Dutt stellt sich vor Michael Ballack

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Robin Dutt stellte sich öffentlich vor Michael Ballack.

Leverkusen - Robin Dutt hat Michael Ballack in Schutz genommen. Dieser trage nicht die Alleinschuld am peinlichen Pokal-Aus gegen Dresden. Das gesamte Team hätte noch Probleme im mentalen Bereich.

Von Straftraining wollte Robin Dutt nichts wissen. „Es gibt schlimmere Berufe, als sich morgens in der Sonne mit Fußball zu beschäftigen“, sagte der neue Chefcoach von Vizemeister Bayer Leverkusen nach der Trainingseinheit am Montag. Rund 40 Stunden zuvor hatte die hochgelobte Werkself im Pokal bei Zweitligist Dynamo Dresden in der letzten halben Stunde einen 3:0-Vorsprung verspielt und nach Verlängerung 3:4 verloren.

Allerdings trainierten nur sieben Spieler auf dem Platz. Kapitän Simon Rolfes, Michael Ballack, Stefan Kießling und Manuel Friedrich machten Sprinttraining und arbeiteten an ihrer Spritzigkeit, Ömer Toprak, Michal Kadlec und Lars Bender mussten ans Kopfballpendel - offenbar hatte Dutt auch hier Defizite entdeckt.

Nach der desolaten Vorstellung beim sächsischen Traditionsklub in der letzten halbe Stunde standen Training für die gesamte Truppe - Dutt: „Im Kraftraum oder auf dem Platz“ - und verbaler Gedankenaustausch auf dem Programm: „Nach dem Dresden-Spiel müssen wir natürlich Gespräche führen.“

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Die Gründe seien wohl „im mentalen Bereich zu suchen“, so der Trainer. Und erste Ansätze hatte der ehemalige Freiburger Coach, der Jupp Heynckes (jetzt Bayern München) unterm Bayer-Kreuz beerbt hat, bereits gefunden: „Wir müssen Rituale finden, dass die Mannschaft akzeptiert, dass kein Fußballspiel über 90 Minuten in der Perfektion gespielt werden kann wie die ersten 60 Minuten in Dresden.“ Schlechtere Phasen müsse man mit „technischen und taktischen Mitteln“ überbrücken. Das war in Dresden nicht geglückt.

Dutt wehrte sich aber vehement dagegen, einzelne Spieler, allen voran Ex-Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack, für die Niederlage verantwortlich zu machen. „Die Mannschaft muss sich ab der 60 Minute kritisieren lassen. Er war ein Teil davon, aber nicht alleinverantwortlich“, sagte der Bayer-Coach und bezeichnete die Kritik am 34-Jährigen als „nicht fair“.

Allerdings ist Ballack auch weit davon entfernt, Anspruch auf eine Stammplatzgarantie erheben zu können. In Leverkusen wird rotiert. „Angesichts der Qualität im zentralen Mittelfeld behalte ich mir vor, die Spieler je nach Ausrichtung und Gegner aufzustellen“, sagte Dutt: „Es wird jede Woche drei unglückliche und drei glückliche Gesichter geben.“

Ballack und Kießling waren am Samstag in Dresden in der 63. Minute eingewechselt worden. Anschließend nahm das Unheil seinen Lauf, der Zweitliga-Aufsteiger glich aus und erzwang in der Verlängerung die Entscheidung zum Überraschungssieg. Auch Torwart David Yelldell zeigte bei seiner Pflichtspielpremiere für Bayer keine überzeugende Leistung.

„Yelldell als Sündenbock darzustellen, ist falsch. Selbst wenn man ihm ein Gegentor ankreiden könnte, darf man nach einer 3: 0-Führung einfach nicht verlieren“, meinte Dutt. Allerdings ließ der Bayer-Coach offen, ob er dem Ex-Duisburger auch zum Bundesliga-Auftakt am Sonntag (15.30 Uhr/Sky und Liga total!) beim FSV Mainz 05 wiederum den Vorzug gegenüber Fabian Giefer geben wird. „Die Konkurrenz zu Giefer bleibt bestehen. Es ist eine sehr knappe Entscheidung“, sagte Dutt. Er frage sich natürlich, ob er etwas ändern solle oder nicht.

sid

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