Dynamo-Oma ist sauer auf Chaoten und DFB

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Dynamo Edel-Fan Ingrid Beier schimpft auf die Chaoten und den DFB.

Dresden - Als am vergangenen Wochenende erstmals seit Monaten wieder Pyrotechnik im Dresdner Fanblock brannte, schlug Ingrid Beier die Hände über dem Kopf zusammen.

“Das hat mit Fußball nichts mehr zu tun. Zuletzt war es doch so himmlisch ruhig bei uns im Stadion“, schimpfte die 81-Jährige. Ingrid Beier ist in Dresden als “Dynamo-Oma“ stadtbekannt. Sie packt Proviantbeutel für die Mannschaft, ist bei jeder Pressekonferenz und jedem Training und hat die privaten Handynummern der Spieler.

Was da allerdings momentan mit ihrem Klub passiert, macht Ingrid Beier wütend. “Die Chaoten kommen nur, um ihren Frust im Stadion rauszulassen. Das sind keine Dynamo-Fans“, sagt die frühere Straßenbahnfahrerin zu den jüngsten Ausschreitungen, besonders beim Pokalspiel in Dortmund. Aber sie lässt auch den Verein nicht aus der Verantwortung. “Man hätte sich nicht auf eine Diskussion über die Legalisierung von Pyrotechnik einlassen dürfen“, sagt die kleine Dame mit dem weißen Haar, der es weder an Energie noch an pointierten Antworten fehlt. “Ich bin für ein Vermummungsverbot. Da muss eingegriffen werden, sonst wird es keine Besserung geben.“

Sie hat sich das komplette Ablauf-Protokoll des skandalösen Pokalspiels in Dortmund vom Verein kopieren lassen. Dass der DFB Dynamo mit dem Pokal-Ausschluss 2012/13 derart hart bestraft und Dortmund kaum eine Mitschuld gibt, kann sie nicht verstehen.

Als der Rasen verlegt wurde, war sie nachts noch da

Ingrid Beier nippt am Kaffee in ihrem Lieblings-Eiscafé in der Dresdner Altmarkt-Galerie. Ein Kellner kommt vorbei und grüßt: “Hallo Oma, wie geht's?“ Nebenan beim Italiener essen die Dynamo-Spieler oft, da ist die Oma natürlich dabei. “Sie kommen kurz nach zwei, und wir machen einen kleinen Schnack“, sagt sie.

Spätestens seit in Dresden das alte Harbig-Stadion zur neuen Arena umgebaut wurde, ist Ingrid Beier eine Institution an der Lennestraße. “Ich war jeden Tag auf der Baustelle, von morgens bis abends. Als der neue Rasen verlegt wurde, hab ich bis nachts halb eins zugeschaut. Irgendwann hat mich der Stadionmanager zu sich reingeholt“, erinnert sich die Uroma.

Als Straßenbahnfahrerin ging es früher am Stadion vorbei, später als Kantinenleiterin war Dynamo immer Gesprächsthema. Seit 1954 geht sie zu den Spielen. Als die neue Arena fertig war, war Ingrid Beier eine öffentliche Figur. “Immer mehr Fernsehteams haben mich interviewt. Einer von den Reportern hat mich 'Dynamo-Oma' getauft.“ Seitdem ist die rüstige Rentnerin in der weißen Jacke nicht mehr wegzudenken beim Traditionsklub. Für sie wird extra das Stadion aufgeschlossen, damit sie im VIP-Raum die Auswärtsspiele am TV verfolgen kann. “Ich möchte nicht wissen, in wie vielen Fotoalben ich rumschwirre, jeder will ein Bild mit mir“, sagt sie und grinst. Ingrid Beier schwatzt gern und muss zudem immer die Umgebung und das Handy im Blick haben. Sie könnte sonst etwas verpassen bei Dynamo.

Die Spieler begrüßen sie mit “Guten Morgen Oma“

Vor jedem Auswärtsspiel steht sie am Bus, hat zwei Kuchen vom Bäcker besorgt für die Fahrt. Manchmal steht sie selbst am Ofen. Auch am Trainingsplatz fehlt sie selten, die Spieler begrüßen sie mit “Guten Morgen Oma“. Einen Liebling hat sie auch: “Gerrit Müller ist mir besonders ans Herz gewachsen.“ Der Offensivspieler kuriert einen Kreuzbandriss aus, Oma telefoniert ab und zu mit ihm.

Herzlich nahm Trainer Ralf Loose die kleine Lady nach dem 2:1-Sieg gegen Cottbus jüngst in die Arme und wünschte ihr ein schönes Weihnachtsfest. Die Dynamo-Oma dachte da schon wieder an ihren Klub. “Ich wollte so gerne zum Spiel nach Rostock fahren, um die Jungs zu verabschieden in die Winterpause. So ein Mist, dass da keiner hin darf“, sagt sie und nippt am mittlerweile kalten Kaffee. Das “Geisterspiel“ in Rostock am Sonntag erinnert sie daran, was dem eigenen Verein noch blühen könnte.

dapd

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