Die Lachnummern des DFB-Pokals

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Die Bayer-Spieler gehen genkickt vom Feld

Hamburg - Blamiert und vorgeführt: Bayer Leverkusen, Werder Bremen und der VfL Wolfsburg waren bisher die Lachnummern des Pokal-Wochenendes. Viele andere Bundesligisten gaben sich keine Blöße.

Felix Magath bekam sogar „Angst“, Stefan Kießling wähnte sich im „falschen Film“, Klaus Allofs sprach von einem „Riesenrückschlag“. So reden Fußballer und Klub-Verantwortliche, wenn sie sich bis auf die Knochen blamiert haben. Nichts anderes ist dem VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen und Werder Bremen passiert: Die Bundesligisten waren die Lachnummern des DFB-Pokal-Wochenendes und haben sich bereits in der ersten Runde mit Niederlagen bei unterklassigen Vereinen verabschiedet.

Besonders kurios war Leverkusens Pleite beim Zweitliga-Aufsteiger Dynamo Dresden. Trotz einer 3:0-Führung ging der Vizemeister noch unter. Und ausgerechnet als Michael Ballack nach 63 Minuten für den bis dahin starken Simon Rolfes eingewechselt wurde, kippte das Spiel, und Leverkusen brach völlig auseinander.

Ballack flüchtete im Anschluss an die 3:4-Pleite nach Verlängerung sofort in die Kabine und zeigte allen Dresdner Spielern, die sein Trikot haben wollten, die kalte Schulter. Reden wollte er sowieso nicht. Auch wenn der „Capitano“ sicherlich nicht allein der Schuldige für den unglaublichen Spielverlauf war, agierte der 34-Jährige höchst unglücklich. Seine Pässe waren ungenau, seine Torschüsse blieben ohne Wirkung. Seine Körpersprache war reserviert. Ballack wirkte wie ein Fremdkörper.

„Es macht jetzt keinen Sinn, die Rolle eines einzelnen Spielers zu analysieren“, sagte ein sichtlich angefressener Robin Dutt. Der neue Bayer-Chefcoach kündigte an, in den nächsten Tagen das Spiel in Ruhe zu analysieren und im Anschluss Einzelgespräche zu führen. „Das wird eine harte Woche“, sagte Dutt

So überflüssig die Bayer-Pleite war, so folgerichtig verabschiedete sich Werder aus dem Pokal. Die Bremer präsentierten sich beim Drittligisten 1. FC Heidenheim (1:2) ohne Ideen, ohne geistige und körperliche Frische, ohne Leidenschaft. Werder trat auf wie eine Mannschaft, die gegen den Abstieg aus der Bundesliga spielen wird. Geschäftsführer Klaus Allofs sagte: „Wir haben einigen Schaden angerichtet“.

Dabei waren die Bremer durch Markus Rosenberg in Führung gegangen, vergaben aber einen Handelfmeter (Marko Marin) und fügten sich am Ende in ihr Schicksal. Wäre Torhüter Tim Wiese in den letzten Sekunden nicht im gegnerischen Strafraum gewesen, es hätte an Beweisen gefehlt, dass Werder noch den Ausgleich erzielen wollte. „Nach dem Elfmeter haben wir zu sehr mit der Situation gehadert“, sagte Trainer Thomas Schaaf so ruhig, als habe es die wunderschönen Heidenheimer Tore durch Christian Sauter und Marco Schnatterer gar nicht gegeben.

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Wolfsburgs Trainer Felix Magath wählte drastischere Worte, um die katastrophale Leistung seiner Mannschaft nach der 2:3-Pleite gegen den Viertligisten RB Leipzig zu beschreiben. „Ich habe keine Abwehr gesehen. Der Gegner hatte noch zwei, drei weitere Großchancen“, schimpfte der 58-Jährige. Was der Meister von 2009 eine Woche vor dem Bundesliga-Start bot, war ein Bild des Schreckens.

Am Ende blieb die Erkenntnis: Den Wölfen fehlt ein Spielmacher. Der ausgebootete Diego gehört zwar noch zum Kader, soll aber gehen. „Wir müssen auch ohne Diego so ein Spiel beherrschen“, sagte Magath. Wie Fußballer reden, wenn sie gegen einen unterklassigen Gegner verlieren.

Ansonsten gaben sich die Klubs aus der Bundesliga keine Blöße. Meister Borussia Dortmund gewann locker 3:0 beim Drittligisten SV Sandhausen und steht in der zweiten Runde am 25. und 26. Oktober. Der Hamburger SV konnte trotz des 2:1-Sieges beim Fünftligisten VfB Oldenburg nicht überzeugen.

Schwierigkeiten hatte Bundesliga-Aufsteiger FC Augsburg, der bei Rot-Weiß Oberhausen erst Sekunden vor Ende der Verlängerung noch das entscheidende 2:1 erzielte. Kaum Probleme hatten der 1. FC Nürnberg mit Arminia Bielefeld (5:1) und der 1. FC Kaiserslautern bei Dynamo Berlin (3:0).

Überschattet wurde dieses Spiel von schweren Fan-Ausschreitungen nach dem Abpfiff. Eine Horde Berliner Randalierer stürmte den Gästefanblock und schlug dort wie wild um sich. Einige Fans und 18 Polizisten wurden verletzt, 27 Hooligans vorläufig festgenommen.

sid

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