Del Bosque: "Es gibt keinen Favoriten"

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Der spanische Nationaltrainer Vicente del Bosque.

Kiew - Europameister Spanien hat höchsten Respekt vor seinem Finalgegner Italien. Die Spieler überzeugten sich beim gemeinsamen Fernsehabend von den Qualitäten der "Squadra Azzurra".

Noch ein Erfolg und das historische Titel-Triple ist perfekt. „Dieser Sieg wäre wie die Kirsche auf dem Kuchen“, sagte Innenverteidiger Sergio Ramos. Aber vor dem Wiedersehen mit Auftaktgegner Italien herrscht bei den Spaniern nur gedämpfter Optimismus. Der Europameister sieht dem Endspiel gegen den Deutschland-Bezwinger am Sonntag in Kiew mit gemischten Gefühlen entgegen. „Die Chancen stehen 50:50“, verkündete Trainer Vicente del Bosque. „Italien ist viermaliger Weltmeister. Es gibt keinen Favoriten.“

Auch die Spieler zeigten großen Respekt. Sie hatten den 2:1-Sieg der Italiener im Halbfinale gegen Joachim Löws Team konzentriert im Fernsehen verfolgt. Cesc Fàbregas urteilte am Freitag: „Deutschland hat alles versucht, aber Italien hat eine brillante erste Halbzeit gespielt.“ Der Mittelfeldmann, der als Not-Neuner im Gruppenmatch den 1:1-Ausgleich erzielt hatte, ergänzte: „Wir müssen versuchen, ihre beiden Stürmer und Andrea Pirlo in den Griff zu bekommen.“

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Die Skepsis der Spanier ist verständlich. Schließlich hatte die „Squadra Azzurra“ den Titelverteidiger beim Gruppenauftakt am Rande einer Niederlage und phasenweise regelrecht entzaubert. Zudem bezwang Stürmer-Schlitzohr Antonio di Natale Keeper Iker Casillas bislang zum einzigen Mal bei diesem Turnier. Nach diesem 0:1 - vom Elfmeterschießen gegen Portugal abgesehen - kassierte der Kapitän der „selección“ keinen Gegentreffer mehr.

Casillas hatte schon vor dem zweiten Halbfinale geahnt, dass es nicht unbedingt zum Kräftemessen mit seinen Mannschaftskollegen Mesut Özil und Sami Khedira von Real Madrid kommen würde. „Natürlich sind das tolle Spieler. Aber vergessen Sie nicht: Italien hat Pirlo, De Rossi oder Balotelli. Das sind auch ziemlich gute Leute.“

Nun steht am Sonntag (20.45 Uhr/ZDF) in der ukrainischen Hauptstadt gleich eine doppelte Neuauflage an: Nicht nur beim Gruppenstart in Danzig, sondern auch beim EM-Viertelfinale 2008 in Wien waren die beiden aufeinandergetroffen. Mit dem 4:2 im Elfmeterschießen hatte Spanien damals seinen Viertelfinal-Fluch überwunden. Casillas war nach seinen zwei gehaltenen Elfern gegen Di Natale und Daniele De Rossi der gefeierte Held.

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Für die Spanier ist das vier Jahre später nicht mehr als eine schöne Erinnerung. „Das sind jetzt völlig andere Voraussetzungen“, sagte del Bosque. Der Weltmeister-Coach rechnet damit, dass sein Kollege Cesare Prandelli erneut auf sein bewährtes 3-5-2-System vertraut. „Italien wird wohl mit der gleichen Mannschaft wie gegen Deutschland spielen“, vermutete der 61-Jährige.

Das jüngste 1:1 von Danzig dient den Spaniern als Lehrstunde. „Es ist immer gut, möglichst viel vom Gegner zu wissen“, betonte Ramos. „Wir können aus dem ersten Spiel lernen, wir können aus unseren eigenen Fehlern und dem Verhalten des Kontrahenten lernen.“ Der Manndecker vom Meister Madrid wies darauf hin, dass Italien seinen Stil im Turnierverlauf mehrfach geändert habe. „Wir müssen abwarten, wie sie jetzt spielen“, meinte Ramos. „Aber das Wichtigste ist, dass wir unserer eigenen Philosophie treubleiben.“

Im Vorfeld des Finales kochte auch das Thema „Schiebung“ wieder auf. Del Bosque gab zum x-ten Mal ein klares Bekenntnis zu ehrlichem und fairem Fußball ab. „Wir werden es nie bereuen, dass wir gegen Kroatien nicht unentschieden gespielt haben, um Italien auszuschalten. Das wäre für diesen Sport nicht gut gewesen“, sagte der Coach im Interview mit spanischen Radiosendern.

Spanien hatte in seinem letzten Gruppenspiel Kroatien 1:0 besiegt. Beide Teams wären bei einem 2:2 oder höherem Remis zulasten von Italien ins Viertelfinale eingezogen. Del Bosque, Kroaten-Coach Slaven Bilic und viele Spieler hatten sich vehement gegen Vorwürfe einer möglichen Absprache gewehrt. Italienische Medien hatten derartige Spekulationen verbreitet.

dpa

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