Vollversammlung am 12. Dezember

DFL: Laufen auf "ziemlich große Kreuzung zu"

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Christian Seifert

München/Berlin - Gegen Gewalt und für mehr Sicherheit - die Proficlubs müssen am 12. Dezember Nägel mit Köpfen machen, fordert DFL-Chef Seifert. Die Zeit drängt.

Die Sicherheitsdebatte rund um den Fußball in Deutschland steht nach Meinung von Christian Seifert, Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung, am 12. Dezember auf der Vollversammlung des Ligaverbandes am Scheideweg. "Mein Eindruck ist: Wir laufen gerade auf eine ziemlich große Kreuzung zu. Die Liga sollte dringend die richtige Abzweigung nehmen", forderte Seifert in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe). Die falsche Abzweigung wäre, "wenn nichts beschlossen wird. Dann wird seitens der Politik und der Polizei der Druck wieder steigen."

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Dass die Zeit drängt, die Anstrengungen gegen Gewalt in den Stadien und rund um die Arenen - gemeinsam mit der Politik - zu verstärken, belegt auch die Statistik: Die Zahl der Strafverfahren gegen Fußballfans hat nach einem Bericht des "Focus" deutlich zugenommen. In der Saison 2011/2012 seien bundesweit 8143 Strafverfahren eingeleitet worden, berichtete das Nachrichtenmagazin am Samstag vorab unter Berufung auf die neue Polizei-Statistik der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS). Die Zahl habe um 70 Prozent über dem Schnitt der vergangenen zwölf Jahre gelegen.

Am 12. Dezember soll in Frankfurt/Main das 32-seitige umstrittene Positionspapier "Sicheres Stadionerlebnis" verabschiedet werden. Die 36 Vereine der 1. und 2. Liga haben bis zum 22. November Zeit, das Konzept zu diskutieren und eventuell erneut nachzubessern. Die Deutsche Fußball Liga (DFL), sagte Seifert, "kann nur Vorschläge machen. Entscheiden müssen am Ende unsere Gesellschafter: die 36 Clubs."

Mit der Politik sei vereinbart, dass der Fußball "bis zur Winterpause" Beschlüsse fassen muss. Seifert: "Meine Sorge ist: Wenn das nicht geschieht, werden von anderen Fakten geschaffen, über unsere Köpfe hinweg." In der Diskussion über Pyrotechnik, gab Seifert zu, haben sich "DFB und DFL extrem unglücklich angestellt". Da wurde mit den Fans über ein Konzept beraten, das den Namen "Pyrotechnik legalisieren" trug. Was gesetzlich verboten ist, könne man aber als Sportverband nicht legalisieren. "Das hat zu Enttäuschungen geführt. Das müssen wir klarstellen", betonte Seifert in dem Interview.

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Welche Grundsätze aus der Sicht des Vorstandes "nicht zur Disposition" stehen, hatte der Dachverband bereits am vorigen Donnerstag mitgeteilt: "der Verzicht auf Gewalt, Rassismus bzw. Diskriminierung, politischen Extremismus sowie Pyrotechnik". Für das Fehlverhalten einzelner sollen zudem keine Fangruppierungen bestraft werden.

Laut ZIS-Studie sind durch Fangewalt 1142 Menschen verletzt worden - die Quote sei hier um 120 Prozent gestiegen. In der vergangenen Spielzeit gab es knapp 7300 Festnahmen. Dies sei "absolute Spitze seit Gründung der Bundesliga". Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagte dem Magazin, es sei "nicht hinnehmbar, dass für die sichere Durchführung von Bundesliga-Spielen bundesweit inzwischen rund 1,9 Millionen Arbeitsstunden der Polizei nötig sind".

Stark gewachsen - von 15 000 auf 16 5000 - sei laut ZIS die Zahl der militanten Ultras und Hooligans. Die Informationsstelle kritisierte die niedrige Zahl der Stadionverbote - derzeit 2709. Dies deute "auf eine weitgehende Zurückhaltung der Polizeibehörden und Vereine in der Umsetzung dieses Instrumentariums hin".

dpa

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