Eintracht Frankfurt: "Frisch, frech, sexy"

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In Frankfurt herrscht derzeit große Euphorie rund um die Eintracht.

Frankfurt - Fußball 2000 spielte Eintracht Frankfurt schon in den 90er-Jahren. Nach langer Zeit begeistert der Bundesligist mit seiner jungen Mannschaft mal wieder. Trainer Veh will die Euphorie in der Stadt nicht bremsen.

Wenn Peter Fischer in seinem Porsche dieser Tage an einer roten Ampel steht, dann staunt der Präsident von Eintracht Frankfurt immer wieder. „Die Leute hupen und rufen: geiler Fußball!“, erzählt der 56 Jahre alte und 2,01 Meter große Lebemann. Er werde sogar von älteren Damen auf seine Bundesliga-Kicker angesprochen, erzählt Fischer und lobt die elektrisierenden Auftritte des Tabellenzweiten: „Frisch, frech, sexy, offensiv“.

Nach dem besten Saisonstart der Vereinsgeschichte gilt die Mannschaft als attraktivste in Frankfurt seit Andreas Möller, Uwe Bein, Anthony Yeboah und Co. 1992 nach einer Runde voller Trommelwirbel am letzten Spieltag in Rostock die Meisterschaft verpassten und danach zweimal ins Viertelfinale des UEFA-Cups vorstießen. „Es gab hier schon den Fußball 2000“, erinnert sich Fischer und lässt den nächsten Satz unvollendet: „Aber wenn man weiß, wie hart der Wettbewerb heute ist...“

Die Fans rennen der Eintracht die Bude ein, die Begeisterung für den spielfreudigen Aufsteiger ist trotz der jüngsten 0:2-Niederlage in Mönchengladbach ungebrochen. „Wieso soll ich die Euphorie bremsen? Dazu habe ich keine Lust“, sagt Trainer Armin Veh.

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Selbst gegen die Abstiegskandidaten Fürth (2. November) und Augsburg (17. November) werden mindestens 45 000 Zuschauer erwartet. In den ersten vier Heimspielen war die Commerzbank-Arena zwar nur zweimal mit 51 500 Zuschauern ausverkauft, doch im Prinzip gab es keine Karten mehr für Heim-Fans: Gegen Leverkusen hatte der DFB einen Teilausschluss des Publikums gegen den einst von Eintracht-Anhängern selbst ernannten „deutschen Randale-Meister“ verhängt, gegen Freiburg schöpften die Gäste ihr Kontingent nicht aus.

Die 26 000 Dauerkarten waren schon lange vor Saisonbeginn vergriffen. „Es ist viel Sehnsucht in der Stadt und in der Region“, sagt Fischer nach dem Tal der Depressionen mit dem Abstieg 2011. „Es macht unheimlich Spaß, der Mannschaft zuzuschauen. Man gewinnt auch nicht mehr nur mit drei Elfmetern und vier Abseitstoren.“

Am Samstag gegen Hannover 96 erwarten die Hessen erneut um die 50 000 Fans - die Eintracht ist wieder in. Die Aufbruchstimmung hat nicht nur die Stadt ergriffen. „Der Saisonstart war grandios. Das finden alle schön, denn die Eintracht ist unser Flaggschiff“, sagt Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und spricht das aus, wovon viele Fans träumen: „Wenn es am Ende für einen der internationalen Ränge reichen würde, dann wäre das großartig.“

Auch im Fanshop im Stadion klingeln die Kassen: Einen Tages-Rekordumsatz von 50 000 Euro vermeldete die Eintracht nach dem Freiburg-Spiel. Aufgrund der großen Nachfrage im Onlineshop, so teilte der Club mit, könne es zu kurzen Lieferverzögerungen kommen. Am begehrtesten sind die Spielertrikots von Sebastian Rode, Alexander Meier, Takashi Inui und Kapitän Pirmin Schwegler - neben Sebastian Jung und Torwart Kevin Trapp die Protagonisten des Aufschwungs.

Bei Facebook hat die Eintracht-Seite die Marke von 200 000 Fans geknackt - als einer von nur 7 der 18 Erstligisten bzw. 9 von 36 Proficlubs. Auf allen Social-Media-Kanälen verbuchen die Frankfurter seit Rundenbeginn ein Wachstum von 20 Prozent. Dennoch ist die Eintracht-Euphorie nicht überall in der Bankenmetropole angekommen: „Es sind immer noch ein paar Logen im Stadion frei“, meint Fischer.

dpa

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