Nächste Instanz

Pokal-Auschluss: Dynamo legt Berufung ein

Dresden - Zweitligist Dynamo Dresden geht gegen den Ausschluss aus dem DFB-Pokal in Berufung. Diese Entscheidung gaben die Sachsen am Montag bekannt.

Zweitligist SG Dynamo Dresden nimmt den Ausschluss aus dem DFB-Pokal nicht kampflos hin und wird wie in der vergangenen Saison Berufung gegen die historische Strafe einlegen. Ob es zu einer neuen Verhandlung kommen wird, ist aber noch nicht entschieden. „Hintergrund ist, dass die notwendige Meinungsbildung über die in der nächsten Instanz zu erwartenden Chancen und Risiken innerhalb der Sportgemeinschaft noch nicht abgeschlossen ist“, hieß es in einer Mitteilung des Fußball-Zweitligisten: „Zudem liegt dem Verein bisher keine schriftliche Urteilsbegründung vor, auf deren Basis diese Entscheidung zu treffen wäre.“

Durch Einlegung der fristwahrenden Berufung gewinne „Dynamo demnach mehr Zeit, um die genaue Begründung des Urteils, die Aussichten eines Berufungsverfahrens sowie die juristischen und wirtschaftlichen Risiken dezidiert zu prüfen“, hieß es weiter. Nach Zugang der schriftlichen Urteilsbegründung hat der achtmalige DDR-Meister zwei Wochen Zeit, um eine Berufung vor dem Bundesgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) schriftlich zu begründen. Dies werde aber nur Geschehen, wenn „Aufwand und Nutzen eines weiteren Verfahrens für den Verein in einem vertretbaren Verhältnis stehen.“ Die Entscheidung werde sorgfältig diskutiert.

Am vergangenen Montag hatte das DFB-Sportgericht die Sachsen wegen „fortgesetzten unsportlichen Verhaltens“ seiner Fans für den kommenden Pokalwettbewerb gesperrt.

Vor dem Spiel der zweiten Pokalrunde bei Hannover 96 am 31. Oktober 2012 (3:4 i.E.) hatten Dresdner Fans die Eingänge der WM-Arena gestürmt. Zudem wurde in beiden Fanblöcken Pyrotechnik gezündet. Drei Anhänger wurden festgenommen, außerdem kamen 18 Personen vorübergehend in polizeilichen Gewahrsam. Insgesamt gab es neun Verletzte. Hannover 96 musste eine Geldstrafe von 70.000 Euro zahlen. Seit 2002 gab es insgesamt mehr als 20 Urteile gegen die Dresdner. Darunter kam es auch mehrmals zu Teilausschlüssen von Fans.

Bereits in der vergangenen Saison hatten die Dresdner im Oktober 2011 nach Ausschreitungen beim Pokalspiel in Dortmund erst in der Berufung vor dem DFB-Bundesgericht die bislang einmalige Strafe abwenden können. Damals hatte das Bundesgericht das Urteil in ein Geisterspiel, einen Teilauschluss sowie eine 100.000-Euro-Strafe abgemildert. Gleichzeitig hatte der Vorsitzende des Bundesgerichts, Goetz Eilers, das Urteil als „letzte Warnung“ bezeichnet.

Bei einem Ausschluss aus dem Pokalwettbewerb drohen massive Einnahmeverluste. Auch vor diesem Hintergrund hatte Dynamo-Präsident Andreas Ritter vor der Berufungsverhandlung im vergangenen Jahr erklärt, eventuell sogar vor einem Zivilgericht klagen zu wollen. Dabei dürfte der wirtschaftliche Schaden selbst bei einem erneuten Erfolg in zweiter Instanz mehr als beträchtlich sein. Bei jedem Heimspiel ohne Zuschauer drohen den Sachsen Einnahmeverluste von mehreren Hunderttausend Euro.

Besonders vor dem Hintergrund der enormen Anstrengungen in der Fanbetreuung sind die negativen Schlagzeilen für die Dresdner bitter. Selbst der Sportgerichtsvorsitzende Hans E. Lorenz hatte dem Verein bescheinigt, alles zu tun, was er könne. „Das Sportgericht bestraft uns trotzdem, und zwar noch härter als beim letzten Mal, obwohl wir da auch schon nichts falsch gemacht haben“, hatte Dresdens Geschäftsführer Christian Müller nach dem Urteil erklärt.

Auch DFB-Vizepräsident Rainer Milkoreit, Präsident des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV), hatte gefordert, dass die Entwicklung weg von Kollektivstrafen gehen und einzelne kriminelle Gruppen oder Täter bestraft werden müssten.

sid/dpa

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