Chaos bei Partie Ukraine gegen Frankreich

EM-Spiel für eine Stunde unterbrochen

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Schiedsrichter Björn Kuipers schickt die Spieler in die Kabine

Donezk - Das EM-Spiel zwischen Co-Gastgeber Ukraine und Frankreich in der Gruppe D ist für fast eine Stunde unterbrochen worden.

Eigenartige Maschinen kämpften mit den Wassermassen, hartgesottene Fans führten im Wolkenbruch fröhlich Regentänze auf, am nachtschwarzen Himmel über Donezk zuckten die Blitze: Erstmals in der EM-Geschichte hat höhere Gewalt zu einer Spiel-Unterbrechung geführt. In einem schweren Gewitter pfiff Schiedsrichter Björn Kuipers aus den Niederlanden nach 4:17 Minuten in der Donbass-Arena beim Stand von 0:0 zunächst ab - und schickte die Mannschaften in die Kabine. Erst nach 58 Minuten wurde das Spiel der Gruppe D fortgesetzt, erstaunlicherweise unter regulären Bedingungen.

Der Regen hatte wenige Minuten vor dem Anpfiff eingesetzt und wurde stetig schlimmer, dann kamen auch noch Blitz und Donner hinzu. Die Arena war innerhalb kurzer Zeit zu großen Teilen leer, die Zuschauer suchten Schutz im Innenraum, auch UEFA-Boss Michel Platini und der ukrainische Staatspräsident Wiktor Janukowitsch.

Nur einige Unentwegte tanzten mit freiem Oberkörper vor den Fotografen. Musik verkürzte den übrigen Fans die Wartezeit, es wurde getanzt, gelacht, gefeiert. Mit einem Jubelsturm wurden schließlich um 18.58 Uhr die Teams wieder auf dem Rasen begrüßt; Kuipers setzte vier Minuten später mit einem Schiedsrichterball fort.

Auf dem Spielfeld hatten sich während des Wolkenbruchs riesige Pfützen gebildet, die Spieler standen im Kabinengang und plauderten. Franck Ribery scherzte mit seinem Bayern-Kollegen Anatoli Timoschtschuk, der danach noch mit Frankreichs Trainer Laurent Blanc über das Wetter fachsimpelte. Das Ergebnis: Es würde schon weitergehen. Das tat es dann auch.

Wetter-Chaos bei EM: Partie fast eine Stunde unterbrochen

Wetter-Chaos bei EM: Partie fast eine Stunde lang unterbrochen

Emsige Ordner hatten zwischenzeitlich versucht, mit Harken Löcher in den Rasen zu stechen, damit das Wasser besser versickern kann. Zudem wurde ein „Wassersauger“ eingesetzt, der aussah wie ein Riesen-Räsenmäher. Das schien jedoch ein Akt der Verzweiflung zu sein, die Pfützen - besonders rund um die Mittellinie - wollten zunächst einfach nicht verschwinden.

Laurent Blanc lief mit seinen Designerschuhen über den Rasen, holte sich nasse Füße, schaute recht skeptisch. Kurz darauf betrat ein UEFA-Offizieller den Platz und prüfte den Zustand, nickte - es konnte weitergehen.

Die Szenen erinnerten an die „Wasserschlacht“ von Frankfurt zwischen Deutschland und Polen im letzten Spiel der zweiten WM-Finalrunde 1974 (1:0). Damals war verzweifelt versucht worden, das Spielfeld mit Walzen trockenzulegen - vergeblich. Die Feuerwehr rückte mit Pumpen an, und es wurde gespielt, jedoch unter irregulären Bedingungen. Das Feld war eine Rutschbahn.

In der Bundesliga war das Spiel zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem VfL Wolfsburg am 11. April 2008 nach einem Wolkenbruch in der Halbzeitpause beim Stand von 1:0 abgebrochen worden. Das Spiel wurde komplett wiederholt.

Spielabbrüche während der EM-Endrunde sind unter Artikel 10.08 der Durchführungsbestimmungen in den Statuten der UEFA wie folgt geregelt: „Kann ein Spiel aufgrund der Unbespielbarkeit des Spielfeldes oder aus anderen Gründen nicht beginnen oder wird es vor dem Ende der regulären Spielzeit oder während einer etwaigen Verlängerung abgebrochen, muss es am folgenden Tag ausgetragen bzw. vollständig wiederholt werden. Kann das Spiel aus Gründen höherer Gewalt nicht am folgenden Tag ausgetragen werden, entscheidet die UEFA-Administration endgültig über das weitere Vorgehen.“

In der TV-Übertragung vertrieb sich ZDF-Reporter Béla Réthy vorübergehend damit die Zeit, vom Abendessen am Donnerstag in einer gemütlichen Kneipe zu berichten. Experte Oliver Kahn war überrascht, so kurz nach dem Anpfiff um 18 Uhr schon wieder gefragt zu sein: "Ich war gerade beim Pastaessen, als man sich ganz schnell wieder heruntergerufen hat. Ich kann mich nicht erinnern, so was schon erlebt zu haben."

Dann bat Rethy um Verständnis, sollte er später irgendwelche Angaben falsch wiedergeben. Denn: Seine Unterlagen sind vom Winde verweht. Doch am Ende fand alles ein gutes Ende: Das Spiel konnte fortgesetzt werden - und wahrscheinlich hat Rethy auch neue Exemplare seiner Unterlagen bekommen. Und: Die befürchteten Pfützen waren auf dem Platz nicht zu finden, das Spiel konnte unter regulären Umständen fortgesetzt werden.

Frankreich gewann das Spiel mit 2:0.

sid/al.

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