DFB-Team in Kasachstan

Der Trick mit den Handys und den Uhren

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Joachim Löw

Astana - Kasachstan ist nur Nummer 139 in der Fußball-Welt. Die Vorbereitung auf das erste Qualifikations-Duell läuft bei der Nationalmannschaft aber auf Top-Niveau - inklusive eines Tricks mit Handys und Uhren.

Vom Streik-Chaos am Frankfurter Flughafen blieben Mesut Özil und Co. immerhin verschont. Als einer der wenigen Lufthansa-Flieger wurde die Sondermaschine LH 342 nach Astana am Donnerstag planmäßig abgefertigt. Die DFB-Stars wurden wie üblich mit dem Bus direkt auf das Rollfeld gefahren. Nun müssen vor dem ungewöhnlichsten Fußball-Länderspiel des Jahres zur Geisterstunde in Kasachstan nur noch die weiteren Extra-Maßnahmen von Joachim Löw greifen. Der Bundestrainer lässt dafür sogar die Zeit still stehen.

Langstreckenflug und Plastikrasen sind für den Bundestrainer bei der skurrilen Nachtschicht (24.00 Uhr Ortszeit/19.00 Uhr MEZ/ZDF) weit hinter dem Ural unliebsame Begleiterscheinungen. Als Ausrede für einen peinlichen Aussetzer in der WM-Qualifikation für Brasilien 2014 dürfen sie aber nicht in Erwägung gezogen werden. „Es liegt an uns, wie wir das Spiel gestalten. Wenn wir unser Potenzial abrufen, werden wir als Sieger vom Platz gehen“, sagte Löw vor dem ersten von zwei Duellen der deutschen Nationalmannschaft gegen den großen Außenseiter innerhalb von vier Tagen. Das Rückspiel findet in Nürnberg statt.

In 5000 Kilometern Entfernung will der Bundestrainer bloß keine böse Überraschung erleben. Zweimal drei Punkte stehen fest in der Kalkulation. Das betonte auch Bayern-Profi Thomas Müller vor der Partie in der überdachten Arena Astana: „Wir haben alle Respekt vor Kasachstan, aber wenn wir als Deutschland da nicht mehr hinfahren um zu gewinnen, ist die Welt ein bisschen verdreht.“

Es geht nur gegen die Nummer 139 in der Fußball-Welt - eingerahmt in der FIFA-Rangliste von Tahiti und Turkmenistan. Die Vorbereitungen sind dennoch aufwendig. Als Blaupause dienten die Erfahrungen aus dem ersten Gastspiel in Astana beim 3:0 im Oktober 2010. „Eigentlich machen wir dasselbe wie damals“, sagte Teamarzt Tim Meyer. Nämlich: Der Zeitverschiebung von fünf Stunden trotzen und den Biorhythmus möglichst nicht umstellen. Sonst droht der lähmende Jetlag.

Internist Meyer war intensiv in die Planungen eingebunden und rät Bastian Schweinsteiger und Co. dringend, im deutschen Zeitmodus zu bleiben. „Wir machen keine Kontrollen, aber wir können es nur empfehlen“, sagte Meyer. Armbanduhren und Handys sollen auf Mitteleuropa gepolt bleiben.

Im Teamhotel Rixos President werden für den gewollten Nachtschlaf zur Tageszeit extra die Fenster verdunkelt. Ob alle Spieler den Zeitbetrug am Körper gut verkraften, ist aber nicht garantiert. „Bei 20 Spielern ist es unwahrscheinlich, dass es alle gleich gut hinkriegen“, sagte Meyer. Immerhin der Bundestrainer ist schon ein Anti-Jetlag-Profi. „Mir persönlich ist das gelungen“, erinnerte sich Löw an die letzte Astana-Reise. Der DFB-Chef gestand aber auch: „Die Zeitumstellung ist schon heftig.“ Astana liegt auf einem Längengrad zwischen Kabul und Islamabad.

Der Kunstrasen macht den deutschen Ball-Zauberern um Özil und Mario Götze keine Angst. „Ein Vorteil ist es nicht, schließlich sind wir es nicht gewohnt, auf diesem Belag zu spielen. Aber wir haben eine technisch starke Mannschaft, wir sollten in der Lage sein, auch auf Kunstrasen unsere Qualitäten zu zeigen“, sagte Özil. Und Götze stellte fest: „Natürlich gibt es ein paar Faktoren. Wir könnten auf Rasen spielen, das Wetter könnte besser sein, aber wir werden versuchen, unsere Pflicht zu erfüllen.“

Ein Start-Einsatz des Wuselstürmers Götze ist eine der wenigen Personalentscheidungen, die Löw bis kurz vor das Spiel hinauszögert. Einiges spricht dafür, dass der Bundestrainer auf das spanische Modell ohne einen Stoßstürmer wie Mario Gomez setzt und Götze wie schon beim 0:0 in den Niederlanden ganz nach vorn beordert. Das notwendige passgenaue Spiel auf Kunstrasen ist ein starkes Argument für diese Variante. Gomez sieht seinen Spielstil aber nicht als Auslaufmodell. „Mindestens 95 Prozent der Topteams im Weltfußball spielen immer noch mit einem richtigen Stürmer. Und 99 Prozent der Trainer sind froh, wenn sie einen richtigen Killer im Team haben“, sagte er in einem Interview der „Frankfurter Rundschau“.

Die Fortschritte der Kasachen sind Löw nicht entgangen. „Mein Eindruck war, dass sie in der Defensive kompakter und intelligenter in der Zweikampfführung geworden sind“, warnte der Bundestrainer. Das bekamen auch schon die Iren (2:1) und Schweden (2:0) zu spüren, die sich zu knappen Siegen mühten. Für Österreich reichte es in Astana sogar nur zu einem 0:0. Diese Peinlichkeit will sich Löw ersparen, zumal die Konkurrenz in der Qualifikationsgruppe C dem DFB-Team (10 Punkte) weiter im Nacken sitzt. Schweden (7) und Irland (6) spielen am Freitag gegeneinander, haben aber noch ein Spiel mehr auszutragen.

dpa

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