DFB-Pokal: Fürth-Gegner tritt mit A-Jugend an

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Der Einzug in die nächste Runde ist für Mike Büskens und die SpVgg Greuther Fürth wohl nur Formsache.

Hamburg - Das Pokalspiel zwischen dem Eimsbütteler TV und der SpVgg Greuther Fürth entwickelt sich zur Farce. Der Gegner der Franken reist mangels Personal mit der A-Jugend an.

Sie wissen natürlich, dass sie keinerlei Chance haben. Ein Team wird den Löwen zum Fraß vorgeworfen, jetzt geht es nur noch darum, einigermaßen anständig aus der Sache herauszukommen. “Wenn wir nicht zweistellig kriegen, mache ich drei Kreuze“, sagt Innenverteidiger Gunnar Hitscher. Der 23-Jährige spielt beim sechstklassigen Landesligisten Eimsbütteler TV am Sonntag (14.30 Uhr) im DFB-Pokal gegen die Zweitliga-Spitzenmannschaft SpVgg Greuther Fürth. Und ist einer der Ältesten im Team.

Die Eskalation bei dem Hamburger Traditionsverein hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Der Streit um die Aufteilung der Garantieeinnahme von 110.000 Euro hatte zum Austritt des kompletten Teams samt Funktionären geführt, das sich überraschend für die erste Hauptrunde des Pokals qualifizieren konnte. Jetzt muss die A-Jugend ran. “Die Entscheidung, in den Herrenbereich aufzurücken, war nicht leicht“, sagt Trainer Harald Wenzig, “das alles kam von einem Tag auf den anderen.“

ETV-Team “alles andere als harmlos“

Nun wollen sie die Herausforderung annehmen. Müssen es. Ein neuer Ausrüster für die rund 50 Mannschaften im Verein wurde für drei Jahre gefunden, das gemeinnützige Wasserprojekt “viva con aqua“ macht Brustwerbung. Mit krakeligen Kinder-Strichmännchen-Zeichnungen wird geworben, auf der Vereinsseite im Internet ist sogar ein entsprechendes Filmchen zu sehen. “Das jüngste ETV-Team aller Zeiten“, heißt es, “alles andere als harmlos.“

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Das wird man sehen. Den überwiegend 18- und 19-Jährigen ist wahrscheinlich noch nicht so ganz klar, was da auf sie zukommt. Die bislang höchste Niederlage eines Amateurteams war ein 0:17 im Jahr 1941 vom VfB Knielingen gegen die Stuttgarter Kickers. Diesen Rekord will niemand brechen. “Normalerweise muss man vor einer Partie Spannung aufbauen, diesmal ist es andersrum“, sagt Wenzig. Torwart und Mannschaftskapitän Jonas Struckmann gibt zu: “Die Aufregung steigt von Tag zu Tag. Wir gehen da rein und gucken, was wir reißen können.“

Kaum Zuschauerinteresse in Eimsbüttel

An finanzielle Entlohnung denken sie dabei nicht, sagt Struckmann: “Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, ob mit Fußball Geld zu verdienen ist.“ Solche Spieler passen zum ETV, der aus den Vorfällen gelernt hat, sich noch deutlicher als reiner Amateurverein zu positionieren. “Es gab bei der alten Mannschaft offenbar Vorstellungen von Semi-Professionalität, die wir nicht umsetzen wollen“, sagt Fechner.

In der Woche vor dem Spiel gab es noch einmal Querfeuer. Interne E-Mails wurden veröffentlicht, ein Offener Brief des ehemaligen Fußballvorstandes kursierte in Internet und Redaktionsstuben. “Emotionale Kälte“, “mangelnde Wertschätzung“, “Wortbruch“ wurde dem ETV-Vorstand vorgeworfen. “Das ist total absurd“, sagt Fechner, der sich “sehr getroffen fühlt.“

Hitscher ist der einzige Spieler aus dem alten Team, der im Klub geblieben ist. “Darüber sind Freundschaften zerbrochen“, erklärt der Abwehrspieler. Ganz ohne Folgen ist der im bundesdeutschen Fußball einmalige Konflikt auf keinen Fall geblieben. Bis Mittwoch wurden für die Partie erst 250 Tickets verkauft.

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