Zwanziger: "Er sollte klug sein"

Druck auf Bayern-Präsident Hoeneß wächst

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Uli Hoeneß gerät immer mehr unter Druck, viele distanzierten sich bereits vom Bayern-Präsidenten.

Berlin - Der Druck auf Bayern-Präsident Uli Hoeneß wächst. Seine Steueraffäre rief auch am Wochenende Reaktionen aus der Politik und Wirtschaft hervor. Im Aufsichtsrat gibt es erste Absetzbewegungen.

Nach dem verhängnisvollsten Eigentor seiner Karriere gerät Bayern-Präsident Uli Hoeneß immer stärker in die Bredouille. Die Steueraffäre Hoeneß blieb weiter in den Schlagzeilen. Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger empfahl seinem langjährigen Widersacher eine freiwillige Auszeit nach dem Champions-League-Finale am 25. Mai in London. Einige Mitglieder des neunköpfigen Bayern-Aufsichtsrats wollen den Vereinspatron nach dpa-Informationen überzeugen, sein Amt zumindest ruhen zu lassen.

Die Wirtschaftsbosse befürchten, die Steueraffäre des angeschlagenen Aufsichtsratschefs könnte bald zu ihrem eigenen Problem werden und wollen auf Drängen von Aktionärsschützern mögliche Imageschäden von ihren Konzernen fernhalten.

"Auf der Steuer-CD findet sich der Name Hoeneß nicht"

Drei Tage vor Bayerns Halbfinal-Rückspiel in der Champions League beim FC Barcelona kam der neue „Focus“-Bericht für Hoeneß zur Unzeit. Der deutsche Fußball-Rekordmeister kommentierte auch die jüngsten Entwicklungen nicht und stärkte seinem Präsidenten weiter demonstrativ den Rücken. Sportvorstand Matthias Sammer betonte am Samstag nach dem 1:0 gegen den SC Freiburg, Hoeneß mache derzeit einen guten Eindruck, trotz aller Angriffe und Spekulationen. „Ich werde immer an seiner Seite sein. Dementsprechend hoffe ich, dass das andere gut geklärt wird. Dazu äußern wir uns nicht. Für mich steht der Mensch im Mittelpunkt. Er wird sich auf mich verlassen können, ganz klar“, so Sammer. Wie bei der 4:0-Hinspiel-Gala gegen Barca soll Hoeneß nach Club-Mitteilung auch beim Rückspiel am Mittwoch im Stadion Camp Nou wieder auf der Tribüne sitzen - und zwar in seinen Funktionen als Aufsichtsratschef und Präsident.

Zwanziger: "Hoeneß sollte klug sein"

„Bis zum Finale oder bis zum Empfang am Tag danach sollte er Bayern-Präsident bleiben. Dann sollte er klug sein“, sagte Zwanziger beim Pay-Sender Sky und sprach von einem „Verhalten, das man auch nicht bagatellisieren darf. Das ist nicht nur ein Fehler, das ist schon eine kriminelle Handlung.“ Der ehemalige Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hofft auf Einsicht bei Hoeneß, dass „dieses Verhalten so nicht entschuldbar ist“.

Die prominenten Mitglieder des Bayern-Kontrollgremiums haben sich in der brisanten Causa bislang dagegen sehr zurückhaltend präsentiert. Keiner scheint als Königsmörder dastehen zu wollen. Nur Audi-Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler äußerte sich öffentlich vorsichtig kritisch. „Audi ist der Überzeugung, dass nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg nur sichergestellt werden kann, wenn Regeln und Normen konsequent befolgt werden. Wir stehen für ein achtbares, ehrliches und regelkonformes Verhalten im Geschäftsalltag“, ließ Stadler nach einem Bericht der „Bild am Sonntag“ über einen Sprecher mitteilen.

Bei der nächsten Sitzung des Kontrollgremiums am Montag sollen der Fall Hoeneß und die weitere Vorgehensweise diskutiert werden - auch wenn Volkswagen-Chef Martin Winterkorn dies in einem Interview des Österreichischen Rundfunks (ORF), bezweifelte: „Ob es im Aufsichtsrat am Montag diskutiert werden wird, weiß ich nicht. Ich gehe mal davon aus, eher nicht“, sagte der VW-Vorstandsvorsitzende und plädierte für Zurückhaltung bei der Behandlung der Affäre: „Ich glaube, wir sollten diese Themen momentan nicht diskutieren.“

Mehrheit der Deutschen von Hoeneß distanziert

VW-Tochter Audi und Adidas sind mit jeweils 9,1 Prozent an der FC Bayern München AG beteiligt. Laut Statut würde bei einem Rückzug von Hoeneß einer seiner beiden Stellvertreter als kommissarischer Aufsichtsratschef nachrücken: Das wären Stadler oder Adidas-Boss Herbert Hainer. Auch Helmut Markwort, Herausgeber des „Focus“, sitzt in dem Gremium.

Die Mehrheit der Deutschen hat sich längst deutlich von Hoeneß distanziert. In einer für „Focus“ erhobenen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid ist „Mister Bayern“ für 62 Prozent der Bundesbürger kein Vorbild mehr. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) forderte eine lückenlose Aufklärung - ohne Vorverurteilung. „Es darf nichts unter den Tisch gekehrt werden, aber wir dürfen auch niemanden vorschnell als Menschen fertigmachen“, sagte der CSU-Chef dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ und ging damit auch auf Distanz zu Kanzlerin Angela Merkel, die sich in einer ersten Reaktion persönlich enttäuscht von Hoeneß gezeigt hatte: „Da hat jeder seine eigene Maxime, und das ist auch richtig so“, meinte Seehofer. „Ich folge der Bibel, wonach jeder den anderen so behandeln sollte, wie er selbst behandelt werden möchte.“

dpa

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