DFB-Elf besiegt die Türkei

+
Die deutsche Nationalmannschaft hat das EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei gewonnen.

Istanbul - Die DFB-Auswahl hat in der EM-Qualifikation ihre weiße Weste gewahrt. Auch in der Türkei setzte der WM-Dritte seinen Siegeszug fort. Es war der 50. Sieg unter Bundestrainer Joachim Löw.

Neuntes Spiel, neunter Sieg - auch ohne Mesut Özil hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft beim heißen Tanz in Istanbul den Durchmarsch in der EM-Qualifikation fortgesetzt. Das Bayern-Trio Mario Gomez (35. Minute), Thomas Müller (66.) und Bastian Schweinsteiger per Foulelfmeter (86.) erzielte beim 3:1 (1:0) am Freitagabend im Gruppengipfel gegen Gastgeber Türkei die Tore für eine abgeklärte deutsche Elf. Großen Anteil am 50. Erfolg unter Bundestrainer Joachim Löw hatte Torhüter Manuel Neuer, der die ersten beiden Tore überragend per Abwurf und langem Pass einleitete und beim Gegentreffer durch Hakan Balta (79.) chancenlos war.

Nach der souverän bestandenen Prüfung am Bosporus winkt der jungen und immer reifer wirkenden Mannschaft von Löw nun am Dienstag in Düsseldorf gegen Belgien der Qualifikationsrekord - noch nie schaffte ein DFB-Team eine makellose Ausscheidungsrunde mit zehn Siegen. “Wir haben uns das vorgenommen: zehn Spiele, zehn Siege - das wollen wir gegen Belgien vollmachen“, betonte der starke Neuer. Die Türken müssen dagegen nach der Niederlage vor 52 500 frustrierten Zuschauern um den wichtigen zweiten Platz in Gruppe A zittern.

Bilder vom EM-Qualifikationsspiel Deutschland:Türkei

Bilder vom EM-Qualifikationsspiel Türkei - Deutschland

“Insgesamt können wir ganz zufrieden sein“, sagte Müller, der aber die Chancenverwertung bemängelte. “Wir haben viele Kontermöglichkeiten nicht gut ausgespielt. Wir hätten noch viel mehr Tore machen müssen.“ Sein Bayern-Kollege Gomez meinte: “Wir haben von Anfang an gut dagegen gehalten. Alles in allem können wir zufrieden sein.“

Im Hexenkessel von Istanbul fiel der mit Spannung erwartete Auftritt von Mesut Özil aus. Der türkischstämmige Regisseur von Real Madrid, dessen möglicher Verzicht im Vorfeld zu Diskussionen geführt hatte, stand wegen einer Achillessehnenreizung nicht im Kader. Özil hätte fitgespritzt werden müssen, dieses Risiko wollte Löw nicht eingehen. “So muss ich vorsichtig sein“, sagte der Bundestrainer.

Für Özil rückte der Dortmunder Mario Götze als Spielmacher in die Startformation. Und der BVB-Jungstar ließ zwar seine große Anlagen aufblitzen, allerdings kam der 19-Jährige in Istanbul nicht ganz an Özils internationale Reife heran. Mit der herrlichen Vorarbeit zu Müllers 2:0 hatte der Edeltechniker aber noch seinen großen Moment.

Im Sturm ging Löws Personaltausch gänzlich ohne Leistungsabfall vonstatten. Für den in der italienischen Serie A zuletzt auftrumpfenden Miroslav Klose, den eine Knieprellung zum Zusehen zwang, agierte Gomez als Solo-Angreifer und verlieh mit dem herrlichen Linksschuss zum 1:0 seiner Forderung nach einem Stammplatz Nachdruck. In der Defensive schenkte Löw dem abgeklärt agierenden Arsenal-Legionär Per Mertseacker wieder das Vertrauen als Abwehrchef neben Holger Badstuber. Rechts testete der Bundestrainer den Münchner Jerome Boateng, der mit seiner Zweikampfstärke dazu beitrug, dass die Löw-Elf auch im 25. Auswärtsspiel in Serie ohne Niederlage blieb.

Löw setzte bei besten äußeren Bedingungen auf einen dominanten Bayern-Block mit gleich sieben Profis des Bundesliga-Tabellenführers in der Startelf. Und ein Bajuware war es auch, der für die erste spektakuläre Szene des Spiels sorgte. Nach einem Traumpass von Selcuk Inan tauchte der Ex-Münchner Hamit Altintop (5.) frei vor dem überragenden Neuer auf. Und wieder einmal demonstrierte der Torhüter seine Weltklasse, als er mit links eine Wahnsinnsparade zeigte und die Löw-Elf vor einem frühen Schock bewahrte.

Damit nicht genug: mit einem langen Abwurf leitete der Schlussmann auch die Führung durch Gomez über drei Bayern-Stationen ein. Neuers Handarbeit leitete Thomas Müller auf Gomez weiter, der Verteidiger Servet Cetin austanzte und sein 20. Tor im 48. Länderspiel markierte.

Abgesehen von Altintops früher Chance hatte die Löw-Auswahl die Partie weitgehend im Griff. Angetrieben vom starken Chef-Strategen Schweinsteiger, der auch seinen fünften Elfmeter im Nationaltrikot sicher verwandelte, war der WM-Dritte um Ballkontrolle bemüht.

Einzig die letzte Dynamik und Zielstrebigkeit in Strafraumnähe fehlten lange. Die Türken zogen sich weit zurück und verlegten sich auf überfallartige Konter. Und mit dieser Taktik kamen sie gegen die nicht immer souveräne DFB-Abwehr zu einem Chancenplus, aber weder Inan (29.) noch erneut Altintop (35.) nutzten ihre Möglichkeiten.

Nach der Pause mussten die Türken, die sich mit Belgien um den zweiten Platz in der Qualifikationsgruppe A streiten, mehr riskieren. Fast zwangsläufig ergaben sich für Löws EM-Fahrer mehr Räume und Chancen, von denen Gomez (55.), Müller (58.) und der eingewechselte André Schürrle (64./82.) zunächst die besten nicht verwerten konnten.

Erst Müller nach einem Neuer-Pass und Götzes Vorarbeit beseitigte mit einem Flachschuss Zweifel an Löws Jubiläumssieg, ehe der Bayern-Dauerrenner hinten patzte und Balta das 1:2 ermöglichte. Dann aber holte Müller den Elfmeter raus - und schlagartig flüchteten die türkischen Fans nach Schweinsteigers Treffer aus dem Stadion. So verpassten sie auch das Debüt des spät eingewechselten Gladbachers Marcos Reus im DFB-Nationaltrikot.

dpa

Kommentare