Diego: Erst Europa-League-Triumph,dann Wolfsburg?

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Diego (r.) hat die Chance auf den Titel in der Europa League.

Hamburg - 2009 musste er im Finale für Bremen tatenlos zusehen, jetzt soll Diego Atletico Madrid zum Triumph in der Europa League führen. Seine Zukunft hat der launische Spielmacher nicht selbst in der Hand.

Diego Ribas da Cunha lächelt, wenn er über seine Saison bei Atletico Madrid spricht. Endlich könne er wieder seine Stärken als trickreicher Ideengeber hinter den Spitzen einbringen, er habe das Gefühl, wichtig zu sein, der Zusammenhalt im Team sei enorm und Madrid ohnehin ein Traum. Mit seiner Ehefrau Bruna und dem Sohn Davi residiert er im Westen der spanischen Hauptstadt, zum Trainingsgelände braucht er nur ein paar Minuten - in seinem roten Beetle.

Diego fährt noch immer ein Modell des größten Autobauers Europas und Geldgebers des VfL Wolfsburg. Das ist reiner Zufall, weil VW auch Atletico mit seinen Autos versorgt. Es könnte aber auch als Wink für die Zukunft des ebenso genialen wie launischen Spielmachers gewertet werden. Denn offiziell steht der Brasilianer noch bis 2014 bei den Wölfen unter Vertrag. Und nachdem das Verhältnis zu Trainer Felix Magath nach Diegos spektakulärer Arbeitsverweigerung im vergangenen Sommer völlig zerrüttet schien, können sich beide Seiten nun eine Rückkehr der Diva in die niedersächsische Provinz vorstellen.

„Seine Situation muss neu bewertet werden“, sagte Magath zuletzt, nachdem Diego die „Colchoneros“ (Matratzenmacher) ins Finale der Europa League gegen Athletic Bilbao (Mittwoch, 20.45 Uhr/Sky und Kabel1) geführt hatte, „in so einer Form ist Diego ein Gewinn für alle Mannschaften.“ Derzeit gibt es aber keinerlei Kontakt zum 27-Jährigen. Und Diego sagte der Sport Bild: „Es kann sein, dass ich in die Bundesliga zurückkehre. Interessierte Klubs müssen mit Wolfsburg sprechen. Ich bin bereit, fast alles zu tun. Wolfsburg entscheidet.“

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Doch Diego macht keinen Hehl daraus, dass er gerne in Madrid bleiben würde. Nach durchwachsenen Vorstellungen für Juventus Turin und Wolfsburg knüpft der kleine Dribbler endlich wieder an seine Leistungen aus Bremer Tagen an. „In Sachen Aufopferung und Arbeit ist es die Saison meines Lebens“, sagt Diego. Gemeinsam mit Stürmer Radamel Falcao bildet er ein gefährliches Angriffsduo. Zudem ist sein Spiel mit den Jahren reifer geworden. Im Alter von 27 Jahren, mit den ersten grauen Haaren im dichten Schopf, lenkt er das Spiel noch mehr als früher. Dennoch ist fraglich, ob Madrid ihn kaufen kann und will.

Die Atletico-Fans indes zweifeln nicht daran, dass Diego sie zum Titel führen wird. Zudem will der Brasilianer unbedingt einen der traurigsten Momente seiner Schaffenszeit vergessen machen. 2009 musste er wegen einer Gelbsperre mit versteinerter Miene auf der Tribüne in Istanbul mit ansehen, wie seine Bremer Kollegen das letzte UEFA-Cup-Endspiel gegen Schachtjor Donezk mit 1:2 nach Verlängerung verloren. „Ich war wichtig für unser Team und musste an diesem großen Tag zuschauen. Das hat geschmerzt und ist für mich nun eine Extra-Motivation“, sagte Diego dem Fachmagazin kicker, „solch ein Finale erreicht man sonst vielleicht nur einmal im Leben.

Titel hin oder her? Diego hat seine Zukunft nicht selbst in der Hand. Auch wenn er gerne in der kommenden Saison weiter im roten Beetle zum Training fahren würde. „Ich will da spielen, wo man mich liebt und wo man mich in Ruhe spielen lässt“, sagt er. In Wolfsburg wäre das unter Magath wohl kaum möglich.

sid

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