DFB-Sturm: Klose, Gomez - und sonst?

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Miroslav Klose ist derzeit der einzig echte Stürmer im deutschen Aufgebot.

Berlin - Miroslav Klose ist derzeit der einzige echte Stürmer im Kader von Joachim Löw. Die Besetzung des Angriffs könnte für den Bundestrainer auf Jahre hinaus ein Problem werden.

Miroslav Klose würde das Problem ganz pragmatisch anpacken. „Im Notfall machen wir es eben so wie Spanien und spielen ohne Stürmer. Wir haben ohnehin ein Überangebot an Mittelfeldspielern“, sagte der 34-Jährige und lächelte dabei, als hätte er gerade einen guten Scherz gemacht.

Die Lage ist aber eigentlich gar nicht zum Lachen. Klose war bei den WM-Qualifikationsspielen in Irland (6:1) und am Dienstagabend in Berlin gegen Schweden wieder einmal der einzige echte Angreifer im Kader von Bundestrainer Joachim Löw. Das Land, das Torjäger wie Gerd Müller, Uwe Seeler, Rudi Völler oder eben jetzt Klose hervorgebracht hat, klagt über einen Stürmer-Notstand.

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Löw hat Klose und den derzeit verletzten Münchner Mario Gomez - aber was kommt danach? Dieses Problem sei „nicht von heute auf morgen“ zu lösen, sagte Löw unlängst über die Probleme auf der Mittelstürmer-Position. Der neue DFB-Sportdirektor Robin Dutt sei bereits angehalten, im Jugendbereich verstärkt diesen Spieler-Typus zu sichten und zu fördern. Löw hofft so wenigstens „langfristig“ auf Besserung.

Kurzfristig, das belegt ein Blick auf die Alternativen, ist kaum Unterstützung für Klose und Gomez in Sicht. Schon vor Wochen hatte Löws Assistent Hansi Flick in der Bundesliga einen Mangel „an typischen Zentrumsstürmern“, die auch für die DFB-Auswahl infrage kämen, festgestellt.

Der letzte Spieltag belegte diese These. Da wurden gerade einmal fünf deutsche Spieler im Sturm aufgeboten: Stephan Hain (Augsburg), Dani Schahin (Düsseldorf), Max Kruse (Freiburg), Gerald Asamoah (Fürth) und der Leverkusener Stefan Kießling.

Wobei nur Kießling derzeit ein Kandidat sein dürfte. Der 28-Jährige absolvierte schon sechs Länderspiele und steht laut Flick auch „weiterhin unter Beobachtung“.

Zu einer Einladung hat es trotz der Sorgen im Angriff aber für den Bayer-Stürmer schon seit der WM 2010 nicht mehr gereicht, auch wenn Klose erst am Montag anmerkte, „dass der Kieß wieder Tore schießt“. Doch Löw ist nicht gerade ein Freund der kantigen Spielweise von Kießling.

Auch den verletzten Patrick Helmes brachte Klose ins Gespräch. Doch wie sich der Wolfsburger von den Folgen seines Kreuzbandrisses erholt, bleibt abzuwarten.

So bleibt Löw derzeit nur die Hoffnung, dass Klose sich nicht verletzt und Gomez möglichst bald zurückkommt. Der 27-Jährige von Bayern München fällt seit Anfang August wegen den Folgen einer Operation am Sprunggelenk aus. „Wir brauchen ihn“, unterstrich Klose.

Zumal die Karrieren des Stuttgarters Cacau und von Mike Hanke (Mönchengladbach) in der DFB-Auswahl beendet scheinen. Beide haben derzeit in ihren Klubs genügend Probleme, Fuß zu fassen. Flick führte auch die U21-Nationalspieler Peniel Mlapa (Mönchengladbach) und Kevin Volland (Hoffenheim) sowie den Nürnberger Sebastian Polter als Kandidaten für die Zukunft an. Dies seien „alles gute Jungs. Aber sie sind noch jung und müssen sich weiter beweisen.“

U18-Trainer Horst Hrubesch widersprach vor einigen Wochen jedoch dem Eindruck, Deutschland gingen die Stürmer aus. „Es wachsen schon welche nach“, sagte er, und nannte Niclas Füllkrug von Werder Bremen sowie Philipp Hofmann vom Zweitligisten SC Paderborn. Auch Samed Yesil, der im Sommer von Bayer Leverkusen zum FC Liverpool wechselte, dort aber in der Reserve kickt, gilt als große Hoffnung.

Ob sie den Durchbrach schaffen, bleibt abzuwarten. Und notfalls spielt Deutschland eben ohne Stürmer...

sid

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