Dortmund im CL-Finale

"Jeder glücklich": So war's in der BVB-Kabine

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Jürgen Klopp mit den Spielern nach der Partie

Madrid - Trotz einer Niederlage in Madrid steht Borussia Dortmund im Champions-League-Finale. Die Protagonisten schilderten danach die Stimmung in der Kabine.

Schon in der Kabine schlüpften Robert Lewandowski & Co. in die schwarzen T-Shirts mit dem gelben Aufdruck „Wembley calling!! BVB“. 0:2 bei Real Madrid verloren, nach den späten Toren im Halbfinal-Rückspiel noch um das Endspiel am 25. Mai in London gezittert - doch überall waren auf dem Weg zum Mannschaftsbus nur überglückliche Dortmunder Fußball-Profis zu sehen. „Das ist etwas zu groß, um das in einer halben Stunde oder Stunde komplett begriffen zu haben“, versuchte Abwehrchef Mats Hummels die richtigen Worte zu finden und berichtete von einer besonderen Stimmung im Mannschaftskreis.

„Es war einfach gelöst, jeder war glücklich, jeder war irgendwo mit sich im Reinen. Aber es war nicht so, dass wir jetzt komplett ausgetickt sind. Es war einfach eine Mischung aus Erleichterung und Freude“, schilderte Hummels die Lage in der Kabine. Vor 69 429 Zuschauern im Estadio Santiago Bernabéu, darunter 8000 Dortmunder Anhänger, musste der BVB aber einige brenzlige Situationen überstehen, ehe unter den Augen des spanischen Königs Juan Carlos und von Bundestrainer Joachim Löw auf der Ehrentribüne der Final-Einzug besiegelt war. Denn nach den späten Toren von Karim Benzema (83. Minute) und Sergio Ramos (88.) drehte Madrid noch einmal mächtig auf.

Dortmund kämpft sich nach Wembley - Bilder aus Madrid

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„Ich genieße jetzt erstmal den Abend, dass wir im Finale stehen“, betonte der für den verletzten Mario Götze eingewechselte Kevin Großkreutz und versprach ein „bisschen zu feiern“. Das „eine oder andere Bierchen“, so der herausragende Torhüter Roman Weidenfeller, sollte auch drin sein. Trainer Jürgen Klopp mochte „nicht päpstlicher sein als der Papst“. Und er selbst wollte auch „gemütlich ein Bierchen“ im Hotel trinken. „Wir werden das auf jeden Fall feiern. Es wäre krank, die Situation nicht zu genießen“, erklärte Klopp.

Das historische Abend im Bernabéu versetzte auch den Trainer in Euphorie: „Das ist die außergewöhnlichste Leistung, von der ich seit langen, langen Jahren im Sport gehört habe.“ Gleichwohl hätte auch er sich die Zitterpartie in der Nachspielzeit liebend gern erspart: „Aber Borussia Dortmund gibt es nur all inclusive.“ Das spanische Sportblatt „Marca“ titelte am Mittwoch: „Klopp nimmt das Bernabéu ein und verlässt das Stadion im Stil eines Triumphators.“

Mit leuchtenden Augen ließ Sportdirektor Michael Zorc die wundersame Reise des noch 2005 von der Insolvenz bedrohten Clubs Revue passieren: „Man muss die Entwicklung sehen. Erst Meister, dann Meister und Pokalsieger und nun im Champions-League-Finale. Das ist ein Meilenstein“, befand der Champions-League-Triumphator von 1997, „damals sind wir glücklicher ins Endspiel gekommen.“

Müde, aber happy: Die BVB-Helden bei der Ankunft in Dortmund

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Trotz des üppigen 4:1-Polsters aus dem Hinspiel geriet der BVB im infernalisch lauten Bernabéu mächtig ins Wanken. Viel Fortune und die Klasse von Weidenfeller bewahrten die Dortmunder bereits in den ersten 20 Minuten vor einem frühen Rückstand. „Der König hat immer meine Hand gehalten. Er hat mich immer beruhigt, denn wir waren ja massiv unter Druck“, sagte Watzke schon zur Halbzeit. Gerade als der BVB sich anschickte, die Partie nach Hause zu bringen, sorgte Real mit zwei späten Treffer von Karim Benzema (83. Minute) und Sergio Ramos (88.) für das große Zittern.

Das passte ins Bild von einer denkwürdigen Saison auf internationaler Bühne. Schließlich war bei fast allen BVB-Partien höchster Unterhaltungswert garantiert. In den Gruppenspielen bei Manchester City und Real Madrid kassierte der BVB in den Schlussminuten den Ausgleich. Beim unvergessenen 3:2 im Duell mit Malaga ebneten zwei Tore in der Nachspielzeit den Weg ins Halbfinale.

Und auch der Showdown gegen Madrid war nichts für schwache Nerven. Ähnlich legendär wie die Auftritte der Mannschaft blieben auch die Kommentare von BVB-Urgestein Kevin Großkreutz: „Ich glaube, ich kann das morgen erst glauben. Wir haben so eine geile Truppe, so geile Fans, sind so ein geiler Verein. Wir haben es einfach verdient.“ Die überragende Champions-League-Saison hat dem Club bereits jetzt Einnahmen von mehr als 60 Millionen Euro gebracht.

Tausende BVB-Fans haben die Dortmunder Innenstadt mit dem Schlusspfiff im Madrider Bernabeu-Stadion in ein Tollhaus verwandelt. Raketen stiegen über dem zentralen Marktplatz in die Luft, Bengalos tauchten den Platz in gleißendes Rot. Die Freude über den Einzug von Borussia Dortmund in das Finale der Champions League kannte trotz der 0:2-Niederlage im Rückspiel bei Real Madrid am Dienstagabend keine Grenzen.

Mehrere tausend schwarz-gelbe Anhänger hatten auf Großfernsehern vor den Kneipen das Halbfinale in Madrid verfolgt. Das gesamte Spiel über erschallten Fangesänge: „Finale oho, Finale ohohoho“. Kurzzeitig verschluckte sich die Menge aber bei den Gegentoren fast an den eigenen Gesängen. Nach minutenlangem Zittern lagen sich dann Tausende vor Freude in den Armen.

Auf dem Wallring um die Innenstadt ließen die Fans in den Autos dem Jubel freien Lauf. Mit Schals und aus den Fenstern hängenden Fahnen drehten Autocorsos hupend ihre Runden.

Sichtlich übernächtigt bestiegen die Dortmunder am Mittwochmorgen das Flugzeug Richtung Heimat. Getrübt war die Freude nur bei Mario Götze. Schon nach 14 Minuten war die Partie für den künftigen Bayern-Profi wegen eines Muskelfaserrisses beendet. Der aus seiner Sicht höchst brisante Bundesliga-Gipfel am Samstag gegen den Tabellenführer aus München wird deshalb ohne ihn stattfinden. Sogar sein Einsatz im Champions-League-Finale am 25. Mai in London ist fraglich.

Entspannt können die Dortmunder Spieler und Fans am (heutigen) Mittwochabend verfolgen, ob denn nun der FC Barcelona oder wie erwartet der FC Bayern Finalgegner in dreieinhalb Wochen im Londoner Wembleystadion ist. „Für uns ist es wurscht, welche von den beiden Weltklasse-Mannschaften weiterkommt“, erklärte Hummels, der die Münchner nach deren 4:0 im Hinspiel natürlich in der Favoritenrolle sieht.

Während die Dortmunder den zweiten Einzug ins Königsklassen-Endspiel nach 1997 feierten, waren die Königlichen um Real-Superstar Cristiano Ronaldo und Trainer Jose Mourinho bitter enttäuscht. „Ich muss die Mannschaft loben. Sie hat ein richtig gutes Spiel gemacht“, erklärte der portugiesische Coach und deutete sanft seinen Abschied an. „Ob ich hier bei Real bleibe, werde ich am Ende der Saison entscheiden, das entscheide ich ganz alleine.“

dpa

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