"Doofes Gegentor" - Bayern zurück auf dem Boden

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Angesäuert: Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller (v.l.).

München - Trotz der starken Leistung beim SSC Neapel sind die Bayern wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Und das nicht nur, weil Torhüter Manuel Neuer erstmals seit Ewigkeiten wieder bezwungen wurde.

Mario Gomez rieb sich noch lange nach seiner Fehlleistung frustriert die Augen, aber das lag nicht an der Laser-Attacke aus dem Publikum. “Der Laserpointer war beim Elfmeter da, aber er hat mich nicht geblendet. Ich will hier gar nicht erst Ausreden suchen“, sagte der Torjäger außer Dienst. Vor seinem kläglich verschossenen Elfmeter (49.) war der sonst so treffsichere Schütze aus dem Napoli-Block mit einem aufs Gesicht gezielten, grünlich schimmernden Licht irritiert worden. Mit dem Fehlschuss hatte der Bundesliga-Schützenkönig (zehn Treffer in neun Spielen) beim 1:1 in Neapel den Sieg für Bayern München verschenkt.

Gomez hatte sich schon vor dem Mitternachts-Bankett im Hotel Vesuvio mit Rindermedaillons und Farfalle mit Tintenfisch bei seinen Teamkollegen entschuldigt: “Ich ärgere mich maßlos und es tut mir leid für die Mannschaft. Wir haben jetzt eben zwei heiße Heimspiele, die wir gewinnen müssen.“

Nicht nur deshalb stieg die Mannschaft am Mittwoch vormittag nachdenklich in den Sonderflug LH 2570 gen Heimat. Obwohl das Team im 13. Pflichtspiel in Folge ungeschlagen geblieben war, war das Remis im Gruppen-Spitzenspiel in der Champions League doch der erste echte Rückschlag seit langer Zeit. Nach seinem spektakulären Höhenflug ist der FC Bayern wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet.

Schweinsteiger verärgert

Elfmeter verschenkt, erstes Gegentor nach 1147 Minuten - auch noch durch ein “doofes Eigentor“ von Holger Badstuber (39.) - da war nicht nur Bastian Schweinsteiger verärgert. “Wir haben den Elfmeter nicht gemacht, wieder einmal viele Torchancen vergeben. Wir mussten das Spiel gewinnen.“

Die Statistik verzeichnete am Ende 5:0-Schüsse aufs Tor für die dominanten Bayern, trotzdem hatte es nicht nur Vorentscheidung in der Gruppenphase der Königsklasse gereicht. Zwar wurde die Spitzenposition mit sieben Zählern verteidigt, aber Napoli (5) und Manchester City (4) nach einem Last-Minute-Sieg gegen den FC Villarreal sind in Schlagdistanz.

Das Rückspiel gegen Neapel (2. November) und das Duell gegen Villarreal (22. November) müssen jetzt gewonnen werden, um sicher den Sprung ins Achtelfinale zu schaffen. “Wir hätten hier die Vorentscheidung erzwingen können“, sagte auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nachdenklich. Er nahm das Spiel auf dem Weg zum erträumten Champions-League-Finale am 19. Mai im eigenen Stadion aber als Dämpfer zur rechten Zeit: “Man darf nicht erwarten, dass wir jedes Spiel 3:0 oder 4:0 gewinnen. Das sind Träume, die nicht funktionieren.“

“Sehr politisch gepfiffen“

Der Frust bei der Mannschaft war trotzdem spürbar, und er entlud sich auch am Schiedsrichter Olegario Benqueranza. “Nach dem Elfmeter für uns hat er sehr politisch gepfiffen“, tadelte Schweinsteiger. Gomez meinte, dass der Portugiese nach dem erst mit 30 Sekunden Verspätung - und auf Hinweis des Torrichters - gegebenen Handelfmeter viele Konzessionsentscheidungen getroffen hätte: “Es war spürbar, dass er seinen Fehler wieder gutmachen wollte.“

Diese Meinung hatten die Bayern-Spieler ziemlich exklusiv. Trainer Jupp Heynckes analysierte lieber die Fehler in der eigenen Mannschaft, zum Beispiel den von Kapitän Philipp Lahm beim Gegentor: “Da war die Abstimmung nicht gut, wir müssen besser in der Defensive stehen.“

Er lobte aber auch das “überragende Spiel“ von Toni Kroos, dessen frühes 1:0 (2.) nach Meinung von DFB-Sportdirektor Matthias Sammer das Prädikat “Weltklasse“ verdiente. Der mehr als selbstbewusste Torschütze (“Es gibt nicht viele Spieler, die das können“) erteilte Gomez im Namen der Mannschaft die Absolution: “Es kann passieren, dass man auch mal einen Elfmeter verschießt.“

“Er ist auch nur ein Mensch“

Auch Heynckes verteidigte den traurigen Stürmer: “Er ist auch nur ein Mensch. Er hat in den letzten Wochen so viel für uns geleistet, da kann er auch mal einen Fehler machen und einen Elfmeter verschießen.“ Nicht nur der Trainer hofft, dass die sensible Seele seines Torjägers nicht gelitten hat. Schließlich soll Gomez schon am Sonntag gegen Hannover 96 wieder den nächsten Schritt zum Bundesliga-Torrekord von Gerd Müller (40 Tore in einer Saison) machen - dann aber bitteschön ohne Laser-Störung.

dapd

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