Bundesliga zeigt sich kreativ

Eisfass & Co.: Seltsame Innovationen

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Franck Ribéry im Eisfass - das Foto entstand allerdings nicht beim FC Bayern, sondern bei der französischen Nationalmannschaft

München - Die Suche nach Innovationen im Fußball kennt kaum Grenzen. Die Vereine investieren Millionen in Technik oder Hilfsmittel für die Förderung und Betreuung des hoch bezahlten Personals: eine Auswahl.

Footbonaut, Minimaxx oder Bemer Matte: Wie schon beim legendären Physiotherapeuten Dieter Trzolek muss heutzutage zweimal hingehört werden, wenn es in der Fußball-Bundesliga wieder mal etwas Neues gibt. Trzolek setzte beispielsweise Blutegel zur Behandlung von Hämatomen bei den Stars von Bayer Leverkusen ein - nun macht zum Teil sündhaft teure Technik in allen Bereichen die Sportler gesund oder besser.

Die US-Raumfahrtbehörde NASA schoss wohl nicht wenigen Fans durch den Kopf, als Supercup-Sieger Borussia Dortmund 2012 den Footbonaut auf seinem Trainingsgelände bauen ließ. Handlungsschnelligkeit, Reaktionsvermögen und Ballverarbeitung soll das futuristisch anmutende Fußball-Viereck vermitteln. Talente sollen gefördert, Rekonvaleszenten schnell zurück in den Alltag geführt werden. „Wir haben auf Jahre hinaus extreme Effekte für die Spieler“, sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp.

Das Gerät eines Berliner Tüftlers ist schon extrem. 14 x 14 Meter misst der Käfig, die vier Wände sind in 72 Quadrate (1,4 x 1,4 Meter) unterteilt, acht Auswurfmaschinen können die Bälle auf bis zu 120 Stundenkilometer beschleunigen. Der Spieler steht in der Mitte, bekommt auf ein akustisches Signal einen Ball und muss diesen dann in Windeseile in das eine erleuchtete Quadrat an der Wand schießen. Da kamen auch Marco Reus und Kumpel Mario Götze schnell ins Schwitzen.

Die Entwicklungskosten von 3,8 Millionen Euro dürften sich für den Tüftler amortisieren. Denn auch 1899 Hoffenheim lässt den geschätzt eine Million Euro teuren Footbonauten nun bauen. „Wir haben uns entschieden, unsere Spieler künftig noch besser zu schulen“, sagte Hoffenheims Manager Alexander Rosen.

Hannover 96 nutzt seit etwa zwei Jahren GPS, um im Training oder in Testspielen Daten zu ermitteln. Minimaxx heißt das System eines auf Sport spezialisierten australischen Konzerns. Die Spieler ziehen Westen mit Sendern an, die über GPS dann entsprechende Daten liefern. Laufwege oder Ballkontakte werden registriert. Rückschlüsse auf die Taktik oder das Stellungsspiel können so gezogen werden.

Neu ist das nicht, im US-Sport oder Rugby ist das seit Jahren gängige Analysetechnik. Bayer Leverkusen, ohnehin Vorreiter in der Anwendung modernster Analysetechnik in Training und Wettkampf, verwendet das GPS-gesteuerte System auch.

Schalke 04 setzt auf die Kraft von Magnetfeldern, die auf den „Bemer Matten“ (bis zu 2500 Euro pro Matte) erzeugt werden. „Das sind Matten, die die Durchblutung fördern und so zur schnelleren Regeneration beitragen“, erklärte Coach Jens Keller. Bei Borussia Mönchengladbach werden zur Erholung Kühlwesten angelegt.

Regeneration steht auch bei Bayern Münchens Sportvorstand Matthias Sammer ganz oben, kein Wunder bei bis zu 60 Spielen in einer Saison. „Alles, was regenerative Maßnahmen unterstützt, halte ich für richtig und wichtig. Man muss verschiedene Dinge auch ausprobieren“, sagte er. Durchgesetzt hat sich in München zum Beispiel das Eiswasser-Fass zur Entmüdung, wie auch in Nürnberg. Das wirkt im Vergleich zum Footbonauten wie ein Relikt aus alten Zeiten.

Ribéry unter Volldampf: Schräge Fotos

Ribéry unter Volldampf: Schräge Fotos

Es hätte auch von Trzolek sein können, der sein Wissen unter anderem aus der asiatischen Medizin und dem Original-Kräuterbuch „Der Drogist“ von 1895 zusammenführte. Wie Silberwasser gegen Halsschmerzen, Weißkohlsuppe und Kirschsaft gegen Entzündungen oder Backpulver gegen Fußpilz.

dpa

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