Zweitligist in Not

MSV-Duisburg-Fans sammeln Pfandflaschen

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Duisburger Spieler bejubeln das 1:0.

Duisburg - Wenn Fans für die Rettung ihres Klubs Pfandflaschen sammeln, muss die Lage dramatisch sein: Die Aktion junger MSV-Anhänger nach dem 1:4 am Sonntag spricht Bände.

Die Aktion junger MSV-Anhänger nach dem Auswärtsspiel beim FC St. Pauli (1:4) am Sonntag veranschaulichte erschreckend deutlich die Finanzmisere des insolvenzbedrohten Zweitligisten aus Duisburg.

Neue Geldquellen werden überall händeringend gesucht, auf eine Entwarnung hofften die MSV-Fans auch am Dienstag vergeblich. „Klar ist, dass wir dringend Geld benötigen. Es gibt aber keinen Tag X, kein festes Datum“, sagte MSV-Pressesprecher Martin Haltermann auf SID-Anfrage am Dienstag. Zu Medienberichten, wonach der Verein zum Ende des Monats sogar die Spielergehälter nicht mehr bezahlen könne, wollte er sich nicht äußern: „Wir werden keine Wasserstandsmeldungen abgeben.“

Kurzfristig sollen 2,3 Millionen Euro, bis zum Saisonende ingesamt fünf bis sechs Millionen Euro in der Klubkasse fehlen, um die laufenden Verbindlichkeiten zu decken. Zahlen wollte der MSV auch am Dienstag nicht nennen, Haltermann bestätigte aber, dass zur Not auch Spielerverkäufe in der Winterpause denkbar seien.

Die Gründe für die akute Schieflage liegen nach dem Misserfolg der vergangenen beiden Spielzeit in den Einbußen im Sponsoring, in den enormen Stadionkosten (4,2 Millionen Euro pro Jahr) sowie den Mindereinnamen aus den Fernsehgeldern nach der anhaltenden sportlichen Talfahrt. Nach nur drei Spieltagen war Oliver Reck als Trainer entlassen worden, bergauf ging es dennoch nicht. Duisburg befindet sich nach 15 Spielen mit zwölf Punkten in der Abstiegszone, das Pokal-Aus in der 2. Runde beim Drittligisten Karlsruher SC schlug zusätzlich ins Kontor.

MSV-Geschäftsführer Roland Kentsch hatte in der Vorwoche bereits Alarm geschlagen: „Stand jetzt sind alle Reserven, die wir hatten, aufgebraucht. Es ist nach wie vor nicht auszuschließen, dass der professionelle Fußball hier keine Zukunft hat.“ Der ehemalige Vorstands- und Aufsichtsratschef Walter Hellmich hatte sein Angebot, als Investor auszuhelfen, wegen Gegenwinds aus dem Umfeld des Klubs jüngst zurückgezogen.

Zu den großen finanziellen Schwierigkeiten gesellt sich bei den Duisburgern vor dem Heimspiel am Mittwoch gegen Union Berlin (17.30 Uhr/Sky) auch noch fortwährendes Verletzungspech. Bei der 1: 4-Niederlage beim FC St. Pauli zog sich der Brasilianer Antonio da Silva einen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel zu und muss mehrere Wochen pausieren, insgesamt fehlen Coach Kosta Runjaic damit zehn Spieler.

Die MSV-Fans weiten indes angesichts der dramatischen Lage ihr Engagement aus. Mit der Aktion unter dem Namen „Retter aus Leidenschaft“ haben die Anhänger für den 14. Dezember eine Party organisiert, deren Eintrittsgelder dem Klub als Spenden zugute kommen sollen. Auch Rettungs-T-Shirts sind bereits in Arbeit. „Wir freuen uns über jeden, der etwas tun will. Jedes Bausteinchen wird uns hoffentlich weiterhelfen“, sagte Haltermann. Offen bleibt aber, ob für den MSV Mitte Dezember nicht vielleicht schon jede Hilfe zu spät kommt.

sid

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