"Es war einfach, von van Gaal zu übernehmen"

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Jupp Heynckes zeigt für seine Spieler die Richtung an: Er will mit dem FC Bayern nach oben.

München - Seine zwei erfolgreichen Jahre mit Bayer Leverkusen haben Jupp Heynckes zurück auf den Trainerposten bei Bayern München geführt. Der Coach lobt seinen Vorgänger Louis van Gaal.

Es ließ sich nicht vermeiden, dass der bisherige Verein von Jupp Heynckes irgendwann auf den derzeitigen trifft. Jupp Heynckes, in den vergangenen beiden Jahren Trainer von Bayer Leverkusen, für die kommenden zwei Jahre an Bayern München gebunden, wird deshalb am Samstagnachmittag noch etwas mehr in den Mittelpunkt rücken als ohnehin. Er kennt diese Situation bereits - aus anderer Perspektive: Am 17. April, als er dem FC Bayern schon versprochen war, unterlag er mit Leverkusen in München, 1:5, eine Demütigung.

Wer anschließend vielleicht Zweifel an der Rückkehr von Heynckes zum FC Bayern gehegt haben mag, wer diese auch nach dem 0:1 zum Saisonauftakt gegen des Trainers alte Liebe Borussia Mönchengladbach hatte, sieht sich längst von der Gegenwart überrollt. Den Bundesligarekord von 24 Spielen ohne Niederlage ab Saisonbeginn, aufgestellt vor zwei Jahren mit Bayer, wird Heynckes mit dem FC Bayern in dieser Spielzeit nicht erreichen, aber: von den vergangenen acht Pflichtspielen haben die Münchner acht gewonnen, und das ohne Gegentor.

Selbstständlich ist das Spiel am Samstag etwas Besonderes für Heynckes. Es sei ja wohl klar, sagte er, dass die zwei Jahre dort „nicht nach drei Monaten schon vergessen sind“, es sei „ein harmonisches und respektvolles Arbeiten“ in Leverkusen gewesen, „und wir hatten Erfolg“. In der vergangenen Saison belegte Bayer wieder mal Rang zwei, diesmal vor den Bayern. Nun hat Robin Dutt so das eine oder andere Problem in Leverkusen, und Heynckes, 66 Jahre alt, gilt nach der Junge-Konzepttrainer-Begeisterung der vergangenen Saison als Prototyp.

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„Ich freue mich auf das Wiedersehen, aber für 90 Minuten legen wir das beiseite“, sagte Heynckes am Freitag und prophezeite seiner Mannschaft „ein sehr schweres Spiel.“ Wie viel Heynckes denn noch in Leverkusen stecke, wollte dann einer wissen, und Heynckes antwortete diplomatisch. „Jeder Trainer hat eine Idee, wie er Fußball spielen lassen will, und ich denke, es ist einfach, eine Mannschaft zu übernehmen, die ich trainiert habe. So wie es für mich hier einfach war, die Mannschaft von van Gaal zu übernehmen.“

Es mag nur eine Momentaufnahme sein, doch in München sind mal wieder alle begeistert vom Trainer. Der Präsident, Uli Hoeneß, ist es sowieso - Heynckes ist sein Kumpel. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge, Sportdirektor Christian Nerlinger - beide genießen die Ruhe und Unaufgeregtheit, die den FC Bayern momentan umgeben. Es wird gewonnen, effizient, teilweise spektakulär - vor allem aber steht die Null. Und längst wird darüber nachgedacht, von beiden Seiten, ob denn aus den zwei Jahren nicht mehr werden sollen.

Franck Ribery dürfte das gefallen. Der Wechsel von Louis van Gaal auf Jupp Heynckes hat ihm besonders gut getan. „Ich bin sehr glücklich, dass er wieder gekommen ist, wir haben ein tolles Verhältnis“, betont der Franzose, der den Trainer schon am Saisonende 2008/2009 erlebt hat. „In unserer heutigen Zeit“, entgegnet Heynckes, „ist es unabdingbar, dass sie den Spielern den nötigen Respekt entgegenbringen“, er sagt aber auch: „Das darf keine Einbahnstraße sein.“ Im Moment wird die Straße in beide Richtungen befahren - unfallfrei.

Neben Ribery hat Heynckes auch Toni Kroos, den er einst in Leverkusen zum Nationalspieler machte, und Holger Badstuber wieder zu deutlich verbesserter Form und Laune verholfen. Und irgendwie gelingt es dem Trainer auch, den 18 Nationalspielern und anderen Hochkarätern im Kader das Gefühl zu geben, sie würden gebraucht: Lediglich Danijel Pranjic und Torhüter Jörg Butt sowie der verletzte und jetzt der schweren Brandstiftung verdächtigte Breno haben in dieser Saison noch nicht mitspielen dürfen oder können.

„Der Trainer hat von Anfang an klar gesagt, worauf er Wert legt“, sagt Ribery, der Wiedergeborene. Und das ist? „Disziplin in der Defensive.“ Und sogar Ribery hat diese Vorgabe verinnerlicht, hinzu kommt, dass er mit Philipp Lahm, unter Heynckes endlich zurückgekehrt auf die linke Abwehrseite, wieder ein Weltklasse-Pärchen bildet. „Jeder arbeitet für den anderen mit“, berichtet Ribery, „dazu haben wir eine tolle Stimmung in der Mannschaft und lachen sehr viel miteinander. Das ist unsere Stärke.“

Heynckes sagt, er habe lediglich versucht, „unser Konzept einzubringen“. Anders ausgedrückt: „Die Balance zwischen Defensive und Offensive hat nicht gestimmt.“ Und er sagt, dass es „wahnsinnig viel Arbeit“ gewesen sei, das in kurzer Zeit zu ändern. Ansonsten habe er „in Leverkusen nicht anders gearbeitet als hier beim FC Bayern“, sagt Heynckes, selbst der Umgang mit den Spielern unterscheide sich kaum: „Sie sind selbstbewusst, aber nicht überheblich und arrogant. Das macht es so angenehm.“

Die brisanteste sportliche Frage lautet deshalb: Wo soll eigentlich Arjen Robben spielen, jetzt, da er wieder in den Kader zurückkehrt? Aber auch darauf wird Heynckes eine Antwort finden.

SID

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