"Dynamo ist Kult"

Dresden feiert 60. Geburtstag mit Abstiegssorgen

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Dynamo feiert sein 60. Vereinsjubiläum.

Dresden - Richtige Partystimmung kommt bei Zweitligist Dynamo Dresden nicht auf. Zum 60. Geburtstag geht bei den Sachsen nach dem 0:0 bei Union Berlin die Abstiegsangst um.

Abstiegssorgen statt Partylaune: Nach ausgelassenem Feiern ist beim Fußball-Zweitligisten Dynamo Dresden trotz des 60. Vereinsjubiläums momentan niemandem zumute. Zu groß ist die Furcht vor dem erneuten Absturz in die Drittklassigkeit. Auch die Diskussionen um die gewaltbereiten Fans und den Ausschluss aus dem DFB-Pokal lassen den Klub nicht los. Selbst die Geburtstagsmatinee im deutschen Hygienemuseum am Sonntag wurde von der aktuellen Situation überschattet. Beim 0:0 im Ostderby am Freitag bei Union Berlin war es erneut zu Ausschreitungen gekommen. 15 Polizeibeamte wurden leicht verletzt, insgesamt 27 Personen wurden vorläufig in Gewahrsam genommen.

DFB-Präsident zeigt Verständnis für Einspruch

„Es darf nicht sein, dass einige wenige Fans den Ruf des Vereins immer wieder in den Dreck ziehen“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach am Sonntag vor 500 geladenen Gästen und betonte: „Wir sind keine Feinde der SG Dynamo Dresden, wir sind Freunde. Der Deutsche Fußball-Bund ist ihnen wohlgesonnen, das kann ich gerne bestätigen.“ Niersbach zeigte auch Verständnis dafür, dass die Sachsen den hartnäckigen Kampf gegen den Ausschluss aus dem Pokalwettbewerb der kommenden Saison weiterführen. „Es ist absolut in Ordnung, es ist absolut ihr gutes Recht“, sagte er, nachdem Dynamo angekündigt hatte, vor das Ständige Schiedsgericht zu ziehen. Dort soll gegen das Urteil des DFB-Bundesgerichts vorgegangen werden, das Anfang März eine Entscheidung des Sportgerichtes zum Ausschluss bestätigt hatte.

„Es gibt leider immer noch einige erlebnissüchtige Gewalttouristen, das ist traurig. Das kann ich, und das dürfen wir gemeinsam, nicht akzeptieren“, betonte Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU): „Es gibt im Verein in Dresden eine ganz klare Distanzierung von der Gewalt, dafür bedanken wir uns.“ Auch Oberbürgermeisterin Helma Orosz lobte den Klub und wehrte sich gegen eine generelle Vorverurteilung der Fans. „Ich bin froh, dass sich Tausende wirkliche Fans auf friedliche Weise gegen diese Leute stellen“, sagte die CDU-Politikerin, die zudem feststellte: „Gewalt, Randale und Rassismus sind weder eine Sache nur des Fußballs allein, noch können sie nur von Fußballvereinen bekämpft werden. Das muss gemeinsam geschehen.“

Sicherheitskonzept: Die beschlossenen Anträge

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Der ehemalige Bundesligist hatte in der Vergangenheit immer wieder große Probleme mit Krawallen vermeintlicher Anhänger. Welche Bedeutung der Klub für die Stadt hat, wurde jedoch bereits am Freitag deutlich. Etwa 1000 Dynamo-Fans hatten die Innenstadt entlang der Elbe mit bengalischen Feuern in ein rotes Licht getaucht, zudem wurden Denkmäler und Häuser mit schwarz-gelben Schals und Fahnen geschmückt. „Dynamo polarisiert die Menschen wie kein anderer Verein in der Region, Dynamo ist Kult!“, sagte Präsident Andreas Ritter.

Sportlich kämpfen die Sachsen weiter gegen den Abstieg, nach vier Punkten aus den letzten beiden Spielen ist die Zuversicht aber zurückgekehrt. „Wir können diesen 60. Geburtstag ruhiger feiern, als nach einer Niederlage. Dieser Punkt war mehr als verdient“, sagte Trainer Peter Pacult nach dem Spiel in Berlin. „Nach dieser Leistung kann man mit großer Zuversicht in das nächste Heimspiel gehen“, betonte der Österreicher. Dynamo Dresden, der mitgliederstärkste Verein in Ostdeutschland, feierte am vergangenen Freitag seinen 60. Geburtstag und lud am Sonntag zu einem festlichen Matinee in die sächsische Landeshauptstadt ein. Zu den Gästen gehörten neben Niersbach und DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig auch viele Klub-Idole wie Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner.

sid

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