Nach Triumph ging's in die Disco

"Die Nacht war kurz": BVB-Helden zurück

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Die BVB-Helden am Flughafen in Dortmund

Dortmund - Die BVB-Helden sind zurück in Dortmund: Nach einer rauschenden Party-Nacht sind die Stars wieder in der Heimat gelandet. Die Spieler hatten sich noch bis in den frühen Morgen im Madrider Nachtleben treiben lassen.

Die Spuren der rauschenden Party-Nacht in „Wembley-calling“-Shirts waren nicht zu übersehen, als die BVB-Helden auf dem Rollfeld die La Ola starteten. Roman Weidenfeller, der „Hexer“ an einem magischen Abend im legendären Estadio Santiago Bernabeu, und Trainer Jürgen Klopp hoben etwas träge die Arme und winkten den Fans am Dortmunder Flughafen lächelnd zu. Die Stars waren müde, aber glücklich. London ruft, die „Road to Wembley“ ist frei für Borussia Dortmund - ein Sieg fehlt noch zum zweiten Triumph in der Champions League nach 1997.

Das Gefühl ist sensationell! Das ist einer der größten Momente meiner Karriere. Die Nacht war kurz“, sagte Torhüter Weidenfeller nach der schönsten Niederlage der Vereinsgeschichte mit müden Augen. Klopp hatte spontan „den Zapfenstreich aufgehoben“, aber so richtig wild ließen es die Profis nach dem 0:2 (0:0) bei Real Madrid im Halbfinal-Rückspiel (Hin: 4:1) noch nicht krachen. Es bleibt Luft nach oben für den 25. Mai. „Wenn uns der Trainer den kleinen Finger reicht, können wir ihm ja nicht gleich den ganzen Arm abreißen“, sagte Weidenfeller und lachte.

Müde, aber happy: Die BVB-Helden bei der Ankunft in Dortmund

Müde, aber happy: Die BVB-Helden bei der Ankunft in Dortmund

Auch Hans-Joachim Watzke hatte seinen Puls am Mittwochmorgen wieder im Griff. Der BVB-Boss war für die letzten zehn Minuten auf die Stadion-Toilette geflüchtet, selbst die beruhigende Hand seines Sitznachbarn auf der VIP-Tribüne, Spaniens König Juan Carlos, hatte ihre Wirkung verfehlt. „Das erste Mal in meinem Leben musste ich wegen akuter Herzprobleme aufgeben“, berichtete der Geschäftsführer.

Er kam jedoch rechtzeitig zurück, um die großen Szenen eines fußballhistorischen Abends zu erleben. Nach dem Schlusspiff wälzten sich erschöpfte schwarz-gelbe Spieler vor Freude auf dem Rasen, von den Rängen skandierten die 8000 mitgereisten Fans „Finale!“. Aber niemand hatte zu diesem Zeitpunkt schon so recht begriffen, was geschehen war. Das Endspiel ist erreicht - „Wembley calling!“

Die Spieler ließen sich teils noch bis in den frühen Morgen durch das Nachtleben der spanischen Hauptstadt treiben, es ging aus dem Mannschaftshotel in eine Discothek. „Wenn ich der Mannschaft jetzt nicht gestatte, auszugehen, bin ich ja ein Vollhorst“, hatte Klopp bei Sky gesagt.

Er selbst hatte das Geschehene auch noch nicht verarbeitet. „Das ist die außergewöhnlichste Leistung, von der ich seit langen, langen Jahren im Sport gehört habe“, berichtete der 45-Jährige den internationalen Medien-Vertretern in der Pressekonferenz. Die letzten, nervenaufreibenden Spielminuten hatten den Coach ins Gefühlschaos gestürzt: „Ich habe nur gedacht: Wenn Gott will, werden wir das Finale erreichen.“

Und der Fußball-Gott belohnte den BVB am Ende für eine überragende, fast sensationelle Saison in der Königsklasse - trotz der ersten Niederlage im zwölften Spiel. „Ich habe gehört, dass die Borussen vor 16 Jahren mehr Glück gebraucht haben, um ins Finale zu kommen“, sagte Klopp, der Stolz war ihm ins Gesicht geschrieben.

Nach dem Vierfach-Torschützen Robert Lewandowski im Hinspiel war diesmal Weidenfeller der Held. „Ich war so platt. Die letzten Minuten waren so intensiv“, sagte der Torhüter über die Schlussphase, in der die Königlichen den BVB durch Treffer von Karim Benzema (83.) und Sergio Ramos (88.) noch einmal arg in die Bredouille gebracht hatten. Am Ende fehlte Cristiano Ronaldo und Co. nur ein Tor. „Es brannte kurz lichterloh, aber wir haben dagegengehalten“, sagte Mats Hummels, neben Weidenfeller der überragende Borusse, und Neven Subotic ergänzte: „Als ich gesehen habe, dass es fünf Minuten Nachspielzeit gibt, dachte ich, ich sterbe.“

Man habe den Ansturm von Real so erwartet, aber die Mannschaft habe nicht mit ihrem besten Fußball reagiert, resümierte Klopp und meinte besonders die drei vergebenen hochkarätigen Chancen von Lewandowski, der den Ball einmal an die Unterkante der Latte krachen ließ, oder Ilkay Gündogan. Aber am Ende war alles gut. „In der Summe 4:3 gegen Madrid, das macht uns zum verdienten Sieger“, sagte Klopp. Denn seine Mannschaft habe sich auch durch die Provokationen der Gastgeber auf dem Feld nicht von ihrem Weg abbringen lassen. „Das war extrem cool.“

Es sei einfach großartig, was die Mannschaft geleistet habe. „Man muss die Entwicklung sehen. Eine Meisterschaft, eine Meisterschaft und ein Pokalsieg und nunmehr im Endspiel der Champions League. Davon haben wir vor fünf Jahren nicht annähernd zu träumen gewagt“, sagte Sportdirektor Michael Zorc. Und Watzke ergänzte: „Da gehen einem Gedanken durch den Kopf: Was haben wir in den letzten drei Jahren für eine Geschichte geschrieben! Wenn wir da noch das 0:3 kassiert hätten.... Wir können einfach nur dramatisch.“

sid

Dortmund kämpft sich nach Wembley - Bilder aus Madrid

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