Effe will auch als Trainer "ganz nach oben"

+
Stefan Effenberg plant eine große Trainerkarriere.

Köln - Der Tiger brüllt wieder - Stefan Effenberg hat als Spieler fast alles gewonnen, nun soll eine große Trainerkarriere folgen. Dafür muss er aber erst seine Ausbildung beenden.

Auf der Stauseekampfbahn des TuS Haltern durfte Stefan Effenberg schon mal von seiner glorreichen Karriere als Fußball-Trainer träumen. Vor 600 Zuschauern tigerte er die Seitenlinie entlang, gab lautstark seine Anweisungen und war voll in seinem Element. Beim 0:0 im Testspiel gegen den Landesligisten coachte „Cheffe Effe“ die Auswahl des aktuellen Fußball-Lehrer-Lehrgangs. Der 42 Jahre alte Trainer-Lehrling lässt allerdings keine Zweifel aufkommen, dass seine Mannschaften demnächst nicht mehr in Kleinstädten im nördlichen Ruhrgebiet spielen sollen.

„Ich will ganz nach oben“, sagte Effenberg im Interview mit dfb. de, „erste Liga, ob in Deutschland oder woanders. Ich hätte keine Probleme, ins Ausland zu gehen, nach England oder wohin auch immer.“

Effenberg ist neben den ehemaligen Nationalspielern Mehmet Scholl, Christian Wörns, Jörg Böhme und Jörg Heinrich einer der 24 Teilnehmer des 58. Fußball-Lehrer-Lehrgangs. Im Anschluss an die erste praktische Übungseinheit gab es gleich Lob von den Kollegen. „Er hat eine gute Ansprache gehalten und uns super eingestellt. Wir haben 0:0 gespielt, das ist ein gutes Ergebnis für uns“, sagte Wörns. Nach der Ausbildung an der Hennes-Weisweiler-Akademie will der frühere Champions-League-Sieger ins Trainergeschäft einsteigen.

Bundesligatrainer und ihr Weg zur ersten Chefstelle

Bundesligatrainer und ihr Weg zur ersten Chefstelle

Sein Ex-Trainer Ottmar Hitzfeld hatte ihn bereits im Jahr 2001 zu diesem Schritt geraten. „Er hat mich als Spieler erlebt, hat gesehen, dass ich bereits damals sehr strategisch und analytisch gedacht habe. Deswegen hat er mir schon damals empfohlen, den Trainerschein zu machen“, sagte Effenberg, der auf einen Erfahrungsschaftz von beinahe zwei Jahrzehnten Profifußball zurückgreifen kann.

Während seiner aktiven Karriere stand Effenberg auf und neben dem Spielfeld stets im Fokus der Öffentlichkeit. In Mönchengladbach wegen seiner aggressiven Spielweise einst als Tiger verehrt, zeigte Effe bei der WM 1994 in den USA unzufriedenen deutschen Fans den erhobenen Mittelfinger und sorgte damit für einen Skandal. Nach seinem Ausschluss aus der Nationalelf, der gebürtige Hamburger trug 35-mal das deutsche Trikot, wechselte er zurück nach Gladbach und führte die Borussia 1995 zum deutschen Pokalsieg.

2001 gewann Leitfigur Effenberg mit Bayern München die Champions League und den Weltpokal, anschließend wurde der Mittelfeldstratege von der UEFA zum besten Spieler der Königsklasse gewählt. In seinen Memorien „Ich hab's allen gezeigt“ rechnete Effenberg später mit seiner Zeit als Profifußballer ab. Sein Abschiedsspiel fand am 22. Juli 2005 im Borussia-Park in Mönchengladbach statt. Ausgerechnet dort scheiterte Effenberg erst Ende Mai bei dem Versuch, bei seinem Ex-Klub Borussia Mönchengladbach das Amt des Sportdirektors zu übernehmen.

Champions League, Weltpokal, zweimal den DFB-Pokal und drei deutsche Meisterschaften: Effenberg hat als Spieler fast alles gewonnen. Dabei hat sich das ehemalige „Enfant Terrible“ des deutschen Fußballs von seinen damaligen Lehrmeistern offenbar einiges abgeschaut: „Claudio Ranieri war in taktischer Hinsicht ein guter Lehrmeister, Ottmar Hitzfeld war herausragend in der Menschenführung, im persönlichen Umgang mit den Spielern. Heynckes hat großen Wert auf die Grundlagenschulung gelegt, technisch und taktisch, das war in der frühen Phase meiner Karriere Gold wert.“

Nach erfolgreich bestandener Prüfung im März 2012 will sich der Tiger natürlich seinen ersten Trainerjob krallen: „Ich will in diesen Beruf, sonst würde ich diese lange Ausbildung nicht mitmachen. Ich bin hier, um Trainer zu werden - und nicht, um eine weitere Lebenserfahrung zu sammeln oder meinen Horizont zu erweitern.“

Kommentare