Wie das DFB-Team seinen letzten Titel holte

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Oliver Bierhoff (2.v.l.) & Co. bejubeln den Triumph

Berlin - Wann das DFB-Team seinen bislang letzten großen Titel gewonnen hat, weiß wohl jeder Fußball-Fan. Aber erinnern Sie sich auch noch an das "Wie"? An Monika, Skat und Rotwein?

Vielleicht hätte Bundestrainer Joachim Löw seine Frau Daniela um Rat fragen sollen. So wie Berti Vogts vor der EM 1996. „Nimm den Bierhoff mit nach England“, hatte seine damalige Gattin Monika gesagt. Er werde es dir danken, ergänzte die damals bessere Hälfte. Der Rest ist Geschichte.

EM-Finale, Wembleystadion, die 95. Minute: Oliver Bierhoff mit dem Rücken zum Tor, Drehung, Schuss mit dem schwächeren linken Fuß, Torwartfehler, Golden Goal - 2:1. Deutschland ist Europameister. Und die Bilder des so oft kritisierten Hans-Hubert Vogts bei La Ola alleine vor dem deutschen Fanblock gingen um die Welt. Am Samstag vor 16 Jahren gewann eine deutsche Fußball-Nationalmannschaft zum letzten mal einen großen Titel.

Liebe Spielerfrauen, ihr müsst jetzt schön trösten!

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„Wir hatten 1996 alles gestandene Spieler, die brauchten keine Ansprache. Matthias Sammer, Andreas Köpke und Jürgen Klinsmann, die wussten selbst, worauf es ankommt. Da hattest du als Trainer ein beruhigendes Gefühl“, erinnerte sich Vogts. Doch der Weg zum Titel im Mutterland des Fußballs war alles andere als ein Spaziergang.

2:0 gegen Tschechien, 3:0 gegen Russland und ein 0:0 gegen Italien. Zwar qualifizierte sich das Team als Gruppenerster für das Viertelfinale (2:1 gegen Kroatien), doch dem damaligen Bundestrainer gingen nach und nach die Spieler aus. „Ich hatte zwei Tage vor dem Finale nur noch neun gesunde Feldspieler. Thomas Helmer, Klinsmann und Sammer waren angeschlagen. Die konnten gar nicht richtig trainieren. Das war schon ein Problem“, sagte Vogts. „Wir sind wie die Fliegen ausgefallen und immer weniger geworden. Aber der Zusammenhalt wurde immer größer“, sagte Fredi Bobic der Revier Sport. Der Stürmer erlitt im Viertelfinale eine Schulterfraktur: „Im Finale sind wir auf dem Zahnfleisch gekrochen. `

Klinsmann wurde zwar in Nachtschichten nach seinem eine Woche vor dem Endspiel im Kroatien-Spiel erlittenen Muskelfaserriss fit gemacht, doch Vogts ersann einen verwegenen Plan. Neben der damals noch möglichen Nachnominierung - Jens Todt reiste zusätzlich an - ließ er Feldspielertrikots für die Ersatztorhüter Oliver Kahn und Oliver Reck anfertigen. Die der jetzige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in seiner damaligen Funktion als Pressesprecher den verdutzten Journalisten präsentierte.

Zum Glück kam es aber nicht soweit, im Halbfinale gegen Gastgeber England bot Deutschland noch elf halbwegs gesunde Feldspieler auf. Und das im Vorfeld von der englischen Boulevardpresse gewohnt martialisch (The Sun: `Achtung! Surrender! For you Fritz ze Euro 96 iz over“) begleitete Spiel wurde allen Erwartungen gerecht. Rückstand nach drei Minuten (Alan Shearer), Ausgleich durch Stefan Kuntz nach einer knappen Viertelstunde: Das Spiel musste in die Verlängerung.

Darren Anderton schoss an den Pfosten, der vielleicht in der Form seines Lebens spielende Paul Gascoigne rutschte um Haaresbreite am Siegtor vorbei, einem Treffer von Kuntz wurde die Anerkennung verweigert. Und im Elfmeterschießen siegte einmal mehr Deutschland...

„Nach dem gewonnenen Halbfinale war der ganze Ballast von mir abgefallen. Es ging gegen Tschechien nur noch um das Tüpfelchen auf dem i. Da war ich ganz entspannt“, sagte Vogts: „Wir haben damals Skat gespielt und ein Glas Rotwein getrunken. Das hat abgelenkt.“

So entspannt die Deutschen vor dem Finale waren, so ausgelassen wurde danach gefeiert. „In den Katakomben der englischen Stadien gab es noch alte Badewannen. Jeder hat sich eine geschnappt, dazu wurden die Zigarren verteilt. Es ging so zu, dass anschließend renoviert werden musste“, sagte Bobic.

Und Jürgen Klinsmann ergänzte: „Im Wembley-Stadion, in London, was damals ja meine “Heimat' war, als Kapitän Europameister zu werden, nach einer Verletzung, wegen der ich im Halbfinale pausiert habe, Sieg durch Golden Goal - das sind Erinnerungen, die ewig bleiben.„

sid

Alle Weltfußballer seit 1982

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