DFB-Kontrollausschuss ermittelt gegen St. Pauli

+
So friedlich wie auf diesem Bild ging es beim Montagabendspiel in Hamburg nicht immer zu.

Frankfurt - Nach dem Wurf einer Kassenbonrolle auf das Spielfeld beim Zweitliga-Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt hat der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes ein Ermittlungsverfahren gegen den FC St. Pauli eingeleitet.

Das Spiel gewonnen, aber weitere Sympathien verloren und den DFB zu erneuten Ermittlungen animiert. Da wollte vorweihnachtliche Freude beim FC St. Pauli nach dem 2:0 (1: 0)-Erfolg im Zweitliga-Spitzenspiel gegen Eintracht Frankfurt nicht so recht aufkommen. Denn nach einer Wurfattacke gegen Eintracht-Kapitän Pirmin Schwegler in der 48. Minute stand das Spiel vor einem Abbruch durch Schiedsrichter Felix Zwayer (Berlin). Der Schweizer wurde von einer Kassenrolle aus Pappe zwar nicht verletzt, aber eindeutig getroffen.

Der Vorfall war somit glimpflicher als beim Bierbecherwurf an gleicher Stelle am 1. April mit nachfolgendem Spielabbruch, dennoch müssen die Hamburger als Wiederholungstäter nicht zum ersten Mal mit einer empfindlichen Strafe rechnen. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes leitete bereits am Dienstag ein Ermittlungsverfahren ein. „Die Irren sterben nie aus. Es scheint leider immer wieder Leute zu geben, die sich nicht fair verhalten“, sagte Sportchef Helmut Schulte sichtlich genervt.

Der Verein forderte den Täter zur Selbstanzeige auf, dies könne zu einer Strafmilderung für den Werfer führen. „Es besteht eine große und realistische Hoffnung, dass sowohl Wurf als auch Werfer auf den Videoaufnahmen von Polizei und Fernsehen zu sehen sein werden“, hieß es am Nachmittag in einer Mitteilung.

Denn die für ihre Kreativität ligaweit gelobten Anhänger des Kiez-Klubs bekommen es nicht in den Griff, durchgeknallte Einzeltäter aus ihren Reihen zu stellen und derlei Übergriffe zu unterbinden. Sogar Opfer Schwegler hatte fast ein bisschen Mitleid: „So ein Fanverhalten ist echt traurig, vor allem, weil das Publikum auf St. Pauli eigentlich toll ist.“

Der Schweizer Nationalspieler bewies dabei die Fairness, die nicht jedem der 24.487 Zuschauer am Millerntor zu eigen war. „Der Spieler hat sich vorbildlich verhalten und die Sache nicht schlimmer gemacht, als sie wirklich war. Trotzdem ist das alles natürlich total unnötig“, erklärte St.-Pauli-Trainer Andre Schubert anerkennend. Zumindest aus Frankfurter Sicht war der Zwischenfall damit erledigt.

Ungeachtet jedoch der bevorstehenden Winterpause gibt es bei den Hessen aus rein sportlicher Sicht Redebedarf. „Wir waren fußballerisch besser, aber St. Pauli hat mehr als Mannschaft agiert und mehr zusammengestanden. Das muss uns nachdenklich machen“, kritisierte Schwegler Teamgeist und Einsatzwillen der Frankfurter, die mit einem Sieg als Tabellenführer hätten überwintern können.

Auch für seinen Trainer Armin Veh war in der Hansestadt mehr drin: „Wir haben absolut dominiert, aber vor dem gegnerischen Tor zu umständlich gespielt.“ Schnörkellos hingegen die wenigen Torattacken der Gastgeber. Kapitän Fabio Morena staubte in der 32. Minute rustikal ab, in der 67. Minute stellte Max Kruse mit einem trocken abgeschlossenen Konter den Endstand her.

Somit sind die Norddeutschen wieder voll drin im Kampf um die Aufstiegsplätze. Schubert erleichtert: „Diese neue Tabellensituation macht jetzt wieder alles möglich.“ Hinter Herbstmeister Fortuna Düsseldorf (42 Punkte) und Greuther Fürth (40) lauern mit jeweils 39 Zählern, Frankfurt, St. Pauli und der SC Paderborn.

Eine schwere Hypothek ist dabei jedoch der langfristige Ausfall von Torhüter Philipp Tschauner. Der Schlussmann erlitt in der Endphase der Partie eine Schultereckgelenksprengung und einen doppelten Bänderriss, zudem wurde der Bizepsmuskel beschädigt. Der Stammtorwart muss operiert werden und wird St. Pauli mehrere Monate nicht zur Verfügung stehen.

SID

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare