. Am Montag aber, gut eine Stunde nach der Landung von Real Madrid auf dem Flughafen München, musste der Trainer der Königlichen dann sprechen. Das ist Vorschrift in der Champions League. Ebenso, dass sich ein Spieler äußert zum Spiel gegen den FC Bayern. „Ich muss nun mal reden“, stellte Mourinho kurz nach der Ankunft in München mit gewohnt mürrischer Miene fest.

Weil das Spiel in Deutschland ist, hätte er zum Pflichttermin in der Arena Mesut Özil mitnehmen können. Oder Sami Khedira. Oder den ehemaligen Münchner Hamit Altintop. Oder zur Not Nuri Sahin. Es wäre naheliegend gewesen, eine Geste an die Gastgeber. Mourinho? Verpflichtete den stellvertretenden Kapitän, Sergio Ramos.

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Özil und Khedira, die beiden deutschen Nationalspieler, checkten zeitgleich in das luxuriöse Hotel „Westin Grand“ ein. Die Königlichen wirkten gut gelaunt, verbreiteten wortlos gute Laune.

Schon beim nachmittäglichen Flug ins nasskalte München, bei dem Özil den Platz hinter Cristiano Ronaldo eingenommen hatte, war diStimmung gelöst - die Königlichen benahmen sich ein wenig wie kleine Kinder auf dem Weg zur Klassenabschlussfahrt. Mourinho also sprach. Lästerte ein wenig über Franz Beckenbauer, Karl-Heinz Rummenigge, Oliver Kahn oder Ottmar Hitzfeld, die nach seinem Kenntnisstand den den FC Bayern als Favorit sehen. Weil die Münchner für Real Madrid angeblich eine „bestia negra“ sind, also ein Angstgegner, meinten die Leute, „dass wir Komplexe haben.“ Was Mourinho selbstverständlich für Blödsinn hält.

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Ergebnisse früherer Spiele „haben keine Bedeutung“, die „Geschichte spielt nicht.“ Auch Jupp Heynckes, erwiesener Spanien-Kenner, hat am Montag nochmals betont, dass die Spanier „speziell vor dem FC Bayern großen Respekt haben“, und dass unter anderem der FC Bayern die „Schwarze Bestie“ von Real ist. Allzu viel von diesem großen Respekt war nach der Ankunft von Madrid aber nicht zu spüren. Das obligatorische Abschlusstraining am Abend vor dem Spiel in der gegnerischen Arena hielt Mourinho für überflüssig. Es fiel aus.

Ein paar Anfälle von Artigkeit hatte Mourinho dann doch. Der FC Bayern habe „gute Spieler und einen guten Trainer“, der Verein sei eine „Institution“, und überhaupt sei der deutsche Rekordmeister eine „großartige Mannschaft“, die auch Spieler „für die ganz großen Momente habe“. In diesem Zusammenhang nannte der 49 Jahre alte Portugiese Mario Gomez und Arjen Robben. Letzterer habe „einen Lauf“, merkte er an, und das war dann doch wieder eine kleine Boshaftigkeit.

Zu seiner eigenen Mannschaft wollte Mourinho selbstverständlich gar nichts sagen, nur so viel: „Ich weiß, wer spielt, das sind Spiele, bei denen ich keine Zweifel habe.“ Dass am Dienstagabend (20.45 Uhr/Sat.1 und Sky) Özil und Khedira zumindest mit ihren Füßen sprechen werden, davon geht jedenfalls Heynckes aus. Khedira sei „absoluter Stammspieler“, Özil „unantastbar“, glaubt der Trainer des FC Bayern.

Bisweilen wirkt es, als bestehe Real Madrid nur aus Cristiano Ronaldo, Cristiano Ronaldo und Cristiano Ronaldo. Real ist aber auch Özil und Khedira. „Özil ist ein besserer Spieler als vor zwei Jahren“, sagte Mourinho - und er verwies darauf, dass dies auch an ihm, dem Trainer liege. Özil ist im Estadio Santiago Bernabeu Publikumsliebling, er wird wegen seiner Spielkunst, wegen des Zaubers, den er verbreiten kann, geradezu verehrt.

In dieser Saison spielt Özil freilich nicht mehr so überragend wie in der vergangenen, seiner ersten bei Real. Dass er zudem weniger spielt, liegt auch daran, dass der Brasilianer Kaka wiedergenesen ist. Özil wird zudem nachgesagt, dass er gerade in den wichtigen Spielen nicht überzeugt. Mourinho sagte dazu am Montag nichts, betonte aber, dass das Spiel am Dienstag „ein großes“ werde und Kaka eine besondere Gabe besitze: „In solchen Spielen trumpft er gerne auf.“

SID

Rubriklistenbild: © dpa

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