Spiele gegen kleine Nationen vor dem Aus

Nie wieder Färöer und Co.?

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Spiele gegen kleine Nationen, wie hier in der EM-Qualifikation 2007 gegen San Marino,  stehen auf der Kippe.

Hannover/Nyon - Eigentlich gibt es im Fußball ja keine kleinen Nationen mehr. Trotzdem könnten die Spiele gegen die Underdogs bald Geschichte sein. Die UEFA grübelt über den Quali-Modus zur EM 2016.

Für Franz Beckenbauer waren sie ein Gräuel. Karl-Heinz Rummenigge sehnt schon lange ihr Ende herbei. Duelle gegen kleine Fußball-Nationen wie die Färöer standen bei DFB-Trainern und Club-Chefs der Bundesliga noch nie hoch im Kurs. Auch Joachim Löw spielt grundsätzlich lieber gegen große Kontrahenten, um seine Spieler titelreif zu machen. Die Partien zwischen Fußball-David und Fußball-Goliath könnten nun möglicherweise für einige Zeit der Vergangenheit angehören. In der UEFA-Zentrale in Nyon wird kräftig über einen sinnhaften Qualifikations-Modus für die EM 2016 gegrübelt. Das Modell einer Vor-Ausscheidung der kleinen Teams wird dabei nicht grundsätzlich ausgeschlossen.

„Es gibt noch keine Lösung. Die entscheidenden Gremien werden dies beraten“, sagte UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino kürzlich in Monte Carlo. Sein Präsident Michel Platini saß dabei neben ihm und sah nicht besonders glücklich aus. Das Problem ist für die UEFA hausgemacht. Erstmals werden 2016 in Frankreich 24 statt 16 Teams bei der Endrunde vertreten sein. Der Gastgeber ist wie immer automatisch qualifiziert. Es bleiben 52 Nationen, die sich um 23 Plätze bewerben.

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Die Erfolgsaussicht von fast 50 Prozent war von Platini gewollt. Mehr Länder bei der Endrunde versprechen höhere Marketing-Einnahmen und befriedigen Verbandsbosse, die ihn einst in den Präsidentensessel hoben. Das Dilemma: Der eingespielte Quali-Modus funktioniert nicht mehr. Deshalb kommt auch eine Vorqualifikation in Betracht.

In den üblichen Fünfer- und Sechsergruppen würden sich auch einige Drittplatzierte qualifizieren, viele Entscheidungen wären schon früh getroffen und damit Langeweile oder gar Manipulationen Tür und Tor geöffnet. Viele kleine Gruppen (zum Beispiel 13 x 4 Teams) würden auch für die Top-Nationen wenig Spiele bedeuten. Die Qualifikation hätte nur noch wenig Reiz und wäre von komplizierten Rechenspielen begleitet.

Es bliebe die Möglichkeit, die kleineren Teams wie Färöer, San Marino oder Andorra in eine Vorrunde zu schicken, um eine Variante mit möglichst wenig mathematischen Unbekannten oder Playoffspielen zu finden. Beim DFB wäre man darüber sicher nicht unglücklich. Die Mini-Kontrahenten füllen keine Stadien. Noch hat die UEFA etwas Zeit. Die Qualifikationsrunde beginnt erst im Spätsommer 2014 nach der WM in Brasilien. Spätestens zu Beginn des WM-Jahres müssen die Gruppen aber ausgelost sein.

dpa

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