DFB-Frauen: Party ohne Prinz …

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Nur noch eine unter vielen? Birgit Prinz.

Mönchengladbach - Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft ist mit Glanz und Gloria ins WM-Viertelfinale eingezogen. Trotz der guten Nachrichten gibt es fast nur ein Thema: Der leise Abgang von Birgit Prinz.

Grings schießt Deutschland zum Sieg

Der Denkmalschutz für Birgit Prinz ist abgelaufen: Erstmals seit 28 Monaten führte die Rekord-Nationalspielerin ihre Mannschaft nicht aufs Feld – sondern saß 90 Minuten auf der Bank. Kapitänsbinde weg, Stammplatz weg, und bei den anderen ist der Knoten geplatzt …

Kerstin Garefrekes übernahm beim befreienden Sieg gegen Frankreich das Kapitänsamt, machte den wichtigen ersten Treffer, und im Sturm stand Inka Grings. Jene Stürmerin, die zuletzt auf der Bank schmorte, weil Prinz zweimal eine letzte Chance bekam. Grings traf doppelt – wollte von Triumph aber nichts wissen. „Birgit weiß, dass sie gerade nicht die besten Spiele spielt. Sie findet irgendwie nicht den Weg. Und das tut mir ehrlich leid für sie“, sagte die Konkurrentin.

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Das war aufrichtig von Grings und genauso aufrichtig war das DFB-Trainerteam bei der Begründung für die Umstellung – nur dass das dann ziemlich bitter klingen muss für die 33-Jährige. „Wir wollen dieses Spiel gewinnen, und dafür brauchen wir Spielerinnen in Topform“, sagte Co-Trainerin Ulrike Ballweg vor dem Spiel im ZDF. „Sie ist derzeit nicht in der besten Form, das hat sie auch selbst bestätigt.“ Eine Begegnung der DFB-Auswahl ohne Prinz in der Startformation hatte es zuletzt am 11. März 2009 beim 0:1 im Algarve Cup gegen Dänemark gegeben. Hatte sie damals verletzt die Portugal-Reise absagen müssen, war Prinz diesmal zwar spielbereit – aber angezählt.

Warum, das versuchte Bundestrainerin Silvia Neid zu erklären. „Sie selbst setzt sich ja am meisten unter Druck, und sie ist ja auch in einer schwierigen Situation: Wenn man immer liest, was man 17 Jahre lang für diesen Sport getan hat, welche Rekorde man aufgestellt hat, und dann wird gesagt, dass man ein Problemfall ist…“ Aber hätte die Bundestrainerin nicht reagiert, wäre intern wohl wirklich ein größeres Problem entstanden. Neid: „Hut ab vor der Leistung von Birgit, die so lange auf höchstem Niveau gespielt hat. Irgendwann zählt das aber nicht mehr. Dann geht es um die momentane Form.“

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Jetzt soll Prinz die verlorene Form wiederfinden – als Joker. Denn dass die Rekordtorschützin (214 Spiele, 128 Tore) alles verlernt hat, ist ja nicht anzunehmen. Und so hoffen sie beim Team, dass sie nach den zwei matten Auftritten gegen Kanada und Nigeria, bei denen Prinz jeweils kurz nach der Pause ausgewechselt worden war, noch richtig wertvoll wird. Nationalmannschaftsmanagerin Doris Fitschen betonte das gestern noch mal: „Egal, ob Birgit von Anfang an spielt oder eingewechselt wird – sie ist immer gefährlich.“

Auch Silvia Neid versuchte, Prinz Hoffnung zu machen: „Sie hat jetzt Zeit, sich im Training freizuspielen. Das Turnier geht ja noch ein paar Tage, da kann immer was passieren“, sagte sie. Aber was genau passieren kann, das klingt nicht unbedingt nach der grenzenlosen Wertschätzung vergangener Tage. Neid: „Vor allem wenn man sieht, dass wir schon heute mit den gelben Karten jonglieren mussten.“ Will sagen: Prinz spielt, wenn Grings & Co. gelbgesperrt oder -gefährdet sind. Nicht unbedingt das, was sich die Rekordnationalspielerin für die Heim-WM ausgedacht hatte.

tz

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